Finanzen

UNSER NEUES DWN-MAGAZIN IST ERSCHIENEN: "Aufschwung oder Crash?"

Die Welt versinkt in Schulden: Mit 250 bis 300 Billionen stehen die Staaten, die Unternehmen und die Bürger weltweit in der Kreide. Doch sind Schulden wirklich eine Bürde - oder nicht doch eine Chance?
23.01.2022 09:25
Lesezeit: 4 min

Mit wie viel Geld die öffentliche Hand, die Unternehmen und die Bürger insgesamt in der Kreide stehen, weiß niemand genau. Laut einer kürzlich veröffentlichten Schätzung des Weltbankenverbands (Institute of International Finance / IIF) waren es Anfang des Jahres 2022 296 Billionen Dollar. Andere Schätzungen gehen von „nur“ circa 250 Billionen aus. Auf ein paar Billionen mehr oder weniger kommt es auch gar nicht an: Die Summe ist so oder so schwindelerregend.

Gerade wir Deutschen sind von klein auf dazu erzogen, zu glauben, dass Schulden etwas sind, das es unter allen Umständen zu vermeiden gilt. Aber: ohne Schulden keine langfristigen Investitionen. Hätte das von einer Gruppe von Computer-Nerds gegründete Unternehmen „Apple“ im Jahre 1976 von der Bank of America keine 250.000 Dollar geliehen bekommen, hätte es vielleicht nie die Chance zu seinem kometenhaften Aufstieg gehabt, wäre möglicherweise nie das wertvollste Unternehmen der Welt geworden, mit einem Börsenwert von sage und schreibe drei Billionen Dollar. Darüber hinaus würden ohne Kreditvergabe nur wenige der 19 Millionen deutschen Haushalte ein Eigenheim besitzen, und die Geschichte der Bundesrepublik wäre ohne die Aufnahme von Staatsschulden anders verlaufen – die erste Rezession der Nachkriegsgeschichte in den Jahren 1966/67 hätten der damalige Wirtschaftsminister Karl Schiller (SPD) und sein Kollege aus dem Finanz-Ressort, Franz-Josef Strauß (CSU), wohl kaum so erfolgreich bekämpfen können (ein Erfolg, der übrigens dazu führte, dass auch in den folgenden Jahren und Jahrzehnten Konjunkturprogramme recht bedenkenlos aufgelegt wurden).

Andererseits: Die Rückzahlung der Schulden bindet Ressourcen; darüber hinaus muss sie oft von denjenigen geleistet werden, die von dem geliehenen Geld gar nicht so sehr profitieren. Erwähnt seien an dieser Stelle die 20 Milliarden Euro, welche die Bundesregierung in diesem Jahr zusätzlich zu den sowie schon geplanten Neu-Schulden in Höhe von 80 Milliarden aufnehmen will.

„Halt“, würde Sebastian Dullien an dieser Stelle wahrscheinlich einwerfen, „das stimmt nicht: Geliehenes Geld kommt künftigen Generationen sehr wohl zugute“. Der Volkswirt spricht sich sogar für noch höhere Schulden aus, plädiert dafür, dass Deutschland in den nächsten zehn Jahren 460 Milliarden Euro in Bildung und Infrastruktur investiert. Von der „schwarzen Null“ hält der renommierte Wissenschaftler überhaupt nichts, im Gegenteil. Warum das so ist, verrät er im DWN-Interview, das Sie in diesem Magazin lesen können.

Noch einen Schritt weiter als Dullien gehen die Vertreter der „Modern Monetary Theory“, der Modernen Geld-Theorie. Sie sind der Meinung, dass der Staat sich bei der Zentralbank (fast) unbegrenzt Geld leihen kann, auf jeden Fall mindestens so viel, bis Vollbeschäftigung und die Auslastung der Produktionskapazitäten erreicht sind. DWN-Autor Jakob Schmidt geht mit dieser Theorie hart ins Gericht, hält es schlichtweg für einen „Irrglauben“, „Wohlstand einfach drucken“ zu wollen.

