Deutschland

Pressefreiheit in Deutschland geht zurück, doch DWN bleiben standhaft

In der Rangliste der Länder nach Pressefreiheit fällt Deutschland zurück. Die DWN lassen sich von ihrem Kurs jedoch nicht abbringen.
04.05.2022 15:38
Aktualisiert: 04.05.2022 15:38
Lesezeit: 2 min
Pressefreiheit in Deutschland geht zurück, doch DWN bleiben standhaft
Die Presse in Deutschland kann nach wie vor verhältnismäßig frei berichten - aber die Entwicklung gibt Anlass zur Sorge. (Foto: dpa)

Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (RSF) hat ihre jährliche „Rangliste der Pressefreiheit“ vorgelegt, die die Situation von Journalisten in 180 Staaten vergleicht. Deutschland belegt in der Liste Rang 16 und ist damit im Vergleich zum Vorjahr um drei Plätze zurückgefallen. Die Schweiz steht auf Rang 14, Österreich auf Rang 31. Die USA, die sich traditionell auf die - angeblich - ungehinderte Tätigkeit ihrer Journalisten viel einbildet, belegt nur den 42ten Platz. China wird als Nummer 175 geführt, Russland als Nummer 155, die Ukraine als Nummer 106. Ganz vorne liegen - in dieser Reihenfolge - die skandinavischen Länder Norwegen, Dänemark und Schweden, ganz hinten Nordkorea (180.), Eritrea (179.) und der Iran (178.).

Dass Deutschland auf der Liste zurückgefallen ist, hat laut RSF drei Gründe: „Eine Gesetzgebung, die Journalistinnen und Journalisten sowie ihre Quellen gefährdet, abnehmende Medienvielfalt sowie allen voran Gewalt bei Demonstrationen.“ Es sei zu insgesamt 80 Angriffen auf Journalisten gekommen, wovon sich fast zwei Drittel (in Zahlen: 52) bei sogenannten „Querdenker“-Demonstrationen ereignet hätten.

Österreichs Absturz von Rang 17 auf 31 begründet sich vor allem mit der Geheimniskrämerei der Behörden (die Alpen-Republik ist das einzige Land Europas ohne Informationsfreiheitsgesetz) sowie dem Umstand, dass der Staat verhältnismäßig viele Anzeigen schaltet - offiziell ungeachtet der politischen Ausrichtung des jeweiligen Mediums, faktisch jedoch werden staatstreue Medien bei der Anzeigenvergabe bevorzugt.

Auch die Deutschen Wirtschaftsnachrichten sind ein Presseakteur. Wir sind unserem eigenen Selbstverständnis nach „unabhängig, unparteiisch, unbequem“. Und ich kann Ihnen, liebe Leser, versichern, das dem auch tatsächlich so ist. Niemand, aber auch wirklich niemand, kann Einfluss auf unsere Berichterstattung nehmen.

Gelegentlich erreichen mich Zuschriften, in denen die Möglichkeit aufgeworfen wird, dass von Regierungsseite Druck auf uns ausgeübt wird. Ich kann Ihnen versichern: Das geschieht nicht. Wir werden zwar von den einschlägigen Ministerien und Behörden gelesen (und das macht uns stolz, zeigt es doch, dass die DWN von Relevanz sind), aber so etwas wie staatliche Zensur: Die gibt es nicht. Genauso wenig wie irgendeine standesrechtliche Einrichtung (wie beispielsweise bei den freien Berufen die Kammern), die eingreifen könnte, wenn wir eine unbequeme Wahrheit aussprechen, einem Mächtigen auf die Füße treten oder einen Skandal beleuchten.

