Finanzen

Bericht: „Sanktionen werden Euro vernichten, Russland wird Goldstandard einführen“

Lesezeit: 5 min
05.03.2022 16:15  Aktualisiert: 05.03.2022 16:15
Die westlichen Finanzsanktionen können einer Analyse zufolge Russland nicht schwer treffen, zumal der Energiesektor vom SWIFT-Ausschluss ausgenommen ist. Stattdessen könnten die Sanktionen zur Zerstörung des Euro-Systems und zur Einführung des goldgedeckten Rubels führen.
Bericht: „Sanktionen werden Euro vernichten, Russland wird Goldstandard einführen“
Eine Ein-Euro-Münze liegt auf einem Tisch. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Westen verschärft den Finanzkrieg gegen Russland. „Die zugrunde liegende Annahme ist, dass die russische Wirtschaft schwach und die der westlichen Verbündeten stärker ist. Einige wichtige Kennzahlen zeigen, dass dies falsch ist. Die zugrunde liegende Widerstandsfähigkeit der russischen Wirtschaft und ihres Finanzsystems wird allgemein nicht verstanden, und stattdessen könnten EU-Sanktionen dazu führen, dass das gesamte Eurosystem und der Euro selbst untergraben werden (…) Dieser Artikel führt nicht nur zum wahrscheinlichen Zusammenbruch des gesamten Eurosystems, sondern erklärt auch, wie dieser Finanzkrieg mit einem De-facto-Goldstandard für den Rubel enden und dem gesamten Fiat-Währungs-Ponzi-System ein Ende setzen könnte“, berichtete „Goldmoney.com“ einen Tag nach der Veröffentlichung des DWN-Artikels mit dem Titel „SWIFT-Atombombe gezündet: Globales Finanzsystem am Abgrund“.

Die DWN führen in dem Artikel aus: „Aber vielleicht landet Russland einen Coup und beschließt eine Golddeckung des Rubels (vielleicht sogar eines digitalen Rubels), um sich aufgrund der Sanktionen vor einer Wirtschafts- und Finanzkatastrophe abzusichern. Das wäre deshalb möglich, weil Moskau aufgrund der westlichen Sanktionen von einem großen Teil der Kapitalwelt abgeschnitten wird und dazu verdammt ist, alternative Wege zu gehen.“

„Goldmoney.com“ führt aus, dass die Annahme, wonach das westliche Wirtschaftssystem stark genug sei, um Russland abzustrafen, nicht stimme. „Das westliche Wirtschaftssystem befindet sich selbst in einer sich vertiefenden Krise. Die beschleunigte Währungsabwertung führt zu steigenden Preisen, da die Kaufkraft nachlässt. Gleichzeitig schwindet der künstliche Wirtschaftsschub durch Wirtschafts- und Währungsinterventionen. Manche sagen, es handele sich dabei um eine Stagflation. Aber eine bessere Beschreibung ist, dass die Probleme des Westens von der monetären Inflation und dem zunehmenden Bewusstsein der Märkte für die versteckte Besteuerung durch negative Realrenditen auf Staatsanleihen herrühren“, so das Portal.

Das aktuelle Fiat-Geldsystem, das kurz vor dem Zusammenbruch steht, besteht seit dem Jahr 1971, als der Goldstandard abgeschafft wurde. Übrigens wurde im selben Jahr das „World Economic Forum“ gegründet, dessen Mitglieder aus den Nutznießern des damals eingeführten Fiat-Geldsystems bestehen.

Seit den 1980er Jahren wurde dieses System bis zur Lehman-Krise durch die Ausweitung von Bankkrediten finanziert, die sich an Verbraucher und deren Wohnung richteten. Seitdem wurde es durch QE-Programme der Zentralbanken, durch Kreditausweitungen und durch Helikopter-Geld (zumindest teilweise) finanziert.

Aktuell drucken die Zentralbanken massenweise Geld, um gleichzeitig die Zinssätze und Anleiherenditen nach unten schrauben.

Und wo stehen wir jetzt? Es wurden Sanktionen gegen prominente Russen eingeführt, der SWIFT-Zugang für russische Banken gesperrt und der Zugriff der russischen Zentralbank auf ihre eigenen Währungsreserven gestoppt.

Es scheine, dass SWIFT-Zahlungen und Währungstransfers von den Konten der russischen Zentralbank bei anderen Zentralbanken nur für Öl- und Gaszahlungen erlaubt sein werden, berichtet „Goldmoney.com“. Die Botschaft an Putin laute: „Wir werden alles tun, um Ihnen das Leben unmöglich zu machen, aber wir erwarten, dass Sie uns weiterhin mit Öl und Gas beliefern“. Dies mache nur Sinn, wenn die verhängten Finanzsanktionen Russland schnell in die Knie zwingen und Putin verzweifelt nach den Einnahmen aus Energieexporten verlangt.

