Deutschland

Elektrifizierung von Bahnstrecken kommt nur langsam voran

Bahnfahren soll spätestens 2040 klimaneutral sein. Dafür sollen auch mehr Strecken unter Strom gesetzt werden, wo bislang Diesel gebraucht wird. Doch mit dem bisherigen Tempo wird das nicht gelingen.
05.04.2022 13:39
Aktualisiert: 05.04.2022 13:39
Lesezeit: 1 min

Mehr elektrifizierte Strecken, weniger Dieselloks - das soll den Bahnverkehr in Deutschland klimafreundlicher machen. Doch die Elektrifizierung der Strecken ist in den vergangenen Jahren nur langsam vorangegangen, wie aus einer Regierungsantwort auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Von 2010 bis 2020 erhielten demnach 647 Kilometer Oberleitungen. Das entspricht knapp zwei Prozent des Netzes. Der Linken-Verkehrspolitiker Bernd Riexinger sprach von einer erschütternden Bilanz.

2020 waren demnach 61 Prozent des deutschen Schienennetzes elektrifiziert. Darüber läuft nach Bahnangaben rund 90 Prozent des Personen- und Güterverkehrs. Die Koalition von SPD, Grünen und FDP hat sich vorgenommen, bis 2030 auf 75 Prozent elektrifizierter Strecken zu kommen. Statt wie zuletzt etwa 65 Kilometer pro Jahr müssten dafür aber jährlich 500 Kilometer elektrifiziert werden, wie die Lobbyorganisation Allianz pro Schiene hervorhebt.

Denn Gleise stillzulegen und so den Anteil der Strecken unter Strom zu erhöhen, ist keine Option mehr. Erst vergangenes Jahr hatte die Bahn angekündigt, 245 Kilometer zu reaktivieren. Dies sei nur der Anfang, hieß es. Der vergangene Woche vorgelegte Geschäftsbericht für 2021 weist kein Minus bei der Betriebslänge mehr aus. Von 2010 bis 2020 war das Netz noch um 155 Kilometer auf insgesamt 33 286 Kilometer geschrumpft.

„Ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität ist die Elektrifizierung weiterer Strecken“, hebt das Management hervor. So wurde nach vier Jahren die sogenannte Südbahn auf dem Abschnitt Ulm-Friedrichshafen-Lindau elektrifiziert. Grünes Licht gab es im Februar trotz nahezu verdoppelter Kosten auf 595 Millionen Euro auch für die sogenannte Mitte-Deutschland-Verbindung auf dem 115 Kilometer langen Abschnitt Weimar-Gera-Gößnitz.

Der Verkehrspolitiker Riexinger sieht aber keinen Grund zur Entwarnung. Viele aktuelle Vorhaben gingen erst nach 2030 in Betrieb, kritisierte er. „Das Ministerium scheint dem Koalitionsvertrag keine Bedeutung beizumessen, jedenfalls nicht in dem Sinne, dass es sich dazu verpflichtet fühlt“, kommentierte er die Antworten aus dem Haus von Minister Volker Wissing (FDP). Wie die Allianz pro Schiene und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen fordert die Linke schnellere Entscheidungsprozesse und etwa den Verzicht auf Nutzen-Kosten-Untersuchungen für jeden Einzelfall.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Top-Ökonom warnt: Wie die US-Außenpolitik Europas Wirtschaft belastet
07.02.2026

Die Europäische Union steht unter geopolitischem Druck, während wirtschaftliche Unsicherheit und geldpolitische Erwartungen neu justiert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Geldanlage: Diese US-Aktien sollten Sie jetzt besitzen
07.02.2026

Ein wichtiger Sektor der US-Wirtschaft sorgt derzeit für überraschend starke Ergebnisse – trotz geopolitischer Risiken und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Datenhunger der Finanzämter: Wann Unternehmen E-Mails herausgeben müssen – und wann nicht
07.02.2026

Der Bundesfinanzhof hat Unternehmen im Streit um steuerrelevante E-Mails den Rücken gestärkt. Zwar bleibt die Pflicht zur Vorlage...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kove 800 X Pro: Chinesische Hersteller im europäischen Enduro-Markt
07.02.2026

Das Enduro-Segment gilt als besonders anspruchsvoll und stellt hohe Anforderungen an Technik, Qualität und Fahrverhalten. Kann ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft LNG: Warum Europas neue Gasabhängigkeit brandgefährlich ist
07.02.2026

Europas Gaspreise steigen, während politische Spannungen mit den USA zunehmen. LNG aus Amerika gilt als Rettungsanker, entpuppt sich aber...

DWN
Finanzen
Finanzen Begrenzung für Kreditkartenzinsen: Airlines und Investoren warnen vor Trumps Plan
07.02.2026

US-Präsident Donald Trump will Kreditkartenzinsen in den USA auf 10 Prozent begrenzen. Was als Verbraucherschutz verkauft wird, könnte...

DWN
Politik
Politik Ganz nah an Russland können Kinder nach der Schule zum Drohnentraining gehen
07.02.2026

In Litauen wächst der Druck, sich auf neue Bedrohungen einzustellen, und selbst Schulen geraten dabei in den Fokus. Was bedeutet es, wenn...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Dow Jones durchbricht die Marke von 50.000 Punkten
06.02.2026

Die US-Aktienmärkte erholten sich am Freitag nach einem einwöchigen Rückgang im Technologiesektor, da die Zurückhaltung der Investoren...