Wirtschaft

Chinas Exporte ziehen im September überraschend stark an

Chinas Exporte im September lagen um 28,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Doch dies ist offenbar kein gutes Omen für die Weltwirtschaft.
13.10.2021 08:58
Aktualisiert: 13.10.2021 08:58
Lesezeit: 2 min

Trotz Stromausfällen, Materialmangel und lokalen Corona-Ausbrüchen hat Exportweltmeister China im September überraschend eine Schippe draufgelegt. Die Ausfuhren wuchsen dank der anziehenden Nachfrage nach Konsumartikeln zum bevorstehenden Weihnachtsgeschäft um 28,1 Prozent zum Vorjahresmonat, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Zolldaten hervorgeht. Für Ökonomen kommt das überraschend: Sie hatten nur mit einem Plus von 21,0 Prozent gerechnet, nach 25,6 Prozent im August.

"Die Exporte haben sich erneut überdurchschnittlich entwickelt", sagte Volkswirt Erin Xin vom Bankhaus HSBC. Dahinter stecke wohl eine frühere Auslieferung von Konsumgütern für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft in den westlichen Industrieländern. Dort geht die Sorge um, angesichts von Engpässen wie etwa bei Halbleitern und gestörten globalen Lieferketten nicht rechtzeitig oder ausreichend Ware zu bekommen.

So klagten im September laut einer Ifo-Umfrage 74 Prozent der deutschen Einzelhändler über Lieferprobleme. "Die Beschaffungsprobleme aus der Industrie sind nun auch hier angekommen", sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. "Manches Weihnachtsgeschenk wird vielleicht nicht lieferbar sein oder teuer werden."

Andere Analysten sagten, dass die Stromausfälle die Exporte bislang zwar noch nicht beeinträchtigt haben. Aber in den kommenden Monaten könnten dadurch die Produktion eingeschränkt und die Kosten für die chinesischen Hersteller in die Höhe getrieben werden. Die durch die Umstellung auf saubere Energie, die starke Nachfrage und hohe Rohstoffpreise verursachte Stromknappheit hat seit Ende September die Produktion in zahlreichen Fabriken zum Erliegen gebracht, darunter bei vielen Zulieferern von globalen Konzernen wie Apple und Tesla. Betroffen waren etwa Fabriken in den östlichen Provinzen Guangdong und Zhejiang, beides wichtige Exportstandorte.

"WELTWIRTSCHAFT WIRD STÜTZEN"

"Wir gehen allgemein davon aus, dass diese Störungen in den kommenden Monaten nachlassen werden,", sagte Volkswirt Louis Kuijs von Oxford Economics. Die politische Führung dürfte das Wachstum betonen und dazu aufrufen, die Klimaziele in einem gemäßigteren Zeitrahmen zu verfolgen. "Auf längere Sicht dürften die Exporte durch die anhaltende Erholung der Weltwirtschaft und ein allmähliches Nachlassen der Störungen in der globalen Lieferkette im nächsten Jahr gestützt werden", sagte Kuijis.

Chinas Importe stiegen im September mit 17,6 Prozent deutlich langsamer als noch im August mit 33,1 Prozent. "Die Aufschlüsselung zeigt einen breit angelegten Rückgang bei allen Warentypen, besonders ausgeprägt bei den eingehenden Lieferungen von Halbleitern", sagte Analyst Julian Evans-Pritchard von Capital Economics. Geringere Einfuhrmengen von Industriemetallen seien zudem ein weiterer Beleg dafür, dass Umweltauflagen und eine Abkühlung der Bautätigkeit die Schwerindustrie belasten.

Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge bleibt China ein Zugpferd der Weltwirtschaft. In diesem Jahr soll die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt um 8,0 Prozent wachsen. Für 2022 werden 5,6 Prozent erwartet.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hat sich von der Pandemie zwar schnell erholt, aber es gibt Anzeichen dafür, dass die Erholung an Schwung verliert. Die hohe Nachfrage nach Rohstoffen und Versorgungsengpässe trüben Chinas wirtschaftliche Aussichten. Mehr zum Thema: Der Gigant wankt: Chinas Finanzsystem steht vor dem Kollaps, Partei und Konzerne kämpfen um die Macht

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Probezeit: Was ist zu beachten?
05.11.2026

Die Stellenausschreibung wurde veröffentlicht, Vorstellungsgespräche geführt und endlich scheint derpassende Kandidat...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rheinmetall-Aktie unter Druck: Umsatz steigt stark, Prognose sinkt
05.11.2026

Rheinmetall wächst kräftig und steigert Umsatz sowie operatives Ergebnis deutlich. Trotzdem senkt Deutschlands größter Rüstungskonzern...

DWN
Politik
Politik Pflegereform 2027: Linnemann kündigt Nachbesserungen bei Sparplänen an
05.11.2026

Die Pflegereform nimmt im Bundestag konkrete Formen an. Gesundheitsminister Carsten Linnemann will Milliarden einsparen und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektroflugzeug Vaeridion: EU und Investoren geben über 120 Millionen Euro
05.11.2026

Das Münchner Flugzeug-Startup Vaeridion erhält mehr als 120 Millionen Euro für die Entwicklung seines Elektroflugzeugs „Microliner“....

DWN
Finanzen
Finanzen Dax steigt leicht: Rheinmetall-Aktie bricht nach Prognosesenkung ein
05.11.2026

Der Dax legt am Donnerstag leicht zu, bleibt aber unter seinem Rekordhoch. Deutlich schlechter läuft es für die Rheinmetall-Aktie: Nach...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bosch verschärft Sparkurs: Weitere 750 Stellen fallen weg
05.11.2026

Am Bosch-Standort Abstatt sollen bis Ende 2029 weitere 750 Arbeitsplätze wegfallen. Der Konzern verweist auf die schwache Nachfrage in...

DWN
Politik
Politik Abschied von russischer Spurweite: Ukraine rückt näher an EU
05.11.2026

Die Ukraine will ihr Bahnnetz stärker an die EU anbinden und plant zwei weitere Infrastrukturprojekte an ihren Westgrenzen. Neue Gleise...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Handwerk wird teurer: Steigende Kosten treffen bald auch die Kunden
05.11.2026

Energie, Baustoffe, Löhne – die Kostenbelastung im Handwerk wächst und treibt die Preise nach oben. Warum der Aufschwung in der...