Politik

Slowakische Tageszeitung: Putin testet am Gashahn den Zusammenhalt in der EU

Will Moskau jetzt jene Länder mit Gas "belohnen", die in der Unterstützung der Ukraine und bei der Durchsetzung von Sanktionen zurückhaltender sind?
28.04.2022 17:23
Lesezeit: 1 min
Slowakische Tageszeitung: Putin testet am Gashahn den Zusammenhalt in der EU
Der Krieg stellt Europa vor Herausforderungen bisher ungekannten Ausmaßes – in der Außen- wie in der Innenpolitik. (Foto: dpa)

Die liberale slowakische Tageszeitung "Sme" stellt die These auf, dass es sich bei dem russischen Gaslieferstopp nach Polen und Bulgarien um den Startschuss für ein übles Spiel Moskau handle. Die Ankündigung der russischen Gazprom, dass sie die Gaslieferungen an Polen und Bulgarien einstelle, weil deren Gasfirmen nicht in Rubel zahlen, bestätige Wladimir Putins Drohung von Anfang April. "Weil die Termine der laufend fälligen Zahlungen unterschiedlich sind, wird auch die Rubel-Pflicht nur schrittweise wirksam", erklärt die Sme.

Das ermögliche dem Kreml ein "Spiel" mit den einzelnen Staaten und Gasabnehmerfirmen, um diese im Widerspruch zu den bisherigen Verträgen stehende und die Sanktionsmechanismen unterlaufende Zahlungsbedingung durchzusetzen. Zugleich eröffne sich für das Putin-Regime damit ein politisches Instrument, um die Einigkeit zwischen den Ländern der Europäischen Union zu stören und gegenseitiges Misstrauen unter ihnen zu wecken.

Dass sich Putin zuerst Polen und Bulgarien vornahm, habe nicht nur eine gasgeschäftliche Logik, sondern auch eine sicherheitspolitische. Beide Staaten seien wichtige Transitländer. Ihnen das Gas abzudrehen, aber weiterhin durch sie hindurch Gas an Deutschland und Ungarn zu liefern, erzeuge eine Spannung zwischen den EU-Ländern und ermögliche es Russland, jene mit Gas zu "belohnen", die in der Unterstützung der Ukraine und bei der Durchsetzung von Sanktionen zurückhaltender sind.

Andererseits gilt es hinzuzufügen, dass die Bruchlinien innerhalb Europas sich auch ohne Putin abzeichnen. So sprach die als regierungsnah geltende ungarische Zeitung "Magyar Nemzet" jüngst davon, dass die "ukrainische Marionettenregierung der Amerikaner" seit dem Kriegsbeginn "alle roten Linien überschritten" habe. Den russisch-ukrainischen Krieg reduziert die Tageszeitung zu einem "amerikanisch-russischem" Krieg, der "das Gestrampel eines versinkenden Imperiums" sei, das seinen Untergang hinauszögern wolle.

Aber auch innerhalb Deutschland brodelt es auch ohne mögliche "Gas-Spiele" Putins bereits mächtig. So verschärft sich die Debatte rund um deutsche Waffenlieferungen in die Ukraine zunehmend. Die Linke und die AfD werfen der Bundesregierung sogar vor, einen potenziellen Atomkrieg zu provozieren. Im Anblick dieser Aussichten erscheint die interne Zerstrittenheit Europas fast ähnlich besorgniserregend wie eine "kalter Entzug" von russischem Gas.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen Verkehrte Welt: Griechen lehren die Deutschen Reformen, griechische Börse renditestärker als deutsche
07.10.2026

Vor gut einem Jahrzehnt diskutierte Deutschland noch über einen möglichen Euro-Austritt Griechenlands. Heute wächst die griechische...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Nasdaq und S&P 500 schließen auf Rekordhochs; Anleiherenditen geben nach
06.10.2026

Welche Kräfte die Märkte antreiben und warum bestimmte Sektoren jetzt besonders profitieren.

DWN
Finanzen
Finanzen Pest-Verdacht in Russland treibt meine Aktie plötzlich zweistellig nach oben
06.10.2026

Die Aktie, die ich vergangene Woche noch als obskur bezeichnet hatte, ist um fast 13 Prozent gestiegen.

DWN
Technologie
Technologie Deutsche Bahn: Per 5-Jahres-Plan endlich pünktlich ans Ziel?
06.10.2026

Marode Gleise und unpünktliche Züge belasten den Bahnverkehr in Deutschland. Ein neuer Infraplan soll verbindliche Ziele setzen und die...

DWN
Politik
Politik Staatshaushalt: Finanzierungsdefizit im ersten Halbjahr 2026 von fast 99 Milliarden Euro
06.10.2026

Der deutsche Staat gibt deutlich mehr aus, als er einnimmt: Die öffentlichen Haushalte verzeichnen im ersten Halbjahr 2026 ein Defizit von...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Eine Anlage, der ich keinen Erfolg wünsche
06.10.2026

Alpha Pro Tech ist klein, langweilig und an der Börse meist nahezu unsichtbar. Doch sobald eine Gesundheitskrise ausbricht, können Umsatz...

DWN
Finanzen
Finanzen Frankreichs Schulden treiben den Euro in die Krise
06.10.2026

Der Euro fällt auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten, während Frankreichs Schuldenkrise die Finanzmärkte verunsichert. Warum Experten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nissan Qashqai im Test: Elektrogefühl ohne Ladekabel
06.10.2026

Der Nissan Qashqai e-Power ist ein Hybrid, funktioniert aber anders als die meisten Konkurrenten. Die Räder treibt immer ein Elektromotor...