Deutschland

Bundesregierung will zwei Prozent der gesamten Landfläche mit Windkraftanlagen bebauen

Die Bundesregierung will Deutschlands Landschaften in großem Stil verschandeln. „Klimaschutz“ habe auch Vorrang vor Natur- und Artenschutz, gibt Minister Habeck die Linie vor.
04.01.2022 12:19
Aktualisiert: 04.01.2022 12:19
Lesezeit: 2 min

Die Bundesregierung will zwei Prozent der gesamten Landesfläche für den Bau von Windkraftanlagen ausweisen, das ist viel mehr als bisher. Das Ziel: Der aus Windkraft generierte Strom soll bis zum Jahr 2030 80 Prozent an der gesamten Stromerzeugung ausmachen.

Im vergangenen Jahr lag der Anteil nach vorläufigen Berechnungen von Branchenverbänden bei gut 40 Prozent, was einen deutlichen Rückgang gegenüber 2020 darstellte. Vielmehr ist die Kohleverstromung vergangenes Jahr zur wichtigsten Energiequelle aufgestiegen, weil der Wind nicht genügend wehte.

Lesen Sie dazu: Tiefschlag für die Energiewende: Kohle löst Windkraft als wichtigster Energieträger Deutschlands ab

Nun sollen die Kapazitäten massiv ausgebaut werden. Wirtschaftsminister Habeck machte bereits klar, dass sich diesem Ziel alles unterordnen müsse - auch der Natur- und Artenschutz.

So heißt es im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP: „Für unsere gemeinsame Mission, die Planung von Infrastrukturprojekten, insbesondere den Ausbau der Erneuerbaren Energien drastisch zu beschleunigen, wollen wir das Verhältnis von Klimaschutz und Artenschutz klären. Zur Erreichung der Klimaziele liegt die Errichtung von Anlagen zur Erzeugung oder zum Transport von Strom aus Erneuerbaren Energien sowie der Ausbau elektrifizierter Bahntrassen im öffentlichen Interesse und dient der öffentlichen Sicherheit. Dies werden wir gesetzlich festschreiben und für solche Projekte unter gewissen Voraussetzungen eine Regelvermutung für das Vorliegen der Ausnahmevoraussetzungen des Bundesnaturschutzgesetzes schaffen.“

Massiver Widerstand in der Bevölkerung

Ein großes Hindernis für das Ausbauziel stellt jedoch der massive Widerstand in der Bevölkerung gegen den Neubau von Windparks dar. Rund 1000 Bürgerinitiativen sind Schätzungen zufolge landesweit in diesem Sinne aktiv.

Die Initiativen rechtfertigen ihren Widerstand mit gesundheitlichen Schäden, welche von den Windanlagen ausgehen würden. Unterstützung erhielten sie vergangenes Jahr von einem südwestfranzösischen Gericht, welches die negativen Auswirkungen von Windkraftanlagen auf die Gesundheit in einem Urteil feststellte.

Lesen Sie dazu: Bahnbrechendes Urteil: Gericht stellt erstmals gesundheitsschädliche Wirkung von Windrädern fest

Der Bundesverband Windenergie hat sich zum Ausbau der erneuerbaren Energien nun vor diesem Hintergrund für einen Runden Tisch unter Einbeziehung der Kommunen ausgesprochen. Verbandspräsident Hermann Albers sagte am Dienstag in Berlin, die Energiewende finde vor Ort statt und müsse vor Ort organisiert werden. „Wir brauchen einen Neustart in der Kommunikation zu den Herausforderungen der Energiewende. Dabei müssen die Kommunen stärker und viel intensiver einbezogen sein.“

Die Bundesregierung sollte dafür die Initiative ergreifen und unter Beteiligung der Branche sowie der kommunalen Verbände einen gemeinsamen Dialog am Runden Tisch starten, so Albers.

Albers sagte, die Koalition habe angekündigt, noch im ersten Halbjahr 2022 gemeinsam mit Bund, Ländern und Kommunen alle notwendigen Maßnahmen anstoßen zu wollen, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu beschleunigen. Die Flächenbereitstellung liefere die Basis für einen schnellen Zubau bei der Windenergie. Die Komplexität der verschiedenen Abwägungsinteressen ziehe die Verfahren zur Flächenausweisung massiv in die Länge. Hier sei es erforderlich, für gesetzgeberische Klarheit zu sorgen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektrischer Mercedes GLC: Preise, Technik und Reichweite im Überblick
06.04.2026

Mit dem elektrischen GLC will Mercedes den Umstieg in die Elektromobilität attraktiver machen und kombiniert moderne Technik mit...

DWN
Politik
Politik AfD-Erfolg im Westen: Trotz Skandalen ist die Partei auf dem Vormarsch
06.04.2026

Trotz Vetternwirtschaftsdebatten, Extremismus-Vorwürfen und interner Konflikte gewinnt die AfD weiter an Zustimmung, auch im Westen. Das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Techpreise steigen: Günstige PCs und Smartphones vor dem Aus
06.04.2026

Günstige Technik verschwindet schleichend aus dem Markt. Chipmangel, geopolitische Krisen und der KI-Boom treiben die Preise nach oben....

DWN
Politik
Politik Ehegattensplitting vorm Aus? "Fiktives Realsplitting": Institution Ehe soll tiefgreifend verändert werden
05.04.2026

Beim Ehegattensplitting wird das Einkommen beider Ehe- oder Lebenspartner gemeinsam versteuert, was sich lohnt, wenn einer deutlich weniger...

DWN
Technologie
Technologie Chinas Vorherrschaft bei Batterien ist eine Tatsache. Was bleibt Europa noch?
05.04.2026

Europa erhält keine Energiespeicher höchster Qualität. Diese werden vom heimischen chinesischen Markt absorbiert, ähnlich verhält es...

DWN
Panorama
Panorama Klimawandel verändert Deutschlands Wälder und die Forstwirtschaft grundlegend
05.04.2026

Der Wald, wie wir ihn kennen, verschwindet langsam. Steigende Temperaturen, Wassermangel und Schädlingsbefall setzen ihm zu. Fachleute...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Emissionsfreie Baumaschinen in Europa: Hohe Kosten bremsen den Markt
05.04.2026

Die Umstellung auf emissionsfreie Baumaschinen gewinnt an Dynamik, bleibt aber durch hohe Kosten und strukturelle Hürden ausgebremst....

DWN
Finanzen
Finanzen Hebel-ETF-Boom: Der Trend, den Millionen handeln – aber kaum jemand versteht
05.04.2026

Hebel-ETFs versprechen schnelle Gewinne, doch ihre Mechanik bleibt für viele Anleger ein Rätsel. Die Produkte funktionieren völlig...