Unklar sei, wie Russland die durch Energieexporte verdienten Dollars und Euros ausgeben kann, wenn Zahlungen für importierte Waren und Dienstleistungen verboten sind. Wenn dem wirklich so ist, dann sind ausländische Währungen in russischen Händen wertlos. Der Gedanke hinter diesen Sanktionen sei daher nicht sinnvoll. In der Praxis spiele SWIFT jedoch keine Rolle, da es alternative Mittel zur Abwicklungskommunikation zwischen Banken gebe. Was noch wichtiger sei, sind Richtlinien für westliche Banken von ihren Aufsichtsbehörden, die sie zwingen, keine Zahlungen aus russischen Quellen zu akzeptieren. Und das werde zwangsläufig auch öl- und gasbezogene Transfers bedrohen.

Das Portal wörtlich: „Außerdem ist nicht klar, warum Russland überhaupt mehr Dollar und Euro braucht. Westliche Führer und die Finanzmedien gehen lediglich davon aus, dass die russische Kleptokratie auf ausländische Währungen angewiesen ist. Das ist nicht wahr. Die russische Wirtschaft ist relativ gesund und stabil. Die Einkommensteuer beträgt pauschal 13 Prozent, die Unternehmensregulierung ist gering, die Verschuldung des öffentlichen Sektors beträgt weniger als 20 Prozent des BIP, und das Bankensystem ist insgesamt erheblich gesünder als das seiner Nachbarn. Von solchen Zuständen können Libertäre im Westen nur träumen. Der Verlust aller Öl- und Gaseinnahmen ist ungefähr das einzige, was Russland schaden würde, aber das wurde von den Sanktionen ausgenommen (…) Russland kann seine gesamten Ölexporte zu aktuellen Preisen mehr als halbieren und trotzdem über die Runden kommen. Die Margen bei Erdgas dürften ähnlich sein.“

Auf jeden Fall hat Russland immer noch China als einen wichtigen Markt für seine Energieträger und Rohstoffe. Durch die Verlagerung zusätzlicher Lieferungen nach China würde China einfach seine Importe aus dem Rest der Welt einschränken. Zwar könne das Pipelinenetz nach China Öl- und Gasmengen im europäischen Maßstab nicht bewältigen, aber etwaige Einnahmeausfälle können bis zu einem gewissen Grad durch zusätzliche Verkäufe anderer Rohstoffe kompensiert werden. In diesem Fall hätte Moskau ein Druckmittel und einen längeren Atem gegenüber den europäischen Volkswirtschaften.

Die russische Zentralbank könnte dann einen Teil des Goldes gegen Rubel eintauschen, um den Währungsbedarf der Wirtschaft nach Bedarf zu decken, ohne ihre Kaufkraft zu untergraben, und den Rest zu ihren Goldreserven hinzufügen. Dies würde zu einem De-facto-Goldstandard führen, der den Vorteil haben könnte, den Rubel zu stabilisieren und ihn der Reichweite ausländischer Angriffe zu entziehen.

Seit dem Versuch des Westens, den Rubel im Jahr 2014 zu destabilisieren, habe Russland seine Devisenreserven diversifiziert, sein Dollar-Engagement reduziert, sein Euro- und Renminbi-Engagement erhöht und Gold angehäuft, das jetzt 23 Prozent seiner Devisenreserven ausmache – etwas mehr als seine Dollarbestände. Beim Finanzministerium hält der „National Wealth Fund“ ebenfalls etwa 20 Prozent seines Vermögens in Gold (geschätzte weitere 670 Tonnen).

Seit 2014 ist der Goldpreis in Dollar um über 60 Prozent gestiegen, was beweist, dass die Goldanhäufungspolitik der russischen Zentralbank vernünftiger war, als nur Dollar in andere Fremdwährungen zu tauschen. In Euro ist Gold aufgrund der relativen Schwäche des Euro gegenüber dem Dollar im gleichen Zeitraum um 73 Prozent gestiegen. Die Diversifizierung von ausländischen Fiat-Währungen war, so „Goldmoney.com“, nicht nur die vernünftigste Politik, sondern jetzt, da der Zugang zu Fiat-Währungsreserven von ausländischen Regierungen kompromittiert wurde, werde das Argument für eine weitere Anhäufung von Russlands Goldreserven noch überzeugender.

