Finanzen

Berliner Landgericht: Banken dürfen keine Negativzinsen auf Privatkonten erheben

Das Landgericht Berlin hat ein weitreichendes Urteil gesprochen: Negativzinsen in Form sogenannter „Verwahrentgelte“ sind illegal und müssen den Kunden von den Banken zurückgezahlt werden.
16.11.2021 16:00
Aktualisiert: 16.11.2021 16:33
Lesezeit: 1 min

Verbraucherschützer sehen sich durch ein Urteil des Landgerichts Berlin in ihrer Einschätzung bestätigt, dass Kreditinstitute für Einlagen auf Tagesgeld- und Girokonten keine Negativzinsen berechnen dürfen. «Das Landgericht Berlin setzt hiermit ein klares Signal gegen den Versuch vieler Banken, Kundinnen und Kunden mit Verwahrentgelten in Form von Negativzinsen zu belasten», sagte David Bode, Rechtsreferent beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Dienstag. «Erfreulich ist auch, dass das Gericht die Bank dazu verpflichtet hat, alle zu Unrecht kassierten Beträge zurück zu zahlen.» Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Landgericht Berlin erklärte in erster Instanz nach einer Klage des vzbv entsprechende Klauseln im Preisverzeichnis eines Kreditinstitutes für unzulässig. Die Beanspruchung eines so genannten Verwahrentgeltes bei Zahlungsdiensteverträgen sei mit wesentlichen Grundgedanken der gesetzlichen Regelung nicht zu vereinbar, entschied das Gericht mit Blick auf Girokonten. Beim Tagesgeldkonto müsse dem Kunden mindestens der Betrag verbleiben, den er eingezahlt hat. Dies werde jedoch durch das Verwahrentgelt umgangenen. (Az:16 O 43/21).

Der vzbv möchte die Zulässigkeit der Verwahrentgelte grundsätzlich klären lassen und hat deshalb Klagen gegen verschiedene Kreditinstitute erhoben. Das Berliner Urteil ist den Angaben zufolge die erste Entscheidung dazu.

Geschäftsbanken, die Geld bei der Europäischen Zentralbank parken, müssen dafür seit Juni 2014 Zinsen zahlen. Aktuell liegt dieser Einlagenzins bei minus 0,5 Prozent. Etliche Geldhäuser geben die Kosten für die Negativzinsen an ihre Kunden weiter. Seit einiger Zeit gewährt die Notenbank Freibeträge für bestimmte Summen, um die Institute zu entlasten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie „Wir befinden uns in einem Wettrüsten”: Deutschlands Drohnenabwehr wird zur Chance für den Mittelstand
14.09.2026

Nach dem gescheiterten Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle plant die Bundesregierung Drohnenabwehreinheiten an neun Standorten....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kein Treffen zur Straße von Hormus – was steckt dahinter?
14.09.2026

Ein geplantes Treffen im Oman machte Hoffnung auf Bewegung im Konflikt um die Straße von Hormus. Doch der Termin platzt kurz vorher.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hormus-Blockade: Gaspreis erreicht höchsten Stand seit Ende 2022 – was das für den Winter bedeutet
14.09.2026

Europas Gaspreis steigt auf den höchsten Stand seit Ende 2022. Lieferausfälle am Persischen Golf, die Blockade der Straße von Hormus und...

DWN
Politik
Politik Ölpreis aktuell deutlich fester: Saudisches Öl sitzt fest
14.09.2026

In den USA glaubt Präsident Trump an einen Sieg über den Iran direkt nach den Zwischenwahlen. Doch sowohl J. D. Vance als auch Marco...

DWN
Finanzen
Finanzen Restaurant-Aktien: Zwei Wachstumswetten für die nächsten 20 Jahre
14.09.2026

Tech-Aktien gelten als erste Adresse für spektakuläres Wachstum. Doch zwei Restaurantketten aus den USA könnten Anlegern langfristig...

DWN
Politik
Politik Kommunalwahl in Niedersachsen: CDU vorn, AfD legt stark zu – drei Lehren
14.09.2026

Die Kommunalwahlen in Niedersachsen setzen gleich mehrere politische Warnsignale. Während CDU und SPD deutliche Verluste hinnehmen,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bosch will Lkw-Geschäft bis Mitte der 2030er verdoppeln
14.09.2026

Bosch setzt große Hoffnungen auf schwere Nutzfahrzeuge. Der Technologiekonzern will seinen Umsatz in diesem Segment bis Mitte der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft "Einzigartige Allianz" mit EU: Kanada prüft engere Anbindung an Europas Binnenmarkt
14.09.2026

Der Konflikt mit Washington zwingt Kanada zur Neuorientierung. Nun rückt die Europäische Union als strategischer Partner stärker in den...