Das heißt natürlich nicht, dass keine Versuche unternommen werden, uns Einhalt zu gebieten. Auch uns haben schon Abmahnungen durch bekannte Politiker erreicht; auch uns wurde von selbsternannten Medienwächtern schon damit gedroht, uns auf eine Liste zu setzen, mit der Konsequenz, dass wir auf Facebook gedrosselt werden oder keine Anzeigen mehr bekommen. Solchen Versuche müssen wir stets mit großer Sorgfalt und Geschick begegnen - schließlich stehen gewiefte Medienanwälte Schlange, um vor Gericht die Versuche ihrer zahlungskräftigen Klienten, die Pressefreiheit einzuschränken, durchzusetzen. Aber ich verspreche Ihnen, liebe Leser: Die DWN lassen sich nicht einschüchtern, wir bleiben unserer Linie, unseren ethischen Grundsätzen, unbeirrt treu.

Das tun wir auch, wenn uns Zuschriften von Lesern erreichen, die mit einem unserer Artikel nicht einverstanden sind. Ja, auch das geschieht: Ein Leser droht, sein Abonnement zu kündigen, wenn wir einen Artikel, der sein Missfallen erregt hat, nicht auf der Stelle löschen. Auch in solchen Fällen weichen wir keinen Zentimeter zurück, sondern bleiben unserem Selbstverständnis und unserer Verantwortung als Journalisten treu.

Sie können sich jetzt, und Sie können sich in Zukunft auf uns verlassen. Dafür, liebe DWN-Leser, lege ich meine Hand ins Feuer!

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Während der Markt panikartig verkauft, setzt das "kluge Geld" fieberhaft Bitcoin-Druckmaschinen ein?

Der Markt hat kürzlich eine scharfe Korrektur durchlaufen, wobei sich Panik wie eine Seuche ausbreitete, als Verkäufer ihre...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: US-Börsenindizes treten auf der Stelle: Starke Beschäftigungsdaten dämpfen Zinssenkungserwartungen
11.02.2026

Die US-Börsenindizes beendeten den Handelstag am Mittwoch mit minimalen Veränderungen, da ein stärker als erwartet ausgefallener...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stromausfall oder Blackout: Deutsche Firmen sind schlecht auf einen Ernstfall vorbereitet
11.02.2026

Trotz einer verschärften Sicherheitslage ist die deutsche Wirtschaft nur unzureichend gegen hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe oder...

DWN
Politik
Politik Europas Verhandlungskurs auf dem Prüfstand: Russlands Finanzlage im Ukrainekrieg unter Druck
11.02.2026

Russlands wirtschaftliche Grenzen im Ukrainekrieg treten immer deutlicher hervor, während Europa über Gespräche mit dem Kreml nachdenkt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepreise unter Druck: KI-Rechenzentren treiben US-Strompreise in die Höhe
11.02.2026

Der Ausbau von KI-Rechenzentren treibt den Stromverbrauch in den USA nach oben und erhöht regional die Strompreise. Wie stark verändert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft: Krisen kosten Deutschland fast 1.000 Milliarden Euro
11.02.2026

Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Zoll-Streit: Seit 2020 reiht sich eine Krise an die andere. Das kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu...

DWN
Panorama
Panorama Allensbach-Studie: Weniger Rückhalt der Deutschen für Energiewende
11.02.2026

Fossile Energieträger wie Kohle und Gas sollen in Deutschland schrittweise durch erneuerbare Energien ersetzt werden - für mehr...

DWN
Politik
Politik Neuwahlen Ukraine: Selenskyj könnte Präsidentenwahl für 15. Mai ansetzen
11.02.2026

Die USA wollen ein schnelles Ende des Ukraine-Kriegs: Einem Bericht der Financial Times zufolge könnte Präsident Selenskyj die Flucht...

DWN
Politik
Politik Epstein Files: Von Adel bis Politik - das „Wer ist wer“ der Epstein-Akten
11.02.2026

Royals, Regierungsmitglieder und Diplomaten: Das Netzwerk des US-Multimillionärs und Sexualstraftäters Jeffrey Epstein umspannte die Welt...