Deutschland

Erstes deutsches Stahlwerk bricht unter Last der exorbitanten Strompreise zusammen

Wegen der durch Energiewende und Klima-Steuern massiv gestiegenen Strompreise stellen die ersten Unternehmen hierzulande den Betrieb ein.
10.03.2022 11:00
Aktualisiert: 10.03.2022 11:12
Lesezeit: 2 min
Erstes deutsches Stahlwerk bricht unter Last der exorbitanten Strompreise zusammen
Die undatierte Luftaufnahme zeigt das Werk der Lechstahlwerke bei Meitingen (Kreis Augsburg). (Foto: dpa) Foto: DB Lechstahlwerke Meitingen

Die infolge von Energiewende und Klima-Sondersteuern extrem gestiegenen Stromkosten bereiten der energieintensiven Stahlindustrie immer größere Sorgen. Als eines der ersten Werke in Deutschland stoppten nun die Lech-Stahlwerke im bayerischen Meitingen die Produktion. "Wir legen die Produktion tageweise still", sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag. "Eine Produktion ist wirtschaftlich nicht sinnvoll." Die Strompreisentwicklung werde weiter genau verfolgt und dann darauf reagiert.

Das Elektro-Stahlwerk produziert nach Unternehmensangaben jährlich über eine Millionen Tonnen des Werkstoffs. Der Stromverbrauch entspreche der einer Stadt mit rund 300.000 Einwohnern. Inklusive Tochterunternehmen seien an dem Standort mehr als 1000 Mitarbeiter beschäftigt. Es ist das einzige Stahlwerk in Bayern.

"Die Strom- und Gaspreise waren bereits in den Monaten vor dem russischen Angriff auf die Ukraine dramatisch angestiegen und sie hatten sich gegenüber Anfang 2021 annähernd verdreifacht", erklärte die Wirtschaftsvereinigung Stahl auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir sehen mit großer Besorgnis, dass sich der Kostenanstieg durch den Ausbruch des Krieges noch weiter beschleunigt." Die Stahlindustrie sei von den Auswirkungen auf die Energiepreise massiv betroffen. "In besonderem Maße gilt dies für die stromintensiven Prozesse wie die Elektrostahlproduktion, aber auch den Erdgaseinsatz in der Weiterverarbeitung."

Elektro-Stahlwerke, bei denen Schrott geschmolzen wird, verbrauchen deutlich mehr Strom als die klassischen Hochöfen, wo Eisenerz und Kokskohle zum Einsatz kommen. Aus den anfallenden Gasen kann hierbei Strom produziert werden, der einen Großteil des Bedarfs abdeckt. Thyssenkrupp Steel Europe versorgt am Standort Duisburg sogar noch mehrere Tausend angrenzende Haushalte. Doch auch Thyssenkrupp Steel bekommt die hohen Preise zu spüren. "Allein in den letzten sechs Monaten sind unsere Ausgaben für Gas und Strom um einen dreistelligen Millionenbetrag gestiegen", hatte der Chef von Thyssenkrupp Steel Europe, Bernhard Osburg, Mitte vergangenen Monats gesagt. Thyssenkrupp habe den Vorteil, zwei Drittel des benötigten Stroms durch Prozesse am Stahlstandort Duisburg selbst zu produzieren. Allein das verbleibende Drittel führe jedoch zu diesen Zusatzkosten.

Der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller Salzgitter betreibt ein Elektro-Stahlwerk in Peine. Hier werde die Flexibilität der Anlage genutzt, um Strompreisspitzen zu vermeiden, sagte ein Sprecher. Die Strompreise würden genau beobachtet und Schichten rausgenommen, wenn die Preise zu hoch seien. Dies sei etwa am Mittwoch der Fall gewesen. Ähnlich reagiert auch Weltmarktführer ArcelorMittal. Die Elektro-Stahlwerke in Deutschland, Luxemburg, Polen, Rumänien und Spanien liefen im Stop-and-go-Betrieb. Die Preisexplosion beim Strom verursache erhebliche Zusatzkosten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kokain am Arbeitsplatz: Wenn ausgerechnet die besten Mitarbeiter abhängig werden
24.10.2026

Kokain ist längst keine Droge mehr, die nur auf Partys konsumiert wird. Immer häufiger erreicht der Konsum auch den Arbeitsalltag....

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien kaufen: Diese Branchen könnten den KI-Hype schlagen
24.10.2026

Die Börsen brechen Rekorde, doch der Höhenflug steht auf wackligen Beinen. Wenige Technologiekonzerne treiben die Kurse, während...

DWN
Politik
Politik China macht seine Grenzen dicht: Ein neuer Eiserner Vorhang
24.10.2026

China macht seine Grenzen dicht, und längst trifft es nicht mehr nur politisch unbequeme Bürger. Lehrer, Ärzte und KI-Ingenieure dürfen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Aktien im Fokus, während die Wall Street im Minus bleibt
23.10.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Warum Technologiewerte und Rohstoffe die Anleger derzeit in Atem halten.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten
23.10.2026

Trockenheit wird für Europas Landwirtschaft zum immer größeren Problem. Zwei Brüder aus Österreich reagieren darauf mit einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
23.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Größter Verkauf russischen Goldes seit der Finanzkrise 1998: Weitere Tonnen verschwinden aus den Tresoren
23.10.2026

Die neuesten Daten der russischen Zentralbank zeigen, dass die Verkäufe aus den Goldreserven seit Jahresbeginn bereits 62 Tonnen erreicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum Frankreich weniger Schulden hat als die USA, dafür aber härter bestraft wird
23.10.2026

Die neuesten Eurostat-Daten für das zweite Quartal zeigen, dass die französische Staatsverschuldung im Verhältnis zur...