Um riesige Mengen an Geld, und zwar um 750 Milliarden Euro, geht es auch in dem Artikel von Nicolas Dvorak, der sich mit dem schuldenfinanzierten sogenannten „Aufbaufonds“ der EU befasst. Euro-Bonds werden Realität, schreibt unser Autor, wobei der Beitrag der Bundesrepublik 95 Milliarden Euro beträgt, sie selbst aber nur 25 Milliarden Dollar aus dem Fonds erhält.

Um noch gewaltigere Summen dreht es sich in unserem Artikel über die Margin Debts, die durch den Kauf von Aktien auf Pump entstehen. Mit mehr als 900 Milliarden Dollar, das sind deutlich mehr als vier Prozent des US-Bruttoinlandprodukts, stehen US-Anleger bei Brokern in der Kreide. Die Geschichte lehrt, dass bisher jedem Aktien-Crash explosiv steigende Margin Debts vorausgingen – ein Anzeichen, dass wir auf einen baldigen Zusammenbruch der Börsen zusteuern?

Um nochmal auf die Staatsschulden der Bundesrepublik zurückzukommen: Wer sorgt eigentlich dafür, dass Deutschland zu möglichst profitablen Konditionen Anleihen emittiert und Kredite aufnimmt? An dieser Stelle sei schon mal verraten: Es ist eine Organisation, die sich „Agentur“ nennt und die Auktionen abhält, an denen circa drei Dutzend nationale und internationale Banken teilnehmen dürfen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Magazin.

Last, but not least, präsentieren wir Ihnen einen historischen Abriss über die Geschichte der Schuldzinsen. Die waren über Jahrhunderte, ja fast schon Jahrtausende verfemt, und ihre moralische Rechtfertigung wird gerade heute, in Zeiten, in denen die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklafft, wieder infrage gestellt.

Wir hoffen, dass unser Streifzug durch das Thema „Schulden“ Ihnen gefällt – dass Sie auch diese Ausgabe des DWN-Magazins mit Gewinn und mit Freude lesen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Warren Buffett geht: Auch Unternehmens-Superstars gehen unter
28.09.2026

Was passiert mit einem Unternehmen, wenn die Person geht, die über Jahre hinweg sein Gesicht, seine treibende Kraft und sein Symbol für...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Blase: Anleger ignorieren die Warnzeichen und kaufen weiter
28.09.2026

Die Warnungen vor einer KI-Blase werden lauter, doch an der Börse scheint das kaum jemanden zu stören. Tech-Aktien steigen wieder auf...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepreise in Deutschland: Droht die nächste milliardenschwere Rettungsaktion?
28.09.2026

Deutschlands Gasspeicher sind deutlich schlechter gefüllt als vor einem Jahr, zugleich bleibt Europa abhängig von teuren Energieimporten....

DWN
Politik
Politik CDU demontiert sich selbst: Amthor mit Strandkorb in "Inside CDU"
28.09.2026

Von dubiosen Aktiendeals zum Staatsminister: Wofür andere zurückgetreten wären, wird Amthor befördert. Und nun erhitzt eine Szene aus...

DWN
Panorama
Panorama Abzahlung auf Raten: Verbraucher teilen teure Online-Käufe häufiger auf
28.09.2026

Beim Einkauf im Netz greifen die Menschen in Deutschland bei höheren Summen immer öfter zur Ratenzahlung. Wie eine aktuelle Erhebung...

DWN
Technologie
Technologie Mit chinesischem Auto in die Mine gefahren: Der Wagen verband sich weiter mit China
28.09.2026

Forscher fuhren mit einem elektrischen SUV vom Typ NIO ES8 tief in eine norwegische Untertagemine, um das Auto von externen Verbindungen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Europäischer Medtech ist günstig, Goldrückgang ist vorübergehend
27.09.2026

Die Wall Street glänzt nahe seinen Rekordhöhen, doch unter der Oberfläche brodelt es. Während Künstliche Intelligenz die...

DWN
Politik
Politik Kanada und EU: Von der Leyens Plan könnte den Binnenmarkt verändern
27.09.2026

Kanada soll enger an die Europäische Union rücken als je zuvor. Ursula von der Leyen bringt dafür sogar eine "assoziierte...