Unternehmen

Boeing rüstet immer mehr Passagiermaschinen zu Frachtern um - und macht damit deutschen Hersteller glücklich

Der US-Flugzeugbauer Boeing lässt sich von der Pandemie überhaupt nicht beeindrucken. Davon profitiert auch ein Mittelständler aus Wiesbaden.
07.12.2021 18:52
Aktualisiert: 07.12.2021 18:52
Lesezeit: 2 min
Boeing rüstet immer mehr Passagiermaschinen zu Frachtern um - und macht damit deutschen Hersteller glücklich
Eine Boeing im Einsatz. (Foto: dpa) Foto: Soeren Stache

„Boeing freut sich, seine starke Beziehung, die von gegenseitigem Nutzen ist, mit STAECO fortzusetzen. Wir schaffen gemeinsam zusätzliche Umrüstungskapazität, um der wachsenden Nachfrage weltweit nachzukommen“, sagte Peter Gao, ein hoher Vertreter des US-Unternehmens in China.

„STAECO hat seine Expertise gezeigt und einen Rekord bei der Lieferung von qualitativ Frachtflugzeugen aufgestellt, die umgerüstet worden sind. Es wird eine besondere Rolle dabei spielen, dass Boeing seine Kundenaufträge jetzt und auch in der Zukunft erfüllt“, fügte der US-Manager hinzu – und das mit einem gehörigen Schuss Pathos, das die US-Amerikaner so lieben.

Der US-Flugzeugbauer hat gerade zum Nikolaustag einen Kooperationsvertrag mit dem chinesischen Aircraft-Ausrüster STAECO unterzeichnet. Die beiden Partner werden zwei Passagiermaschinen des Typs Boeing 737-800BCF zu Frachtflugzeugen umrüsten. Die erste Maschine werde im ersten Quartal 2022 ausgeliefert, heißt es. Die zweite Lieferung soll dann Mitte des kommenden Jahres über die Bühne gehen.

Hintergrund: Boeing geht davon aus, dass in den kommenden 20 Jahren 1.720 Passagiermaschinen zu Frachtflugzeugen umgerüstet werden. Die Umrüstung zu Frachtern hat während der Pandemie einen Schub bekommen, weil viele Passagiermaschinen immer noch relativ wenig Touristen und Geschäftsreisende befördern können.

Boeing schon mit 200 Bestellungen für umgerüstete Frachtflieger

So rechnet der US-Luftfahrtkonzern bei den Auslieferungen in den kommenden zwei Jahrzehnten mit 1.200 Flugzeugen, die lediglich über eine Standardausstattung verfügen. 20 Prozent der Nachfrage stamme aus Europa, während 30 Prozent aus Nord- und Lateinamerika kommen dürfte, glaubt der Konzern. Der Rest falle auf Asien, so die US-Amerikaner. Die Boeing 737-800BCF gilt als der wichtigste Typ, der ausgeliefert wird. Die US-Amerikaner haben dafür eigenen Angaben zufolge bereits 200 Bestellungen von 19 Kunden.

Damit erhalten auch die Produzenten von Carbon und anderen Verbundstoffen wieder Auftrieb. Denn rund die Hälfte der Materialien, die in einer Boeing-Maschine verwendet werden, stammt aus diesen Stoffen, die eine Kombinationen aus mehreren sind. Dadurch sollen deren Eigenschaften verbessert werden – beispielsweise werden sie auf die Weise wesentlich leichter, ohne aber schwächer zu sein.

Ein wichtiger Anbieter an diesem milliardenschweren Markt ist der Wiesbadener Hersteller SGL Carbon, den der Fachdienst „Finanzennachrichten“ sogar als „Weltnummer“ bezeichnete. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren versucht, verstärkt in der Luftfahrtindustrie fußzufassen. So hat der Produzent 2019 mit dem belgischen Konkurrenten Solvay eine Entwicklungsvereinbarung geschlossen, um erstmalig besondere Faserverbundwerkstoffe zu bringen. Diese Materialien sollen den Flugzeugbauern dabei helfen, die Kosten zu verringern und die CO2-Emmissionen zu verringern.

