Politik

DWN-SPEZIAL: Komplizin des „Zuhälters der Eliten“ schuldig gesprochen

Die Ex-Partnerin des verstorbenen US-Multimillionärs Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, ist übereinstimmenden Medienberichten zufolge wegen Sexualverbrechen schuldig gesprochen worden.
30.12.2021 00:15
Aktualisiert: 30.12.2021 00:15
Lesezeit: 2 min

Die Ex-Partnerin des verstorbenen US-Multimillionärs Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, ist übereinstimmenden Medienberichten zufolge wegen Sexualverbrechen schuldig gesprochen worden. Die zwölf Geschworenen des Prozesses vor einem New Yorker Gericht fällten ihr Urteil am Mittwoch nach mehrtägigen Beratungen. In dem seit November laufenden Prozess wurde Maxwell vorgeworfen, als Helferin des bis in höchsten Kreise vernetzten Epsteins eine zentrale Rolle beim Aufbau eines Rings zum sexuellen Missbrauch von Minderjährigen gespielt zu haben. „Ich wurde an Milliardäre, an Politiker und an Professoren verkauft – sogar an Monarchen. Es war die Elite der Welt. Es waren die Leute, die die Welt regieren. Die mächtigsten Menschen der Welt“, sagte Virginia Giuffre in einem Interview mit „60 minutes“. Giuffre gehört zu jenen Frauen, die gezwungen wurden, für den Pädophilen- und Sexring von Jeff Epstein und Ghislaine Maxwell zu arbeiten. Zum Zeitpunkt ihres Leidenswegs war Giuffre 17 Jahre alt. Giuffre sagte, dass der Pädophilie- und Sexring von Epstein hochorganisiert gewesen ist.

Die 60-Jährige war in sechs Punkten angeklagt, unter anderem wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zu Missbrauchszwecken. In fünf dieser Anklagepunkte wurde sie schuldig gesprochen. Ihr droht eine längere Haftstrafe - das Strafmaß wird Richterin Alison Nathan zu einem späteren Zeitpunkt festsetzen. Maxwell hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und während des Prozesses auf eine Aussage verzichtet.

Die Verteidigung hatte den Fall von Beginn an als juristische Abrechnung und Stellvertreterprozess dargestellt, da die Staatsanwaltschaft Epstein selbst nicht mehr belangen konnte. Der 66-Jährige war während der Vorbereitung auf den Missbrauchsprozess gegen ihn im August 2019 leblos in seiner Gefängniszelle gefunden und im Krankenhaus für tot erklärt worden. Ein Obduktionsbericht stellte Suizid fest.

Die Anklage hatte dagegen schwere Vorwürfe gegen Maxwell wegen sexuellen Missbrauchs erhoben. Maxwell sei „gefährlich“ und eine „raffinierte Sexualstraftäterin“, hatte Staatsanwältin Alison Moe vor Weihnachten in ihrem Schlussplädoyer gesagt. „Sie hat ihre Opfer manipuliert und sie auf sexuellen Missbrauch vorbereitet“, so die Anklage weiter. Maxwell sei „schick“ und „lächelnd“ aufgetreten und habe so die mutmaßlichen Opfer, die oft aus problematischen Verhältnissen stammten, in eine Falle gelockt.

Maxwell ist die Tochter des hochkorrupten britischen Verlegers Robert Maxwell (1923-1991) und kam Anfang der 90er Jahre nach New York. Sie traf Epstein auf einer der zahlreichen Promi-Partys und war damals zeitweise seine Freundin. Maxwell wurde von denen, die ihn kannten, als „erschreckend“ und als „Diktator“ beschrieben. Ihn habe eine grundlegende Unehrlichkeit über alles, was er sagte und tat, ausgezeichnet. Er starb 1991 auf mysteriöse Weise auf See, nachdem er von seiner Yacht „Lady Ghislaine“ gefallen war. Nach seinem Tod wurde festgestellt, dass Robert Maxwell zu Lebzeiten massiven Betrug und Diebstahl begangen hatte.

Der Missbrauch zahlreicher Minderjähriger durch Epstein soll über Jahrzehnte auf seinen Anwesen in New York, Florida, Santa Fe oder den Virgin Islands stattgefunden haben. Der Fall hatte in den USA auch deshalb hohe Wellen geschlagen, weil der schwerreiche Unternehmer mit Prominenten wie den Ex-Präsidenten Bill Clinton und Donald Trump, Milliardär Bill Gates oder dem britischen Prinz Andrew bekannt war. Eine frühere Anklage gegen ihn ging mit einem für Epstein sehr vorteilhaften Deal zu Ende - er wurde zum Symbol einer Elite, die mit allem durchkommt.

„Die Welt der globalen Superreichen ist eine Welt, in der es fast keine Rechenschaftspflicht gibt, weil die Menschen in ihr eine enorme Fähigkeit haben, andere zu verletzen oder zu belohnen. Auch nach Epsteins ursprünglicher strafrechtlicher Verurteilung wurde er von renommierten Institutionen wie dem MIT nicht gemieden, weil er einen Berg Geld hatte. Es wäre also ein Fehler, Maxwell als nichts anderes als eine einzigartig gestörte Person zu sehen. Sie wurde von einer Kultur genährt, in der es keinen Anreiz gibt, nicht zu tun, was immer Sie wollen, unabhängig von den Auswirkungen auf die Verwundbaren“, so der britisch-amerikanische Guardian-Journalist Nathan Robinson.

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