Deutschland

CDU treibt kostenpflichtige Corona-Zwangstest für Ungeimpfte voran

Vor dem Corona-Gipfel am Dienstag zeichnet sich ab, dass Ungeimpfte künftig für die vorgeschriebenen Corona-Tests werden zahlen müssen. Die Corona-Impfungen werden hingegen auch weiterhin aus Steuermitteln finanziert.
09.08.2021 15:11
Aktualisiert: 09.08.2021 15:11
Lesezeit: 2 min

Vor dem neuen Corona-Gipfel von Bund und Ländern zeichnet sich eine zunehmende Differenzierung zwischen Geimpften und Ungeimpften ab. Die CDU sprach sich am Montag dafür aus, das Angebot von kostenlosen Bürgertests im Oktober auslaufen zu lassen, wie Generalsekretär Paul Ziemiak in Berlin sagte. Wenn alle ein Impfangebot hätten, sei eine Finanzierung der Tests mit Steuermitteln nicht mehr erklärbar. Eine Sprecherin der Bundesregierung betonte, es müsse alles dafür getan werden, um einen erneuten harten Lockdown zu verhindern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt am Dienstagmittag per Videokonferenz mit Chefs der 16 Länder zusammen. Dabei soll der Kurs in der Corona-Pandemie für Herbst und Winter abgesteckt werden. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete für Montag 1183 neue Positiv-Tests. Das sind 336 mehr als am Montag vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 23,1 von 22,6 am Sonntag. Zwei weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle auf 91.784. Insgesamt waren in Deutschland bislang mehr als 3,79 Millionen Corona-Tests positiv. Bis zum Sonntag waren laut RKI 62,4 Prozent der Deutschen mindestens einmal geimpft, 54,8 Prozent hatten den vollen Impfschutz.

"Für uns ist eines klar: Geimpfte haben Vorteile", sagte Ziemiak. "Jemand, der geimpft ist, darf keine Nachteile deswegen haben, weil andere Menschen aus verschiedenen Gründen keine Lust haben, sich impfen zu lassen." CDU-Chef Armin Laschet betonte in der Sitzung Teilnehmerkreisen zufolge: "Wir wollen und müssen einen neuen Lockdown vermeiden." Deshalb müsse überall dort getestet werden, wo man im Innenraum auf fremde Menschen treffe. Wer geimpft sei, bleibe von der Testpflicht ausgenommen. Menschen, die nicht geimpft werden könnten - etwa Schwangere -, sollen weiter einen Anspruch auf kostenloses Testen haben. Laschet warb zudem für eine Impf-Offensive, die von dem Gipfel am Dienstag angestoßen werden müsse.

NICHT NUR INZIDENZ ALS KRITERIUM

Neben dem Umgang mit Ungeimpften steht bei den Gesprächen die Frage im Mittelpunkt, mit welchen Faktoren das Infektionsgeschehen künftig bewertet werden soll. Hierbei zeichnet sich ab, dass nicht mehr nur die Inzidenz darüber entscheidet, welche Schutzmaßnahmen getroffen werden. Laschet forderte, die Krankenhausbelegung, die Zahl der Intensivpatienten und den Impffortschritt stärker zu gewichten. Dessen ungeachtet erwägt das Bundesarbeitsministerium nach Reuters-Informationen eine Verpflichtung zum Homeoffice ab einer Inzidenz von über 50. Es sei aber fraglich, ob der Bund-Länder-Gipfel den Vorstoß übernehmen werde.

Aus der Wirtschaft kamen unterdessen Warnungen vor einem neuen Lockdown. Der Handelsverband HDE fordert neben einem Plan zur Beschleunigung der Impfungen eine langfristig angelegte Präventionsstrategie zur Verhinderung neuer Schließungen. "Mit den Lehren und Erkenntnissen aus dem bisherigen Pandemiemanagement lässt sich ein erneuter monatelanger Lockdown ohne Perspektive und Planungssicherheit verhindern", sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Auch die Tourismuswirtschaft forderte die Ministerpräsidentenkonferenz auf, einen neuen Lockdown für die Branche zu verhindern. Zudem müsse die Verlängerung der Überbrückungshilfe und der Regelungen für Kurzarbeit bis mindestens Jahresende beschlossen werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Steht der Länderfinanzausgleich auf der Kippe? Union droht bei Linksregierung mit Geldentzug
29.09.2026

Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin könnte diese bald die Regierung anführen. Die CDU- und CSU-geführten Bundesländer drohen...

DWN
Politik
Politik Winterzeit, Tankrabatt, Bahnhöfe: Was sich im Oktober ändert
29.09.2026

Die Sommerzeit endet schon wieder und das Alkoholverbot an Bahnhöfen kommt - ein Blick auf die Neuerungen im Oktober.

DWN
Finanzen
Finanzen Medios-Aktie: Konzern peilt bis 2031 Umsatz von 3,1 Milliarden Euro an
29.09.2026

Medios-Aktie gefragt: Medios will Umsatz und Ergebnis bis 2031 deutlich steigern. Die Berliner wollen sich mit der Strategie „Medios Next...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
29.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...

DWN
Politik
Politik Klima-Transformation: Das steckt hinter dem Umbau der Stahlindustrie
29.09.2026

Weg von Kohle, hin zu Wasserstoff: Die deutsche Stahlindustrie steckt Milliarden in die Produktion von grünen Stahl. Doch die...

DWN
Politik
Politik Fachkräftemangel: Einwanderer 2025 in vielen Berufen unverzichtbar
29.09.2026

Mehr als ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland hat Wurzeln im Ausland. Besonders in Berufen, in denen händeringend Fachkräfte...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreich Staatsverschuldung: Die nächste Gefahr für die Eurozone
29.09.2026

Frankreich galt lange als einer der politischen und wirtschaftlichen Pfeiler der Eurozone. Doch an den Anleihemärkten wächst die...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Wall Street schließt im Minus, während sich der Anleiheausverkauf fortsetzt
28.09.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Erfahren Sie, welche entscheidenden Faktoren die Wall Street heute in Atem hielten.