Deutschland

Schwerer Vorwurf: „Finanzminister Lindner brachte ukrainischen Botschafter Melnyk zum Heulen“

Finanzminister Christian Lindner soll den ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk am ersten Tag der Invasion zum Heulen gebracht haben, indem er ihm sagte, dass der Ukraine nur noch wenige Stunden bleiben.
31.03.2022 22:07
Aktualisiert: 31.03.2022 22:07
Lesezeit: 1 min
Schwerer Vorwurf: „Finanzminister Lindner brachte ukrainischen Botschafter Melnyk zum Heulen“
Andrej Melnyk, Botschafter der Ukraine in Deutschland, ist Gast im Abgeordnetenhaus und zeigt ein Bild vom Krieg in der Ukraine. (Foto: dpa) Foto: Annette Riedl

Andrij Melnyk, der ukrainische Botschafter in Berlin, traf sich am ersten Tag der Invasion seines Landes durch die russische Armee mit Finanzminister Christian Lindner. Lindner habe mit „einem höflichen Lächeln“ dagesessen, und habe so geredet, als sei die Niederlage der Ukrainer längst besiegelt, schilderte Melnyk der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Lindner habe ihm gesagt: „Euch bleiben nur wenige Stunden.“

Lindner habe die Ukraine nach dem Angriff Russlands vorschnell aufgeben wollen, sagte der Diplomat.

Nach dem Gespräch mit Lindner sollen Melnyk „die Tränen übers Gesicht gelaufen“ sein, so der „MDR“.

Das Magazin „Cicero“ wörtlich: „Lindner selbst will nun im Nachhinein diesem Eindruck entgegentreten, doch seine Argumente sind wenig stichhaltig. Die ganze Geschichte steht in einer unglückseligen Appeasement-Tradition, gespeist von deutscher Befindlichkeit.“

Melnyk, war zuletzt nach dem EU-Sondergipfel unzufrieden mit den Ergebnissen. „Wir sind dankbar dafür, darüber dass man darüber nachdenkt, weitere Sanktionen einzuführen“, sagte Melnyk am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“. Gleichzeitig seien Präsident Wolodymyr Selenskyj und die Regierung darüber enttäuscht, dass man bei einem möglichen Energie-Embargo gar nicht vorangekommen sei.

„Das ist die schärfste Waffe und wir wissen, dass auch die Bundesrepublik da auf die Bremse getreten hat.“ Viele betrachteten diesen Schritt auch als Verrat am ukrainischen Volk, sagte Melnyk. Er glaube, dass man ein Moratorium zumindest für ein oder zwei Monate einführen könnte. Man rufe die Bundesregierung auf, eine solche Entscheidung zu treffen. „Ich glaube, alles andere wäre wirklich ein Schlag ins Gesicht der Ukraine.“

Dankbar äußerte sich der Botschafter über die Entscheidung, Waffen in die Ukraine zu liefern. In den letzten drei Wochen seien jedoch kaum Waffen aus Deutschland dort angekommen. Es sei überlebensnotwendig, dass die Waffen in einem größeren Umfang geliefert werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Nach dem Bürgerkrieg: Bund plant massive Rückführung syrischer Staatsbürger
30.03.2026

Nach dem Ende des Bürgerkriegs steht eine Zäsur in der Migrationspolitik bevor: Ein Gipfel im Kanzleramt hat das Ziel formuliert, rund 80...

DWN
Politik
Politik Indien bestellt russisches Öl für sechs Milliarden Dollar
30.03.2026

Indische Raffinerien haben für April etwa 60 Millionen Barrel russisches Öl gekauft. Damit sollen Lieferengpässe ausgeglichen werden,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industrielle Revolution am Bau: Leipzig erhält weltweit erstes Carbonbetonwerk
30.03.2026

Sachsen setzt ein deutliches Zeichen in der modernen Industriepolitik und positioniert sich als Pionier für ressourceneffiziente...

DWN
Politik
Politik Kostendruck im Gesundheitswesen: Expertenrat beziffert Milliarden-Einsparungen
30.03.2026

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einer finanziellen Zerreißprobe, da die rasant steigenden Leistungsausgaben die Lohnnebenkosten...

DWN
Politik
Politik Blockade im Mittelmeer: Italien setzt deutsches Rettungsschiff erneut fest
30.03.2026

Nach einem Einsatz im Mittelmeer wird erneut ein Schiff einer Hilfsorganisation in Italien festgesetzt. Sea-Watch kritisiert das Vorgehen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs: Inflationsrate springt auf Zweijahreshoch
30.03.2026

Die Eskalation im Nahen Osten trifft die deutsche Wirtschaft mit zeitlicher Verzögerung, aber massiver Wucht. Der drastische Anstieg der...

DWN
Panorama
Panorama Kampf gegen digitale Gewalt: Fernandes fordert Gesetzesreformen
30.03.2026

Moderatorin Collien Fernandes macht auf eine gefährliche Lücke im deutschen Recht aufmerksam: Der Missbrauch intimer Aufnahmen auf...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preissturz an Polens Tankstellen: Warschau beschließt drastische Steuerkürzungen
30.03.2026

Angesichts explodierender Energiekosten durch den Nahost-Konflikt zieht die polnische Regierung die Notbremse. Durch eine massive Senkung...