Technologie

China: Drohnen-Schwärme jagen Menschen

In China entwickelte Drohnen-Schwärme können selbst Wälder durchfliegen, um Menschen zu jagen. Die Technologie benötigt weder GPS noch eine zentrale Steuerung.
12.05.2022 15:45
Aktualisiert: 12.05.2022 15:45
Lesezeit: 3 min
China: Drohnen-Schwärme jagen Menschen
Chinesische Wissenschaftler haben Flugroboter entwickelt, die als Schwärme agieren können, um Menschen zu verfolgen. (Screenshot: Universität Zhejiang)

Chinesische Wissenschaftler haben Flugroboter entwickelt, die als Schwarm vorgehen. In hoher Geschwindigkeit können durch Wälder manövrieren, ohne mit den Pflanzen oder miteinander zu kollidieren. Dabei können die Drohnen-Schwärme in Echtzeit ihre Umgebung kartieren, Menschen jagen oder nach flüchtigen Personen suchen.

Neue Video-Aufnahmen, die von einem Team der Universität Zhejiang veröffentlicht wurden, zeigen einen Schwarm von zehn leichten Drohnen, die sich anmutig durch die Lücken zwischen den Baumstämmen bewegen und erfolgreich durch unebenes Gelände mit viel Unkraut und verworrenen Äste navigieren.

Das System verarbeitet die Daten aus den Drohnenkameras, erstellt in Echtzeit eine Karte der Umgebung und sucht nach Hindernissen sowie anderen Objekten. Der Algorithmus kombiniert Kollisionsvermeidung, Flugeffizienz und Schwarmkoordination, um die Flugbahn alle paar Millisekunden zu aktualisieren, wie The Telegraph berichtet.

Der Drohnen-Schwarm benötigt dabei kein GPS-Signal. Daher könnte er auch in Gebieten mit geringer Satellitenabdeckung eingesetzt werden, etwa in tiefen Höhlensystemen, undurchdringlichen Wäldern oder sogar auf anderen Planeten. Die Technologie könnte etwa die Überwachung entlegener Wildtiere oder die Suche nach Überlebenden in Katastrophengebieten ermöglichen, die oft abgelegen oder schwer zu navigieren sind.

In den jüngsten Experimenten zeigte das Team der Universität Zhejiang, dass der Schwarm eine menschliche Zielperson verfolgen konnte, während diese durch eine Baumgruppe ging, und dass er auch dann noch fokussiert blieb, wenn die Zielperson hinter ein Tuch trat und von den Kameras nicht mehr erfasst werden konnte.

Die Drohnen sind in der Lage, miteinander zusammenzuarbeiten, um die Position der Zielperson zu erfassen, selbst wenn man diese nicht mehr sehen konnte. Der Schwarm konnte sogar sich bewegenden Objekten ausweichen, zum Beispiel. Menschen, die durch das Feld liefen. Er konnte sich schnell neu orientieren, wenn er mitten im Flug von den Wissenschaftlern gestört wurde.

Flugsysteme mit mehreren Robotern wurden in Filmen häufig als Symbol für künftige Technologien verwendet und dienten als Inspiration für Wissenschaftler. Im Alien-Spin-off Prometheus (2012) setzten Astronauten mehrere Mikro-Lufteinheiten aus, um ein unbekanntes außerirdisches Schiff zu erkunden.

In "Ender's Game" (2013) umgeben Drohnenschwärme das Raumschiff und bilden einen Schutzschild gegen Angriffe von Außerirdischen. Viele futuristische Städte - etwa in "Das fünfte Element" (1997) und "Minority Report" (2002) - zeigen einen geschäftigen, aber geordneten Roboter-Luftverkehr, der zwischen Wolkenkratzern fließt.

In der Fachzeitschrift Science Robotics sagen die chinesischen Forscher selbst, dass ihnen die Filmwelt als Vorbild diente: "Die Fähigkeit der Schwärme zur Navigation und Koordination in diesen Filmen hat zahlreiche Forscher angezogen und inspiriert. Hier machen wir einen Schritt in Richtung einer solchen Zukunft".

Britischen Robotikexperten haben die Arbeit der Chinese gelobt. "Die Erstellung einer qualitativ hochwertigen Karte, die aus einer verteilten Ansammlung von Robotern besteht und so detailliert ist wie hier gezeigt, ist eine hervorragende technische Leistung", sagte Dr. Jonathan Aitken von der Abteilung für automatische Steuerung und Systemtechnik der Universität Sheffield gegenüber New Scientist.

"Dies mit der zusätzlichen erfolgreichen Navigation und dem Ausweichen vor Hindernissen zu verbinden und dabei andere Mitglieder des Schwarms kritisch zu betrachten, ist eine hervorragende Leistung."

Enrica Soria vom Labor für Intelligente Systeme an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne, Schweiz, kommentierte die Forschungsarbeit in Science Robotics:

"Diese Arbeit ist ein bemerkenswerter Beitrag für die Robotikgemeinschaft und ein wichtiger Schritt in Richtung der Anwendung von Drohnenschwärmen über die begrenzte Umgebung eines Labors hinaus, nicht nur für die Erkundung von Wäldern, sondern auch für eine Reihe von sicherheitskritischen Missionen in von Menschen geschaffenen Umgebungen, wie städtischen Gebieten mit Menschen und Gebäuden."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen Teure Autos, teure Reparaturen: Neue Typklassen in der Kfz-Versicherung
01.10.2026

Bei teuren Autos kosten auch die Reparaturen mehr. Das spiegelt sich in den Typklassen wider. Am günstigsten sind historische Kleinwagen,...

DWN
Technologie
Technologie Er war Spitzenmanager bei der NATO, jetzt hat er zehn Milliarden Euro für eine entscheidende Aufgabe bekommen
01.10.2026

Europa besitzt nur einen Bruchteil der weltweiten KI-Rechenleistung und liegt bei führenden Modellen weit hinter den USA und China. Nun...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street beendet September uneinheitlich
30.09.2026

Ein turbulenter Monat geht zu Ende – erfahren Sie, welche Dynamiken jetzt die Kurse an der Wall Street bestimmen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreich Staatsverschuldung: Die nächste Gefahr für die Eurozone
30.09.2026

Frankreich galt lange als einer der politischen und wirtschaftlichen Pfeiler der Eurozone. Doch an den Anleihemärkten wächst die...

DWN
Finanzen
Finanzen VW kündigt Tarifvertrag: Was jetzt auf 100.000 Beschäftigte zukommt – und auf die VW-Aktie
30.09.2026

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und kündigt einen Großteil seiner Haustarifverträge. Nach Angaben der IG Metall sind zehn...

DWN
Politik
Politik Innere Sicherheit: Innenministerkonferenz beschließt nicht mehr einstimmig
30.09.2026

Die Innenministerkonferenz verabschiedet sich vom Einstimmigkeitsprinzip, um zukünftig "Blockaden" zu verhindern. Künftig reichen 13...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Unternehmen, die in China tätig sind, stehen vor einer schwierigen Wahl
30.09.2026

Europäische Unternehmen mit Geschäften in China stehen vor einem Dilemma: gegen EU-Recht verstoßen oder gegen chinesisches Recht. Die...

DWN
Politik
Politik Vestager und Nobelpreisträger schlagen KI-Alarm: Kritisches Zeitfenster schließt sich Monat für Monat
30.09.2026

Europa läuft Gefahr, bei künstlicher Intelligenz dauerhaft von den USA und China abhängig zu werden. Margrethe Vestager, zwei...