Unternehmen

Kaum noch deutsche Firmen wollen Geschäfte wegen Brexit verlagern

Nur noch halb so viele Firmen wie vor einem Jahr haben derzeit Pläne, Geschäftsaktivitäten aufgrund des Brexits zu verlagern Dies zeigt die Herbstumfrage der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer.
13.10.2021 11:09
Aktualisiert: 13.10.2021 11:09
Lesezeit: 1 min

Die Herbstumfrage der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer zeigt, dass die deutsch-britische Wirtschaft – bezogen auf ihre eigenen Aktivitäten – optimistisch in die Zukunft schaut. In Bezug auf die gesamtökonomische Entwicklung im Vereinigten Königreich überwiegt aber eine etwas vorsichtigere Einschätzung, da Sekundäreffekte der Pandemie und des Brexits (logistische Unterbrechungen, Fachkräftemangel und Lieferprobleme) nun stärker zum Tragen kommen.

Mehr als 50% der befragten Firmen schätzen die Entwicklung ihrer eigenen Geschäftstätigkeiten im Vereinigten Königreich jetzt als positiv oder sehr positiv ein (34% betrachten sie als stabil). Aus diesem Grund planen ein Drittel, ihre Investitionen zu erhöhen und die Hälfte will neue Arbeitsplätze schaffen.

Im Gegensatz hierzu erwarten aber nur 27%, dass die britische Wirtschaft sich in den kommenden 12 Monaten besser oder bedeutend besser entwickeln wird als bisher. Dies begründet sich in Teilen auf den Auswirkungen der Pandemie, da mehr als die Hälfte (52%) erwarten, dass die britische Wirtschaft noch mindestens neun Monate braucht, um sich hiervon vollkommen zu erholen.

Die derzeit größten Herausforderungen sehen die Unternehmen neuerdings in den Bereichen Logistik, Fachkräftemangel und Lieferengpässe. Handelsbarrieren/Zollformalitäten und Reisebeschränkungen waren bisher die beiden Hauptprobleme, liegen aber nun nur auf Platz 3 und 5. Nichtsdestotrotz benötigen immer noch 34% der Unternehmen weiterhin Hilfe in Zollfragen.

Interessanterweise haben nur noch ein Drittel der befragten Firmen derzeit Pläne, einige Geschäftsaktivitäten aufgrund des Brexits zu verlagern (gegenüber 70% im letzten Herbst).

In Bezug auf die bevorstehende Klimakonferenz in Glasgow lässt sich festhalten, dass eine Mehrheit der Unternehmen die Lösung der Umweltherausforderungen als wichtig oder sehr wichtig ansehen. Andere Elemente der ESG-Agenda werden als weniger wichtig eingeschätzt.

Dr. Ulrich Hoppe, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer, kommentiert: „Die Umfrageergebnisse zeigen, dass obwohl die deutsch-britische Wirtschaft optimistisch für ihre eigenen Aussichten ist, die Coronapandemie und der Brexit aber weiterhin noch gewisse wachstumshemmende Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Vereinigten Königreich haben werden.“

Im Rahmen dieser Studie wurden 71 webbasierte Interviews mit Unternehmen der deutsch-britischen Wirtschaft, die im Vereinigten Königreich operativ aktiv sind, durchgeführt. Die Studie war Teil des World Business Outlooks des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Der Durchführungszeitraum war vom 1.Oktober bis zum 10. Oktober 2021. Die gesamten Ergebnisse sind hier abrufbar.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Die Ökonomie der App-Stores: Welche Branchen das größte Wachstum im mobilen Sektor verzeichnen

Das rasante Wachstum mobiler Apps ist eines der prägenden Merkmale der heutigen digitalen Wirtschaft. Menschen kaufen darüber ein,...

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Getreidehandel: Drohen steigende Lebensmittelpreise wegen des Seekriegs im Schwarzen Meer?
26.07.2026

Die Kämpfe auf dem Schwarzen Meer haben längst wirtschaftliche Folgen weit über die Region hinaus. Reedereien ändern ihre Routen,...

DWN
Technologie
Technologie 242 Stunden im Minus: Darum läuft Deutschlands Strommarkt aus dem Takt
26.07.2026

Immer häufiger fällt der Börsenpreis für Strom unter null. Der billige Überschuss kostet Deutschlands Steuerzahler und Industrie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ein Nobelpreisträger erklärt: Niedrige Geburtenraten töten das Wirtschaftswachstum nicht
26.07.2026

Sinkende Geburtenraten gelten oft als Gefahr für Wachstum und Wohlstand. Doch Nobelpreisträger Daron Acemoglu kommt zu einem anderen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmensmedien: Wer nur Inhalte postet, hat den Kampf um Kunden bereits verloren
26.07.2026

Unternehmen produzieren Podcasts, Videos und LinkedIn-Beiträge, doch das Publikum bleibt aus. Der Grund: Viele behandeln Inhalte wie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Geldpolitik wurde unter Greenspan zur Macht über die Märkte
26.07.2026

Alan Greenspan konnte mit einem Halbsatz Märkte beruhigen oder verunsichern. Fast zwei Jahrzehnte lang galt der Fed-Chef als Dirigent der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lohntransparenz: Nordea legt Gehälter offen und verändert die Machtverhältnisse
26.07.2026

Was geschieht, wenn Beschäftigte plötzlich erkennen können, ob ihr Gehalt am oberen oder unteren Ende der vorgesehenen Spanne liegt? Die...

DWN
Panorama
Panorama Hitzefalle Spielplatz: Wie Städte für mehr Schatten sorgen wollen
26.07.2026

Die Sommer werden heißer, und viele Spielplätze geraten an ihre Grenzen. Fehlender Schatten und aufgeheizte Flächen erschweren das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Britische Wirtschaft: Die Heimat des Kapitalismus steckt in der Wachstumsfalle
26.07.2026

Großbritannien wechselt seine Regierungschefs, doch die Wirtschaft bleibt stehen. Seit der Finanzkrise wächst die Heimat des Kapitalismus...