Die Voraussetzungen, um die Liquidität des Rubels an Gold zu binden, sei teilweise schon gegeben. Die eigentliche Botschaft ausländischer Regierungen und ihrer Zentralbanken an die russische Zentralbank laute, dass es zur Stabilisierung sowohl der heimischen Währung als auch ihrer Bewertung an den Devisenmärkten besser sei, den Rubel mit mehr Gold zu decken als mit steigenden Mengen an Fremdwährungen. Russland werde wahrscheinlich dazu übergehen, einen Stopp der Goldexporte zu erwirken, um in Zusammenarbeit mit China alle möglichen Goldbestände aufzukaufen.

„Wir sehen jetzt, wie die Finanzsanktionen des Westens nach hinten losgehen und zunächst das Eurosystem und seine Währung zerstören werden“, so „Goldmoney.com“. Italiens Unicredit hat sein Russland-Engagement in Höhe von 14 Milliarden Euro von Brüssel faktisch einfrieren lassen. Société Générale ist mit ihrer stärker verschuldeten Bilanz ähnlich exponiert. Auch die Geschäftsbanken in Deutschland, Österreich und Italien sind stark exponiert. Wenn Putin mit EU-Gas- und Ölbeschränkungen fortfährt, werden höhere Energiepreise außerdem die Risiken der Geschäftsbanken der Eurozone erheblich erhöhen. Überschuldete Banken müssen mit ziemlicher Sicherheit vom Zentralbankennetzwerk des Eurosystems gerettet werden.

Das Portal führt dazu aus: „Auch der über 10 Billionen Euro schwere Repo-Markt der Eurozone ist ein akuter Risikofaktor. Hausanwälte und Compliance-Beauftragte aller Banken der Eurozone werden die wirtschaftlichen Eigentümer von Konten und Gegenparteien prüfen, um alle russischen Interessen auszuschließen. Drei-Parteien-Repo-Agenten werden gebeten, Angaben zur Gegenpartei zu machen, und wenn russische Interessen vermutet werden, könnte die Schlussphase von Repos und Reverse-Repos gefährdet sein. Während Finanzkommentatoren davon ausgehen, dass die Regulierungsbehörden Lösungen für Abwicklungsprobleme finden werden, die sich aus diesen Sanktionen ergeben, besteht ein erhöhtes Risiko nicht nur durch die Schrumpfung des Euro-Repo-Marktes, sondern auch durch mehrere Abwicklungsfehler.“


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Politik
Politik Wahlen zum EU-Parlament: Deutsche Spitzenkandidaten für Europa
22.04.2024

Als Zugpferde für den Europawahlkampf setzen in diesem Jahr viele Parteien auf altbekannte politische Gesichter. Es gibt aber auch...

DWN
Politik
Politik Habeck will bei Ukraine-Unterstützung weiter vorangehen
22.04.2024

Nach dem grünem Licht aus den USA zur Ukraine-Hilfe hat nun auch Robert Habeck (Grüne) appelliert, dass Deutschland in seiner...

DWN
Politik
Politik Kiew hofft auf baldige Lieferung von Militärhilfe 
22.04.2024

Nach der Zusage im US-Repräsentantenhaus, endlich das lange umstrittene Hilfspaket für die Ukraine freizugeben, wächst die Zuversicht in...

DWN
Politik
Politik FDP verlangt Wirtschaftswende: SPD über Vorstoß Lindners empört
22.04.2024

FDP-Chef Christian Lindner hat am Wochenende ein Papier seiner Partei mit Forderungen zur Verbesserung der Wirtschaftslage vorgelegt. In...

DWN
Technologie
Technologie Traditionelle Hannover Messe beginnt mit Kanzlerrundgang
22.04.2024

In Hannover hat wieder einmal die traditionelles Messe für Maschinenbau und Elektrotechnik begonnen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPd)...

DWN
Politik
Politik Weltweite Militärausgaben durch Ukraine-Krieg auf Höchststand
22.04.2024

Immer mehr Geld wird für das Militär ausgegeben und das weltweit - Forscher sehen dafür erkennbare Gründe.

DWN
Finanzen
Finanzen Draghis gefährliche Vision: 500-Milliarden-Euro zur Neugestaltung Europas
22.04.2024

Der ehemalige EZB-Chef Mario Draghi hat eine klare Vision: Das Investitionsvolumen innerhalb Europas soll radikal erhöht werden. Ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Nahost-Eskalation und Zinserhöhungen: Lage an den Börsen trübt sich ein
22.04.2024

Anlegerängste vor Nahost-Eskalation und Zinserhöhungen in den USA haben Europas wichtigste Aktienmärkte vergangene Woche ins Minus...