Deutschland

Hessen überwacht künftig systematisch Abwasser zur Corona-Früherkennung

Hessen wird in den kommenden Monaten die Zusammensetzung des Abwassers systematisch auswerten.
06.09.2021 11:51
Lesezeit: 1 min
Hessen überwacht künftig systematisch Abwasser zur Corona-Früherkennung
Auf dem Betriebsgelände der „Kasselwasser“ stehen drei markante Faultürme. (Foto: dpa) Foto: Andreas Arnold

Hessen erprobt landesweit die Corona-Früherkennung über das Abwasser. Mit der Methode könne das Infektionsgeschehen bis zu 14 Tage schneller abgebildet werden als über die Testung von Einzelpersonen, teilte das Wirtschaftsministerium am Montag in Wiesbaden mit. Zudem könnten neue Mutationen sowie lokale Cluster früher erfasst werden.

"Mit der Erprobung eines landesweiten Monitorings in Abwässern startet Hessen als erstes Bundesland in eine neue Phase der Pandemiebekämpfung", erklärte Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne). Hessen könne damit "auf ein neues, hoch effektives Instrument zurückgreifen".

Das Projekt liegt in den Händen von Wissenschaftlern der Technischen Universität (TU) Darmstadt um Prof. Susanne Lackner. Das Land unterstützt es mit rund 1,5 Millionen Euro. Acht Monate sollen rund 200 Proben von hessischen Kläranlagen untersucht werden - das Abwasser von mehr als 40 Prozent der Einwohner. Die Analyse ist technisch anspruchsvoll und zeitlich aufwendig - ein mobiles Labor soll die Kläranlagen dabei unterstützen.

Die Methoden hätten sich bewährt, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Was aktuell noch fehle, seien Parameter für die epidemiologische Bewertung der Daten. Diese Lücke werde aber bald geschlossen. "Das standardisierte Konzept für ein ganzheitliches abwasserbasiertes Corona-Monitoring wird sich als Referenz für eine Umsetzung auf Bundesebene anbieten."

Die Messungen könnten auch wichtige Erkenntnisse für andere Krankheitserreger liefern, sagte Prof. Lackner, "beispielsweise andere Viren oder antibiotikaresistente Keime, um damit zukünftigen Pandemien vorzubeugen oder sie schneller in den Griff zu bekommen". Das Projekt sei "ein gelungenes Beispiel dafür, wie Innovationen aus der Forschung Möglichkeiten zur Bearbeitung gesellschaftlicher Herausforderungen aufzeigen", sagte Prof. Tanja Brühl, Präsidentin der TU Darmstadt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Temu und Shein werden teurer: EU kassiert ab November zusätzlich
27.10.2026

Ein paar günstige Produkte aus China bestellen und dabei kräftig sparen? Das könnte sich für deutsche Verbraucher bald weniger lohnen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
27.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Microsoft-Aktie im Fokus: US-Konzern bietet 60.000 Mitarbeitern Abfindungen an
27.10.2026

Der US-Softwarekonzern Microsoft bietet rund 60.000 Beschäftigten in vier Ländern einen freiwilligen Abschied gegen eine Abfindung an....

DWN
Finanzen
Finanzen Micron-Technology-Aktie zwischen KI-Boom und China-Risiko: Was Anleger jetzt beachten sollten
27.10.2026

Nach heftigen Kursschwankungen steht die Micron-Aktie erneut im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Der Speicherchiphersteller profitiert...

DWN
Politik
Politik EZB-Zinsentscheid: Bleiben die Zinsen stabil oder deutet Lagarde schon die nächste Erhöhung an?
27.10.2026

In dieser Woche stehen zwei Zinsentscheidungen an. Am Mittwoch tagt die US-Notenbank Fed, am Donnerstag folgt der EZB-Zinsentscheid.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wolfgang Grupp junior: Audis Vier-Milliarden-Werk in den USA verschärft die Standortdebatte in Deutschland
27.10.2026

Trigema-Geschäftsführer Wolfgang Grupp junior kritisiert den Fokus auf den politischen Auftritt des Audi-Chefs in den USA. Er fragt...

DWN
Politik
Politik Was passiert, wenn Ägypten in den Krieg im Nahen Osten eintritt
27.10.2026

Ägyptens Parlament hat Präsident Abdel Fattah al-Sisi grünes Licht für militärische Unterstützung Saudi-Arabiens gegeben. Die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Allianz-Prognose: Unternehmensinsolvenzen bleiben auf hohem Niveau
27.10.2026

Mehr und mehr Unternehmen werden zu Sanierungsfällen: Der Kreditversicherer Allianz Trade rechnet dieses und nächstes Jahr mit nahezu je...