Finanzen

Buy now, pay later: Verbraucherschützer warnen vor Schuldenfalle

Online einkaufen, später zahlen – für viele Verbraucher klingt das verlockend. Doch Verbraucherschützer schlagen Alarm: Die geplante Gesetzesreform zu Konsumentenkrediten könnte Schuldenprobleme verschärfen, gerade bei jungen Menschen. Auch für Unternehmer entstehen neue Risiken, etwa durch schlechtere Zahlungsmoral oder rechtliche Unsicherheiten. Ein Überblick, was sich ändern soll – und was jetzt auf Händler, Kreditgeber und Kunden zukommt.
30.07.2025 09:01
Lesezeit: 2 min

Jetzt kaufen, später zahlen: Verbraucherzentrale warnt

Wer online einkauft, kann häufig erst später zahlen. Das kann verhängnisvoll werden, fürchten Verbraucherschützer – und pochen auf strengere Regelungen gegen den möglichen Schuldenberg.

Risiken durch neue Kreditregeln

Geplante neue Regeln für Verbraucherkredite erhöhen nach Einschätzung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) das Überschuldungsrisiko. Insbesondere mit sogenannten "Buy now, pay later"-Krediten könnten Verbraucher leicht in eine Schuldenfalle geraten, warnt der VZBV. Bei Online-Käufen wird eine solche Möglichkeit zur verzögerten Zahlung häufig angeboten.

Viele Einzelkäufe summieren sich schnell

Manche Formulierungen im Gesetzentwurf des Bundesjustizministeriums zur Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie seien zu vage, kritisieren die Verbraucherschützer. Sie fordern stattdessen klare Anforderungen für eine präzise Prüfung der Rückzahlungsfähigkeit bei der Vergabe von "Buy now, pay later"- und Dispokrediten.

Der Verband verweist auf den Fall eines anonymen 18-Jährigen aus einer Schuldnerberatung in Tübingen, der monatlich 150 Euro Taschengeld von der Jugendhilfe erhalte. Innerhalb von drei Monaten habe er 39 Mal die Möglichkeit zur späteren Zahlung genutzt und so Schulden in Höhe von 2003,42 Euro angehäuft. Inklusive Gebühren und Verzugskosten sei so eine Schuldsumme von 3107,74 Euro entstanden.

Klick oder Unterschrift?

Um online ein Verbraucherdarlehen abzuschließen, soll künftig zudem ein angeklicktes Kästchen genügen. "Das kann impulsive Kreditentscheidungen befördern, die besonders beim Online-Shopping Verbraucherinnen und Verbraucher finanziell überfordern können", mahnt VZBV-Vorständin Ramona Pop. Ihr Verband möchte, dass weiterhin eine Unterschrift nötig ist.

Positive Aspekte und weitere Kritik

Teile des Entwurfs lobt der VZBV, zum Beispiel Vorgaben für den Schutz vor Wucherzinsen und die Unterstützung von Menschen in finanziellen Notlagen. Kritik übt er auch an mangelnder Transparenz bei abgelehnten Kreditwünschen. Die Pläne brauchen die Zustimmung des Bundestags.

Auswirkungen auf Unternehmen: Zahlungsmoral unter Druck

Die wachsende Beliebtheit von "Buy now, pay later"-Modellen hat auch direkte Folgen für Unternehmen – insbesondere für den Einzelhandel und E-Commerce-Anbieter. Laut einer Studie der Schufa aus dem Jahr 2024 nehmen Zahlungsausfälle bei BNPL-Transaktionen zu, was die Liquiditätsplanung vieler kleiner und mittlerer Betriebe erschwert. Auch die KfW warnt in einer Erhebung von Mai 2025 davor, dass sich die Zahlungsmoral in bestimmten Kundensegmenten verschlechtert hat, gerade bei jüngeren Zielgruppen, die häufiger auf flexible Kreditangebote zurückgreifen. Für Unternehmen bedeutet das: Wer solche Zahlungsoptionen anbietet, muss sich stärker absichern – etwa durch Bonitätsprüfungen, klare Mahnprozesse oder den Rückgriff auf Factoring. Gleichzeitig wird regulatorische Klarheit zunehmend wichtig, um nicht selbst in Haftungsrisiken zu geraten. Unternehmer sollten daher Gesetzesänderungen aufmerksam verfolgen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Während der Markt panikartig verkauft, setzt das "kluge Geld" fieberhaft Bitcoin-Druckmaschinen ein?

Der Markt hat kürzlich eine scharfe Korrektur durchlaufen, wobei sich Panik wie eine Seuche ausbreitete, als Verkäufer ihre...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: US-Börsenindizes treten auf der Stelle: Starke Beschäftigungsdaten dämpfen Zinssenkungserwartungen
11.02.2026

Die US-Börsenindizes beendeten den Handelstag am Mittwoch mit minimalen Veränderungen, da ein stärker als erwartet ausgefallener...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stromausfall oder Blackout: Deutsche Firmen sind schlecht auf einen Ernstfall vorbereitet
11.02.2026

Trotz einer verschärften Sicherheitslage ist die deutsche Wirtschaft nur unzureichend gegen hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe oder...

DWN
Politik
Politik Europas Verhandlungskurs auf dem Prüfstand: Russlands Finanzlage im Ukrainekrieg unter Druck
11.02.2026

Russlands wirtschaftliche Grenzen im Ukrainekrieg treten immer deutlicher hervor, während Europa über Gespräche mit dem Kreml nachdenkt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepreise unter Druck: KI-Rechenzentren treiben US-Strompreise in die Höhe
11.02.2026

Der Ausbau von KI-Rechenzentren treibt den Stromverbrauch in den USA nach oben und erhöht regional die Strompreise. Wie stark verändert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft: Krisen kosten Deutschland fast 1.000 Milliarden Euro
11.02.2026

Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Zoll-Streit: Seit 2020 reiht sich eine Krise an die andere. Das kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu...

DWN
Panorama
Panorama Allensbach-Studie: Weniger Rückhalt der Deutschen für Energiewende
11.02.2026

Fossile Energieträger wie Kohle und Gas sollen in Deutschland schrittweise durch erneuerbare Energien ersetzt werden - für mehr...

DWN
Politik
Politik Neuwahlen Ukraine: Selenskyj könnte Präsidentenwahl für 15. Mai ansetzen
11.02.2026

Die USA wollen ein schnelles Ende des Ukraine-Kriegs: Einem Bericht der Financial Times zufolge könnte Präsident Selenskyj die Flucht...

DWN
Politik
Politik Epstein Files: Von Adel bis Politik - das „Wer ist wer“ der Epstein-Akten
11.02.2026

Royals, Regierungsmitglieder und Diplomaten: Das Netzwerk des US-Multimillionärs und Sexualstraftäters Jeffrey Epstein umspannte die Welt...