Wirtschaft

China lockert seine Geldpolitik, während alle anderen straffen

Chinas Notenbank hat überraschend einen Schlüsselzins gesenkt. Die locker werdende Geldpolitik in dem Land steht im Gegensatz zum Rest der Welt.
17.01.2022 11:09
Lesezeit: 1 min

Chinas Notenbank stemmt sich mit einer unerwarteten Zinssenkung gegen die Konjunkturabkühlung. Erstmals seit April 2020 senkte die PBoC am Montag einen Referenzzins für mittelfristige Darlehen an einige Finanzinstitute (MLF) - und zwar auf 2,85 von 2,95 Prozent. Damit sollen die Kreditkosten für Firmen gedrückt und so die Konjunktur insgesamt angeschoben werden. Mit der Senkung wurden unter dem Strich 200 Milliarden Yuan (27,5 Milliarden Euro) in das Bankensystem gepumpt. Die meisten von Reuters befragten Ökonomen wurden von dem Schritt überrascht.

"Dass sich die PBoC bereits Anfang Januar zu dieser Lockerung entschlossen hat, zeigt, dass sich der wirtschaftliche Abwärtsdruck Ende 2021 verstärkt hat und im ersten Quartal nicht besonders viel Luft nach oben ist", meint Ökonom Ken Cheung von der Mizuho Bank. Experten erwarten nun, dass die PBoC schon bald nachlegen wird: "Der Zinsschritt deutet an, dass die chinesischen Währungshüter über die Konjunkturaussichten stark beunruhigt sind", sagte Commerzbank-Analyst Hao Zhou. Daher werde die PBoC am Donnerstag voraussichtlich auch den Leitzins senken. Dann wird sie unter anderem über den Referenzzins für Kredite mit einjähriger Laufzeit (LPR) entscheiden - dieser liegt derzeit bei 3,8 Prozent. Der LPR ist an den MLF gekoppelt und wird am 20. jeden Monats festgelegt.

Chinas Wirtschaft wuchs im vierten Quartal nur noch um 4,0 Prozent, nachdem es schon im Sommerquartal nur zu einem Plus von 4,9 Prozent gereicht hatte. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Gesamtjahr 2021 um 8,1 Prozent zu. "Dies klingt erst einmal nach einem enormen Wachstum, der Blick hinter die Kulissen aber offenbart, dass es sich nicht um eine echte Weiterentwicklung der Wirtschaft handelt", meint Jürgen Molnar, Anlagestratege beim Brokerhaus RoboMarkets. Zum einen seien die Vergleichswerte durch die Corona-Pandemie relativ gesehen sehr niedrig. Zum anderen belaufe sich ein Großteil des Wachstums auf die Immobilienbranche. Spätestens seit der Krise um den hoch verschuldeten Branchenriesen Evergrande wissen man, dass der Bauboom in China vor allem eines sei: überdimensional groß. "So groß, dass manche Bauprojekte aufgrund von fehlendem Kapital nicht abgeschlossen werden können."

Zurzeit versucht Evergrande, durch den Verkauf von Vermögenswerten und Aktien Barmittel zu beschaffen, um Lieferanten und Gläubiger bezahlen zu können. Das sich bereits über Monate hinziehende Schuldendrama um den Konzern erhöht den Druck auf die Pekinger Regierung, einen Flächenbrand auf dem chinesischen Immobilien- und Finanzmarkt zu verhindern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Während der Markt panikartig verkauft, setzt das "kluge Geld" fieberhaft Bitcoin-Druckmaschinen ein?

Der Markt hat kürzlich eine scharfe Korrektur durchlaufen, wobei sich Panik wie eine Seuche ausbreitete, als Verkäufer ihre...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik WhatsApp-Sperre: Russland zieht die digitale Grenze enger
12.02.2026

Die WhatsApp-Sperre in Russland sorgt für Unruhe bei Millionen Nutzern und verschärft den digitalen Druck des Kreml auf freie...

DWN
Finanzen
Finanzen Netflix-Aktienkurs rutscht unter 80 US-Dollar – was das für Anleger bedeutet
12.02.2026

Die Netflix-Aktie gerät massiv unter Druck und fällt auf ein neues 52-Wochen-Tief. Insider-Verkäufe und ein milliardenschwerer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hensoldt-Helsing-Kooperation: KI-Rüstungsallianz stärkt Europas Abschreckung
12.02.2026

Zwei deutsche Rüstungsunternehmen bündeln ihre Kräfte, um Europas Verteidigungsfähigkeit technologisch neu auszurichten. Im Zentrum...

DWN
Politik
Politik EU-Gipfel: Merz und Macron suchen gemeinsamen Kurs für Europas Industrie
12.02.2026

Europa steht wirtschaftlich unter massivem Druck: Bürokratie, hohe Energiepreise und internationale Konkurrenz fordern schnelle Antworten....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dollar-Abwertung: Historische Maßstäbe für den aktuellen Wertverlust beim Dollarkurs
12.02.2026

Der Dollarkurs verliert an Wert und steht damit erneut im Fokus der globalen Wirtschafts- und Finanzmärkte. Wie weit reicht die aktuelle...

DWN
Finanzen
Finanzen Hellofresh-Aktie unter Verkaufsdruck: Nach Zahlenvorlage droht das Rekordtief
12.02.2026

Die Hellofresh-Aktie ist am Donnerstag eingebrochen, ein schwieriger Jahresstart des Kochboxenversenders belasten den Kurs. Trotz...

DWN
Politik
Politik Nato-Treffen: USA senden versöhnliche Signale – Debatte über gemeinsame EU-Schulden zur Verteidigung
12.02.2026

Beim Nato-Treffen in Brüssel zeigen sich die USA plötzlich versöhnlich, Europa erhöht massiv seine Verteidigungsausgaben und die...

DWN
Finanzen
Finanzen Mercedes Benz-Aktie stürzt ab: Wie Anleger auf den Mercedes-Gewinneinbruch reagieren sollten
12.02.2026

Die Mercedes Benz-Aktie steht nach einem deutlichen Gewinneinbruch und sinkender Dividende am Donnerstag stark unter Druck. Schwache...