Politik

Großbritannien will zehntausende ungeimpfte Pfleger entlassen

Die britische Regierung nimmt offenbar die Entlassung zehntausender Pflegekräfte in Kauf, die sich nicht impfen lassen wollen. Dem ohnehin bereits unterversorgten Gesundheitssystem auf der Insel drohen schwere Schläge.
01.10.2021 13:34
Aktualisiert: 01.10.2021 13:34
Lesezeit: 2 min

In englischen Pflegenheimen könnten einer Analyse zufolge bald Zehntausende Beschäftigte ihren Job verlieren, weil sie nicht vollständig gegen Corona geimpft sind. Der Auswertung des Nachrichtenportals "National World" auf Basis von Daten des englischen Gesundheitsdienstes NHS zufolge könnte England wegen neuer Vorgaben mehr als 40.000 Pflegekräfte verlieren.

Vom 11. November an müssen Beschäftigte in Pflegeheimen vollständig gegen Covid-19 geimpft sein, um ihre Tätigkeit weiter ausführen zu dürfen. Wie auch in Deutschland gibt es jedoch eine Minderheit, die sich trotz rechtzeitiger Ankündigung der Regeln durch die Regierung bislang nicht hat impfen lassen wollen. Die Analyse bezieht sich auf Pflegekräfte, die bis Mitte September noch nicht ihre erste Impfdosis erhalten hatten und somit nicht mehr ausreichend Zeit haben, um bis Mitte November vollständig geimpft zu sein. In Großbritannien wird die zweite Impfdosis acht Wochen nach der ersten verabreicht.

Das britische Gesundheitsministerium teilte auf Anfrage mit, man arbeite eng mit den lokalen Behörden und Betreibern der Pflegeheime zusammen, um sicherzustellen, dass ausreichend qualifizierte Pflegekräfte im Einsatz seien. Schon jetzt gibt es in Großbritannien jedoch wie auch in Deutschland einen großen Personalmangel in der Pflegebranche. Großbritannien leidet bereits unter einem massiven Mangel an Lastwagenfahrern, der zu ernsten Engpässen in der Treibstoffversorgung geführt hatte. Sollten nun tatsächlich tausende Pfleger entlassen werden, dürfte auch das Gesundheitssystem des Landes einen schweren Schlag erhalten.

Treibstoffmangel hält an

Trotz Bemühungen der Regierung um eine Entspannung der Lage halten die Sprit-Engpässe an den Tankstellen in Großbritannien an. Auch am Freitag waren viele Zapfsäulen leer und zahlreiche Tankstellen deswegen geschlossen. Branchenangaben zufolge hatten mehr als 2000 Tankstellen keinen Sprit. Die Regierung versuchte erneut, die angespannte Lage zu beruhigen, die durch einen Mangel an Lkw-Fahrern ausgelöst worden war. "Die Situation stabilisiert sich im ganzen Land, obwohl die Nachfrage nach Treibstoff offensichtlich immer noch hoch ist", sagte Polizeiminister Kit Malthouse dem Sender Sky News. Die Regierung hoffe, dass sich die Lage in den nächsten Tagen entspannen werde. Dennoch bildeten sich Augenzeugen zufolge vor geöffneten Tankstellen wie in den vergangenen Tagen lange Schlangen von Autos mit oft verärgerten Fahrern.

Der Branchenverband Petrol Retailers Association, der etwa zwei Drittel der 8380 britischen Tankstellen vertritt, hatte am Donnerstag mitgeteilt: Mehr als ein Viertel der Zapfsäulen seien außer Betrieb und gut ein Fünftel habe nur noch eine Kraftstoffsorte vorrätig. Mehr als die Hälfte hätten hingegen genügend Benzin und Diesel. "Bei dieser beispiellosen Nachfrage gehen die Vorräte schneller als üblich zur Neige", erklärte PRA-Chef Gordon Balmer.

Der durch den Brexit und die Corona-Pandemie verursachte Mangel an Lkw-Fahrern und anderen Arbeitskräften hat nicht nur Supermärkte, Restaurants und Tankstellen betroffen. Landwirte warnten am Freitag davor, dass wegen eines Mangels an Metzgern und Schlachthofmitarbeitern nun eine Massenkeulung von Schweinen drohe. Minette Batters, Präsidentin des Bauernverbands National Farmers Union, sagte, dass womöglich schon in einer Woche eine Keulung von bis zu 150.000 Schweinen auf den Bauernhöfen nötig werden könnte, da es in den Schlachthöfen an Mitarbeitern fehle.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Aktien legen dank Hoffnung auf Friedensabkommen zu
13.04.2026

Ein überraschendes Signal sorgt für Aufwind an den Börsen – erfahren Sie, warum die Anleger plötzlich wieder optimistisch in die...

DWN
Finanzen
Finanzen USA starten Blockade der Straße von Hormus: Trump setzt Drohungen um, der Ölpreis steigt
13.04.2026

Die Spannungen im Nahen Osten spitzen sich weiter zu: Die USA greifen zu drastischen Maßnahmen in einer der wichtigsten Handelsrouten der...

DWN
Panorama
Panorama Lufthansa-Streik: Diese Rechte haben Passagiere bei einem Pilotenstreik
13.04.2026

Der Lufthansa-Streik bringt den Flugverkehr in Deutschland ins Wanken und sorgt bei Tausenden Reisenden für Unsicherheit. Flugausfälle,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IWF warnt: Schwieriger Weg zurück für die Weltwirtschaft
13.04.2026

Die Ölkrise infolge des Iran-Kriegs verändert die globale Konjunktur nachhaltig. Warum selbst im besten Fall kein schneller Aufschwung...

DWN
Finanzen
Finanzen Autofahren in Deutschland immer teurer: Warum das so ist und was Sie tun können
13.04.2026

Autofahren wird für viele Menschen in Deutschland immer kostspieliger. Steigende Spritpreise, höhere Versicherungen und teurere...

DWN
Politik
Politik Analyse: Irans Führer fordern Trump heraus – wer hat am meisten zu verlieren?
13.04.2026

Die USA und der Iran verhandelten stundenlang, erzielten jedoch in Islamabad keinen Durchbruch. Sowohl die Kontrolle über die Straße von...

DWN
Finanzen
Finanzen BYD-Aktienkurs steigt: Kommt jetzt der Durchbruch?
13.04.2026

Die BYD-Aktie sorgt mit einem frischen Kaufsignal und starkem Auslandsgeschäft für Aufsehen. Gleichzeitig drücken Margenprobleme im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Entlastungspaket der Bundesregierung: Kritik vom IW an Kosten und Wirkung
13.04.2026

Steigende Energiepreise und Inflation setzen Haushalte und Unternehmen unter Druck. Die Regierung reagiert mit einem umfangreichen...