Deutschland

ZEW-Index deutet auf bevorstehende Rezession hin

Deutschlands Wirtschaft wird im laufenden Jahr wahrscheinlich in eine Rezession oder Stagflation rutschen.
12.04.2022 11:00
Aktualisiert: 12.04.2022 11:21
Lesezeit: 2 min
ZEW-Index deutet auf bevorstehende Rezession hin
Ein Mitarbeiter vom Bremer Stahlwerk steht in einem Teil der Steuerungszentrale in der Kohlestaub oder zukünftig Erdgas eingeleitet wird. (Foto: dpa) Foto: Sina Schuldt

Die Folgen des Ukraine-Kriegs sorgen bei Finanzexperten zunehmend für Konjunkturskepsis und Sorgen vor einer Rezession. Das Barometer für die Einschätzung zur deutschen Wirtschaft in den nächsten sechs Monaten fiel im April um 1,7 auf minus 41 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 163 Analysten und Anlegern mitteilte. Im März hatte es wegen des russischen Einmarschs mit rund 94 Punkten den stärksten Rückgang seit Beginn der Umfrage im Dezember 1991 gegeben. "Die Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die aktuelle wirtschaftliche Lage schlecht ist und sich noch weiter verschlechtern wird", erklärte ZEW-Präsident Achim Wambach.

Nur zu Beginn der ersten Corona-Welle hatte der Indikator im März 2020 mit minus 49,5 Punkten noch niedriger gelegen. Die Bewertung der Konjunkturlage verschlechterte sich im April um 9,4 Punkte auf minus 30,8 Zähler.

Ein kleiner Lichtblick sei der Rückgang der Inflationserwartungen. "Die Aussicht auf eine Stagflation in den kommenden sechs Monaten besteht jedoch nach wie vor", sagte Wambach mit Blick hohe Verbraucherpreise und schwache Konjunktur.

Viele Ökonomen, Banken und Forschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft bereits massiv gesenkt und teilweise halbiert. Die meisten Fachleute rechnen wegen hoher Energiepreise, steigender Inflation und verstärkter Lieferengpässe für 2022 nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von rund zwei Prozent. Im ersten und laufenden zweiten Quartal könnte die Wirtschaft sogar schrumpfen und Deutschland so in eine vorübergehende Rezession rutschen.

Welthandelsorganisation senkt Prognosen

Der Welthandel wird sich wegen des Kriegs in der Ukraine deutlich abschwächen. Das geht aus Prognosen der Welthandelsorganisation hervor, die die WTO am Dienstag in Genf veröffentlichte. Demnach dürfte er dieses Jahr nur noch um 3 Prozent zulegen. Bislang hatte die WTO mit 4,7 Prozent gerechnet. Für nächstes Jahr wird dann ein Plus von 3,4 Prozent erwartet. "Aber diese Vorhersagen sind weniger sicher als sonst." Für Nordamerika werden überdurchschnittliche Zuwächse prognostiziert, für Europa unterdurchschnittliche.

Neben dem russischen Angriff auf die Ukraine, der die ohnehin schon hohen Energiepreise weiter angeheizt hat und auch Lebensmittel verteuert, gibt es laut WTO zahlreiche weitere Probleme für Exporteure. Dazu zählen die Lockdowns in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Viele Lieferketten sind nach wie vor gestört. Und die wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs würden vor allem auch Entwicklungsstaaten stark zu spüren bekommen.

Für die Weltwirtschaft sagt die WTO nur noch ein Wachstum von 2,8 Prozent voraus, statt der bisher erwarteten 4,1 Prozent. 2023 dürften es dann 3,2 Prozent sein. Zum Vergleich: Der Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2019 lag bei 3,0 Prozent.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SpaceX steigt weiter, Händler zögern vor Zinsentscheidung der Fed
16.06.2026

Ein turbulenter Handelstag birgt Überraschungen – erfahren Sie, warum Investoren gerade jetzt besonders aufmerksam die Entwicklungen...

DWN
Technologie
Technologie Batterie-Boom treibt Deutschland in neue China-Abhängigkeit
16.06.2026

Deutschlands Batterieproduktion erreicht einen Rekordwert – doch mit dem Boom wächst zugleich die Abhängigkeit von China. Die Branche...

DWN
Politik
Politik Der EU-Waffenchef warnt eindringlich: "Wir produzieren die falschen Waffen!"
16.06.2026

Der EU-Verteidigungskommissar warnt vor einem gefährlichen Missverhältnis in Europas Rüstungsstrategie. Während Donald Trumps...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bund lehnt Unicredit-Angebot für Commerzbank ab
16.06.2026

Der Bund stellt sich offen gegen die Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit und verschärft damit den Machtkampf um Deutschlands...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tankrabatt verpufft: Millionen bleiben bei den Konzernen
16.06.2026

Der Tankrabatt sollte Autofahrer entlasten – doch nach Einschätzung von Experten kam ein Teil der Milliarden gar nicht bei ihnen an.

DWN
Politik
Politik EU stimmt US-Zolldeal zu – und droht mit Gegenzöllen
16.06.2026

Die EU macht den Weg für das Zollabkommen mit den USA frei, baut aber ein Sicherheitsnetz gegen neue Alleingänge aus Washington ein....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kostenfalle Deutschland: Was Betriebe heute wirklich zahlen
16.06.2026

Energie doppelt so teuer wie in den USA, Lohnstückkosten 22 Prozent über globalem Schnitt, Bürokratie bindet 7 Prozent der Arbeitszeit,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autokrise in China setzt VW und Mercedes unter Druck
16.06.2026

China galt jahrelang als Wachstumsmotor der Autoindustrie – doch nun brechen die Verkäufe massiv ein und setzen auch deutsche Hersteller...