Technologie

Energiewende im Rückwärtsgang: Anteil erneuerbarer Energien am Strommix sinkt erstmals seit Jahren

Das Großprojekt der „Energiewende“ stößt zunehmend an physikalische Grenzen. Die fossilen Energieträger verdrängen die Erneuerbaren erstmals seit Jahren von der Spitze im Strommix.
21.12.2021 16:00
Aktualisiert: 21.12.2021 16:41
Lesezeit: 2 min

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der deutschen Stromerzeugung ist im laufenden Jahr erstmals seit vielen Jahren gesunken. Branchenverbände führen das unter anderem darauf zurück, dass 2021 vergleichsweise wenig Wind wehte. Nach vorläufigen Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vom Dienstag machten erneuerbare Energien zuletzt 40,9 Prozent der Bruttostromerzeugung von 582 Milliarden Kilowattstunden hierzulande aus und werden damit von fossilen Energieträger von der Spitze verdrängt. Im Vorjahr hatte ihr Anteil noch bei 44,1 Prozent gelegen. Die Onshore-Stromerzeugung aus Windrädern sackte laut BDEW deutlich um 12 Prozent ab.

Gleichzeitig wuchs die Bedeutung von Braun- und Steinkohle sowie von Mineralölprodukten und Erdgas. Ihr Anteil an der Stromerzeugung lag den Angaben zufolge bei 18,6 Prozent (Braunkohle), 9,3 Prozent (Steinkohle) sowie 15,3 Prozent (Erdgas) - zusammen also 43,2 Prozent und damit mehr als die Erneuerbaren. 11,9 Prozent des Stroms wurden aus der Nuklearenergie erzeugt. Die Stromerzeugung aus Braunkohle hat laut BDEW um 18 Prozent zugelegt, die aus Steinkohle sogar um 26,7 Prozent - so stark wie keine andere Energieform.

Die Steinkohle sichert in den Wintermonaten regelmäßig die Elektrifizierung Deutschlands, weil dann Windräder und Solaranlagen zu wenig Strom generieren. Die enormen Zuwachsraten sind nach Einschätzung des Deutschen Braunkohlen-Industrie-Vereins (DEBRIV) auch darauf zurückzuführen, dass 2020 als Vergleichsjahr ungewöhnlich windreich gewesen sei.

Der Ausstoß des Naturgases CO2 in der Energiewirtschaft liegt laut BDEW 2021 bei 247 Millionen Tonnen. Das liegt zwar unter dem für das kommende Jahr im Klimaschutzgesetz festgeschriebenen Wert von 257 Millionen Tonnen, entspricht im Vergleich zu 2020 aber einem Zuwachs von 12 Prozent.

Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) veröffentlichte am Dienstag ebenfalls Zahlen, auf die sich der BDEW zum Teil stützte. So legte der Energieverbrauch mit der wirtschaftlichen Erholung nach dem Corona-Schock und der vergleichsweise kühlen Witterung im laufenden Jahr zu. Nach AGEB-Berechnungen stieg der Verbrauch gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent. Bereinigt um den Effekt der deutlich kühleren Außentemperaturen wäre der Energieverbrauch den Berechnungen zufolge nur um 0,6 Prozent gestiegen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Unternehmen
Unternehmen Neue Unternehmensform EU Inc: EU will Firmen-Registrierung in 48 Stunden möglich machen
21.01.2026

Firmengründer sollen neue Unternehmen in der EU künftig innerhalb von 48 Stunden online anmelden können. Das kündigt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Scott Bessent auf dem Weltwirtschaftsforum: „Die Staats- und Regierungschefs werden nicht eskalieren“
21.01.2026

Die US-Mitgliedschaft in der Nato stehe nicht zur Debatte, und Europa sei selbstverständlich ein Verbündeter. Das sagte US-Finanzminister...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Spitze weist Trump auf dem WEF in Davos zurecht: „Ein Abkommen ist ein Abkommen“
21.01.2026

Die Zoll-Drohungen der USA nach der Grönland-Krise seien ein Fehler – und die Antwort der EU werde „unerschütterlich, geschlossen und...

DWN
Politik
Politik Deutschlands Aufrüstung: Frankreich bewertet Machtverhältnisse in Europa neu
21.01.2026

Deutschlands sicherheitspolitischer Kurs verändert die strategische Ordnung Europas. Welche Folgen hat diese Entwicklung für das...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Netflix übertrifft Erwartungen, doch Aktie fällt
21.01.2026

Netflix gab am Dienstag nach Börsenschluss die Ergebnisse für das vierte Quartal bekannt, die besser ausfielen als erwartet. Die Aktie...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Angst vor Handelskrieg löst Verkaufswelle an der Wall Street aus title
21.01.2026

Die US-Aktienmärkte gaben am Dienstag nach, da die Drohungen von US-Präsident Donald Trump bezüglich Grönland die Handelsspannungen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Weltwirtschaftsforum Davos: Grönland-Krise im Fokus vor angespanntem Gipfeltreffen
20.01.2026

Mitten in einem eskalierenden Zollkonflikt mit der EU rund um die US-Ambitionen, Grönland unter amerikanische Kontrolle zu bringen, reist...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nach Deichmann-Urteil: Schuhhändler muss Schuhkarton-Müllkosten tragen
20.01.2026

Ein rechtskräftiges Deichmann-Urteil sorgt für Wirbel im Verpackungsrecht: Der Schuhhändler soll künftig für seine Schuhkartons...