Politik

Lobbycontrol sieht gravierende Missstände bei der Parteienfinanzierung

Der Verein Lobbycontrol sieht weiterhin «gravierende Missstände» bei der Parteienfinanzierung und fordert grundlegende Reformen. Zuletzt habe eine Reihe von Skandalen das Vertrauen in die Politik beschädigt.
08.09.2021 16:31
Lesezeit: 1 min

Insgesamt zog Lobbycontrol eine durchwachsende Bilanz der zurückliegenden Legislaturperiode. Die politische Geschäftsführerin Imke Dierßen verwies am Mittwoch in Berlin auf Skandale wie die Maskenaffäre, die das Vertrauen in die Politik beschädigt hätten.

Unter dem Druck dieser Skandale habe die große Koalition aber ein Lobbyregister eingeführt - professionelle Interessenvertreter müssen sich in ein öffentlich einsehbares Register eintragen und dort Angaben zu ihren Arbeit- und Auftraggebern machen. Treffen in Ministerien sollen bis zur Ebene von Unterabteilungsleitern erfasst werden.

Es seien aber weitergehende Schritte notwendig, so Lobbycontrol. Der größte Handlungsbedarf bestehe bei der Transparenz über Lobbyeinflüsse auf die Gesetzgebung sowie der Parteienfinanzierung.

«Wir brauchen eine Lobby-Fußspur für Gesetze und eine grundlegende Reform der Parteienfinanzierung», sagte Timo Lange von Lobbycontrol, Autor des Lobbyreports der Organisation. Es sei problematisch, wenn Einzelpersonen oder Unternehmen hohe Summen spendeten. Es gebe sonst einen «beträchtlichen Einfluss» etwa auf die Finanzierung des Wahlkampfs. Spenden und Sponsoring sollten deswegen auf maximal 50.000 Euro pro Spender, Partei und Jahr begrenzt werden.

Erst am Montag war bekanntgeworden, dass ein niederländischer Medienunternehmer 1,25 Millionen Euro an die Grünen gespendet hat. Das geht aus einer aktuellen Auflistung des Bundestags hervor. Ein Parteisprecher hatte von der größten Einzelspende gesprochen, die Bündnis 90/Die Grünen bisher erhalten hätten. Das Geld, das die Grünen von dem Unternehmer erhalten hätten, sei für den Wahlkampf bestimmt.

Einzelspenden über 50 000 Euro müssen die Parteien dem Bundestagspräsidenten sofort melden, der die Angaben «zeitnah» veröffentlichen muss. Zuwendungen, die im Jahr 10.000 Euro übersteigen, müssen mit Namen und Anschrift des Spenders sowie der Gesamtsumme im Rechenschaftsbericht verzeichnet werden.

Die Berichte erscheinen laut Lobbycontrol allerdings erst rund zwei Jahre nach Spendeneingang: «Das erschwert, kritisch zu hinterfragen, ob es einen unzulässigen Zusammenhang zwischen einer Spende und einer politischen Entscheidung gab.» Lobbycontrol fordert, dass Spenden ab 10.000 Euro sofort nach Spendeneingang offengelegt werden müssen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen BYDFi im ausführlichen Test 2026

In deutschsprachigen Krypto-Foren hält sich eine Überzeugung besonders hartnäckig: Börsen ohne KYC-Pflicht sind unseriös, unsicher und...

DWN
Technologie
Technologie KI-Einsatz in Unternehmen: Warum der Produktivitätsschub ausbleibt
19.04.2026

Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant, doch die wirtschaftlichen Effekte bleiben bislang hinter den Erwartungen vieler Unternehmen...

DWN
Finanzen
Finanzen Chips als neue Anlageklasse: Wie GPUs die Finanzmärkte erobern
19.04.2026

Chips und Rechenleistung rücken zunehmend in den Fokus der Finanzmärkte, da Investitionen in KI-Infrastruktur massiv steigen. Kann die...

DWN
Politik
Politik Staatsschulden: Warum Deutschland über seine Verhältnisse lebt
19.04.2026

Deutschland steckt tief in der Wirtschaftskrise: kaum Wachstum, explodierende Sozialausgaben und eine Politik, die große Reformen scheut...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schweigepflicht im Job: Diese Regeln gelten wirklich
19.04.2026

Ein kurzer Plausch über den Arbeitsalltag wirkt harmlos, kann aber rechtliche Folgen haben. Denn nicht alles darf nach außen dringen....

DWN
Technologie
Technologie KI-Modelle im Visier von Nachahmern: OpenAI, Google und Anthropic bauen Kooperation aus
19.04.2026

Große KI-Unternehmen verstärken ihre Zusammenarbeit, um ihre Technologien vor unbefugter Nutzung und wachsender internationaler...

DWN
Panorama
Panorama Klimaschutz 2030: Deutschland drohen hohe Strafen
19.04.2026

Deutschland hat sein Klimaziel für das Jahr 2025 knapp erreicht, verliert jedoch deutlich an Geschwindigkeit. Die Treibhausgasemissionen...

DWN
Technologie
Technologie Künstliche Intelligenz außer Kontrolle? Forscherin warnt vor gefährlicher Entwicklung
18.04.2026

Künstliche Intelligenz wiederholt bereits bestehende Fehlinformationen und verstärkt vorhandene Ungleichheiten. Am gefährlichsten ist...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkt unter Druck: Kosten der Arbeitslosigkeit steigen dramatisch an
18.04.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt steht unter erheblichem finanziellem Druck. Nach aktuellen Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und...