Politik

Mehrere EU-Staaten stellen sich gegen von der Leyens Klima-Paket

Mehrere EU-Staaten lehnen das von der Kommission vorgestellte Klima-Paket in Teilen ab. Die nächsten Jahre dürften von erbitterten Verhandlungen innerhalb der EU geprägt sein.
16.07.2021 12:06
Aktualisiert: 16.07.2021 12:06
Lesezeit: 2 min

Mehrere EU-Staaten lehnen das am Mittwoch von der Kommission vorgestellte Maßnahmenpaket zur Reduzierung der Emissionen des lebenswichtigen Naturgases Kohlenstoffdioxid (CO2) in Teilen ab. Wie die Finanicial Times berichtet, hätten Frankreich, Italien, Spanien, Ungarn, Bulgarien, Irland und Lettland starke Vorbehalte gegenüber mehreren der insgesamt vorgschlagenen 13 Maßnahmen geäußert.

CO2-Sondersteuer soll ausgeweitet werden

Insbesondere der Vorschlag, die bereits seit 2005 im Rahmen des Emissionshandels in Europa erhobenen Sondersteuern auf CO2 künftig auch auf die Bereiche Verkehr und Wohnen auszuweiten, stößt auf heftigen Widerstand. Befürchtet wird eine zu starke finanzielle Belastung der Bürger und das Entstehen von politischer Unruhe und Protestbewegungen wie etwa den sogenannten „Gelbwesten“ in Frankreich.

Bislang müssen europaweit nur Energieversorger und die energieintensiv arbeitende Industrie am Emissionshandel teilnehmen. Geht es nach dem Willen der EU-Kommission, müssen künftig auch Autobauer, Verkehrbetriebe, Fluggesellschaften, Mieter und Immobilienbesitzer zahlen. Der Preis eines Emissionszertifikates hatte sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt und treibt dadurch - verstärkt noch durch das Agieren von Spekulanten - die Preise für die entsprechenden Produkte und Dienstleistungen in die Höhe.

Das einzige EU-Land, welches die Sondersteuern schon heute auf die Bereiche Verkehr und Wohnen ausgedehnt hat, ist Deutschland. Seit Jahresbeginn gilt eine Sondersteuer in Höhe von 25 Euro je Tonne CO2, welche im Bereich Wohnen von Mietern und Hausbesitzern berappt werden muss und dort schon zu großem Unmut geführt hatte. Im Verkehrssektor werden die Zusatzkosten in Form höherer Preise auf alle Kunden umgelegt.

Um ärmere Haushalte beziehungsweise Mitgliedsstaaten nicht zu stark zu belasten, soll die Ausweitung des Emissionshandels von einem 72 Milliarden Euro schweren Fonds begleitet werden, der Unterstützungszahlungen leisten könnte. Doch auch das dafür notwendige Geld muss entweder aus Steuermitteln geschöpft oder am Kapitalmarkt aufgenommen werden, was die Schuldenlast der Staaten weiter erhöht. Zudem birgt die Umverteilung von Geldern in der EU immer auch ein politisches Risiko, wie die erbitterten Verhandlungen und Konfrontationen während der Eurokrise in den Jahren 2011 bis 2013 gezeigt hatten.

Neben der Ausweitung des Emissionshandels sind noch andere Maßnahmen des Pakets umstritten - beispielsweise die Erhebung einer Kerosinsteuer für die Luftfahrtbranche.

Die Details des Pakets sollen in den kommenden Jahren verhandelt werden und im Jahr 2023 zu einem Gesamtgesetz verschmolzen und dann erlassen werden. Der Weg dahin dürfte von äußerst kontroversen Debatten und Verhandlungen zwischen den EU-Staaten gekennzeichnet sein, welche das Risiko ernster Grabenkämpfe und politischer Spannungen in sich bergen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten
23.10.2026

Trockenheit wird für Europas Landwirtschaft zum immer größeren Problem. Zwei Brüder aus Österreich reagieren darauf mit einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
23.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Größter Verkauf russischen Goldes seit der Finanzkrise 1998: Weitere Tonnen verschwinden aus den Tresoren
23.10.2026

Die neuesten Daten der russischen Zentralbank zeigen, dass die Verkäufe aus den Goldreserven seit Jahresbeginn bereits 62 Tonnen erreicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum Frankreich weniger Schulden hat als die USA, dafür aber härter bestraft wird
23.10.2026

Die neuesten Eurostat-Daten für das zweite Quartal zeigen, dass die französische Staatsverschuldung im Verhältnis zur...

DWN
Politik
Politik Bundeswehr: Wehrdienst-Fragebogen ignoriert? Dann droht ein Bußgeld
23.10.2026

Seit Januar werden in Deutschland junge Menschen ab 18 von der Bundeswehr zu ihrer Bereitschaft eines möglichen Wehrdiensts angeschrieben....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DWN-Podcast Folge 48: Die Woche im Rückblick – KW 43
23.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Länderfinanzausgleich: Söder will AfD- und Linke-Ländern Geld streichen
23.10.2026

Mit einer sogenannten "Extremismusklausel" will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mögliche von der AfD oder der Linken geführten...

DWN
Technologie
Technologie Weltweiter Kohlekraft-Ausbau steigt trotz Klimazielen
23.10.2026

Wind- und Solarenergie haben Kohle in vielen Teilen Europas überholt – doch weltweit wächst die Zahl geplanter Kohleprojekte weiter,...