SGL Carbon bestätigt Prognose für 2021

Ursprünglich hat SGL Carbon, an dem die deutsche Milliardärin Susanne Klatten und BMW die wichtigsten Aktionäre sind, seinen Fokus auf die Autoindustrie gelegt. Die Expertise, die das Management hier gewonnen hat, will die Führung auch im Luftfahrtsegment anwenden. Das Unternehmen hat eine Restrukturierung hinter sich und wurde von den Lieferengpässen und den steigenden Rohstoff-Preisen getroffen – wie andere Industrieunternehmen auch. Trotzdem stehen jetzt die Zeichen 2021 wieder auf Wachstum: So bestätigte der Vorstand zuletzt seine Prognose vom Sommer und will weiterhin im laufenden Jahr rund eine Milliarde Euro Umsatz erreichen.

Auch die internationalen Analysten von „Marketsandmarkets“ (MAM) gehen davon aus, dass sich die Markt für Verbundwerkstoffe immer besser entwickelt. Die Experten rechnen in einer aktuellen Studie weltweit zwischen 2021 und 2026 mit einem jährlichen Wachstum von 7,5 Prozent auf 111 Milliarden Euro. Für das laufenden Jahr dürften die Gesamtumsätze bei 78 Milliarden Euro liegen, glauben sie. Die Luftfahrtindustrie werde dabei der wichtigsten Markttreiber sein. Die Nachfrage nach hochwertigen Materialien steige immer mehr, begründen sie. Und SGL Carbon zählen die Fachleute zu den „wichtigsten Akteuren“. Dass der Vorstand um SGL-Chef Torsten Derr an der Prognose vom Sommer festgehalten hat, war demnach wohl eine richtige Entscheidung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Rauchmelder oder Hitzewarnmelder? Welche Lösung eignet sich für die Küche?

Die Küche gehört zu den Bereichen eines Hauses, in denen im Alltag besonders viele Wärmequellen zusammenkommen. Herd, Backofen, Toaster,...

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Warum schlechte Nachrichten gute Nachrichten für US-Anlegertitle
07.08.2026

Unerwartete Entwicklungen an der Wall Street: Warum enttäuschende Konjunkturdaten plötzlich für Jubel unter Investoren sorgen.

DWN
Politik
Politik EU-Haushalt 2028–2034: Deutschland soll Europas Rechnung bezahlen
07.08.2026

Zwei Billionen Euro, neue Schulden und ein Machtkampf zwischen Berlin und Paris: Die Verhandlungen über den EU-Haushalt 2028–2034 drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell kräftig im Plus: Schwache US-Arbeitsmarktdaten treiben Goldpreis-Entwicklung an
07.08.2026

Der Goldpreis hat am Freitag kräftig zugelegt. Schwache US-Arbeitsmarktdaten lassen die Renditen amerikanischer Staatsanleihen sinken und...

DWN
Panorama
Panorama Vier Buchempfehlungen für die Liege: Was Entscheider diesen Sommer unbedingt lesen sollten
07.08.2026

Das Tablet ist geladen, der Sonnenschirm steht, die E-Mails dürfen warten. Wir haben vier Wirtschaftsbuch-Empfehlungen für Sie, die den...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BYD Sealion 5 im Test: Viel Auto für vergleichsweise wenig Geld
07.08.2026

Der BYD Sealion 5 verbindet viel Platz, hohen Komfort und einen erstaunlich großen Aktionsradius. Als Plug-in-Hybrid schafft er im Test 80...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Start-up CYNiO: CO2 – das Abgas als Wunderwaffe für die Chemiebranche?
07.08.2026

Von Autositzen bis zur Schuhsohle stecken Isocyanate in zahlreichen Industrieprodukten. Die Herstellung der Chemikalie ist hochtoxisch....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rüstungsindustrie wächst rasant, doch der Cashflow wird zum Problem
07.08.2026

Europas Rüstungsindustrie meldet volle Auftragsbücher und starke Nachfrage. Doch der Markt achtet zunehmend auf eine andere Frage: Wie...

DWN
Politik
Politik Europas zweiter Verfassungszusatz: Warum der Wolf zur politischen Waffe wird
07.08.2026

Womit kann man Wahlen gewinnen, wenn Migranten, Wokeness, grüner Alarmismus und Regulierung ausgeschöpft sind? Mit dem Gewehr und mit den...