Unternehmen

So setzen die hohen Energiepreise die deutsche Industrie unter Druck

Es folgt eine Übersicht, wie sich sieben deutsche Industrieunternehmen bemühen, mit den drastisch gestiegenen Energiepreisen umzugehen. Auch die Einschränkung der Produktion ist dabei ein Mittel.
13.10.2021 16:44
Aktualisiert: 13.10.2021 16:44
Lesezeit: 2 min

Die drastisch gestiegenen Energiepreise machen der Industrie immer mehr zu schaffen. Selbst mit Absicherungen gegen negative Preisentwicklungen (Hedging) stoßen Unternehmen an ihre Grenzen. Nicht alle können die Aufschläge an die Kunden weiterreichen. Einige Firmen schließen Produktions-Einschränkungen nicht aus. Es folgt eine Übersicht:

1. DEUTSCHE BAHN

Die Bahn ist mit einem Verbrauch von zehn Terawattstunden jährlich wohl der größte Stromabnehmer in Deutschland. Die Menge entspricht etwa dem Stromverbrauch von Hamburg. Daher sei auch der Staatskonzern von den Preissteigerungen betroffen, sagt eine Sprecherin. "Da wir langfristige Verträge mit einem stabilen Netzwerk an Lieferanten sowie eine auf Preisstabilität ausgerichtete Sicherungspolitik haben, sind tagesaktuelle Veränderungen und kurzfristige Schwankungen für uns aber weniger relevant." Man beobachte die mittel- und langfristige Preisentwicklung jedoch genau.

In der Vergangenheit wurden hohe Energiepreise auch als ein Grund für Preissteigerungen bei den Tickets genannt. Auf der anderen Seite helfen zumindest hohe Spritpreise der Bahn, da dann eher auf die Bahn umgestiegen wird. Sie setzt zunehmend auf erneuerbare Energien und hat im Bahnstrommix jetzt einen Anteil von mehr als 60 Prozent. "Auslaufende thermische Verträge werden konsequent durch neue Verträge aus regenerativen Energieträgern ersetzt", sagt die Sprecherin. Bis 2030 wolle man 80 Prozent, bis 2038 100 Prozent erreichen. "Das macht uns Stück für Stück unabhängiger von Preisen für fossile Energieträger und CO2-Zertifikate."

2. HEIDELBERGCEMENT

Der Baustoffkonzern will wegen des Kostenanstiegs aufgrund des Preissprungs beim Strom die Verkaufspreise erhöhen. "Eine derartige Kostenexplosion ist einmalig. Wir sind gezwungen, kurzfristig die Preise deutlich anzuheben", beschreibt ein Sprecher von HeidelCement die Lage. Normalerweise werden die Preise für die energieintensiven Baustoffe nur in größeren Zeitabständen angepasst. Eingeschränkt werde die Produktion deshalb nicht, denn trotz der schon länger steigenden Materialpreise sei die Baukonjunktur weiterhin robust, auch dank öffentlicher Infrastrukturprogramme.

3. HOLCIM

Der Schweizer Zementkonzern reicht höhere Energiepreise weiter. "Die Auswirkungen auf die Energieversorgung, wie zum Beispiel der Anstieg der Energie- oder Strompreise, werden umgehend an den Markt weitergegeben", erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Holcim ergreife auch Maßnahmen, um Energiepreisschwankungen abzufedern. So setze der Konzern etwa im Rahmen einer Kreislaufwirtschaft alternative Brennstoffe ein, die auf der Wiederverwertung von Abfällen am Ende ihres Lebenszyklus basieren und fossile Brennstoffe ersetzen. Verschiedene Standorte in einigen Ländern würden mit einem Anteil von mehr als 90 Prozent an alternativen Brennstoffen betrieben.

4. WACKER CHEMIE

Der Münchner Spezialchemiekonzern hat die Preise für Silikonprodukte - die etwa für die Hälfte des Umsatzes stehen - im Durchschnitt kürzlich um 30 Prozent erhöht. Ein wesentlicher Grund dafür seien die steigenden Energiepreise, sagt ein Sprecher. Vor allem Polysilizium ist in der Produktion sehr energieaufwendig. Die Mitte September erhöhte Gewinnprognose sei aber nicht in Gefahr, sagt der Sprecher. Wacker produziere rund ein Fünftel seines Energiebedarfs selbst – mit Wasserkraftwerken sowie Gas- und Dampf-Kraftwerken. Der Rest des Stroms werde zugekauft, zu einem kleinen Teil auch am Spot-Markt.

5. AURUBIS

Europas größte Kupferhütte investiert nach eigenen Angaben fortlaufend in die Verbesserung seiner Energieeffizienz. So teste Aurubis etwa in seinem Hamburger Werk den Einsatz von Wasserstoff statt Erdgas. Darüber hinaus werde ein Großteil der marktgebundenen Energiekosten vorab preislich fixiert. Aurubis sichere sich bei der Beschaffung von Energie durch Terminkontrakte mit langfristig verhandelten Preisen ab. "Mit diesen Maßnahmen sehen wir uns gut aufgestellt und erwarten nach aktuellem Stand keine Produktionsausfälle aufgrund von Energiepreisentwicklungen."

6. THYSSENKRUPP

Der größte deutsche Stahlkonzern kann sich an seinem Werk in Duisburg weitgehend selbst mit Strom versorgen, für den er bei der Produktion anfallende sogenannte Kuppelgase nutzt. Er beliefert zudem damit rund 20.000 angrenzende Haushalte. "Indirekt trifft uns die Steigerung der Strompreise dennoch, da zum Beispiel die Preise für die von uns eingesetzten Industriegase an Strompreise gekoppelt sind", erklärt der Konzern. Thyssenkrupp wappne sich mit verschiedenen Mitteln gegen unerwartete Preissprünge insbesondere beim Gas. "Produktionsanpassungen oder -stilllegungen gibt es bei uns aufgrund der gestiegenen Strom- und Gaspreise nicht."

7. SALZGITTER

Auch der Thyssenkrupp-Rivale kann sich an den Standorten Salzgitter und Mühlheim komplett mit der Kuppelgasverstromung versorgen. Für alle anderen Konzerngesellschaften sichere sich das Unternehmen über mehrere Jahre mit Teilmengen ab. Die aktuellen Preissteigerungen schlügen dann zeitverzögert durch. An dem stromintensivsten Standort in Peine, an dem Stahlschrott mittels Elektrolichtbogenöfen eingeschmolzen und damit recycelt wird, könnten Produktionseinschränkungen nicht ausgeschlossen werden.

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