Deutschland

Rheinmetall: Wandel durch Krieg

"Wandel durch Handel": Bis vor kurzem galt dieses Motto noch.
Autor
15.05.2022 07:42
Aktualisiert: 15.05.2022 07:42
Lesezeit: 2 min
Rheinmetall: Wandel durch Krieg
Ein Kampfpanzer vom Typ "Leopard 2 A7V" aus der Rheinmetall-Produktion. (Foto: dpa)

Das Düsseldorfer Rüstungsunternehmen „Rheinmetall“ geht in die Offensive: Der Krieg in der Ukraine beschert dem Hightech-Konzern, der einer der weltweit führenden Anbieter von militärischen Systemen und Ausrüstungen ist, neben neuen Geschäften auch einen Imagewandel in der öffentlichen Wahrnehmung seines Kerngeschäfts.

Im Kielwasser der Verteidigung demokratischer Werte drängte das Unternehmen zuletzt die deutsche Bundesregierung dazu, die Lieferung nachgerüsteter Schützenpanzer vom Typ Marder abzusegnen. Gleichzeitig unterzeichnete Rheinmetall ein Kooperationsabkommen mit dem tschechischen Industrie-Unternehmen „Ray Service“.

Bei der Zusammenarbeit mit den Tschechen handelt es sich um zwei Aufträge mit einem Gesamtumfang von 60 Millionen Euro. Zum einen um eine Lieferung von elektronischen und elektrischen Systemen für den Schützenpanzer Lynx IFV für die ungarische Armee, zum anderen um die Lieferungen desselben Schützenpanzers an die slowakische Armee.

Rheinmetall erfüllt diese Aufträge, ohne selbst in Deckung gehen zu müssen und hat – anders als in der Vergangenheit – den Anspruch, seine Geschäfte auch einer breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren.

Es scheint, als habe die von der Politik verkündete Zeitenwende den Konzern in die Mitte der Gesellschaft gespült und die aus der Zeit gefallenen Pazifisten an den Rand gedrängt. Die Zeit des „Salonpazifismus“ ist vorbei - gefragt ist heute stattdessen unternehmerischer Pragmatismus.

Immer im Namen der Demokratie und unserer ethischen Grundsätze, die in der Ukraine Gefahr laufen, von der politischen Bühne geschossen zu werden, wenn das Feuer nicht rechtzeitig erwidert wird. Ein Umstand, der auch die Gefahr in sich birgt, ein Rüstungsunternehmen indirekt zu einem „Werteträger“ hochzustilisieren und - ähnlich wie das Mainzer Biotechnologie-Unternehmen „Biontech“ während der Corona-Pandemie - als einen Heilsbringer zu verklären.

Nicht nur das Unternehmen profitiert von den Kriegswirren in der Ukraine, der Konflikt hat auch die Anleger auf den Plan gerufen: Während sich die Rheinmetall-Aktie in den vergangenen fünf Jahren in einem Rahmen zwischen 75 und 120 Euro bewegte und auch noch zu Jahresbeginn gesichtslos dahindümpelte, stieg der Kurs seit Kriegsbeginn am 24. Februar dieses Jahres von 97,82 Euro zwischenzeitlich auf ein Allzeithoch von 224,90 Euro pro Aktie am 22. April.

Auch Rheinmetall selbst scheint den jetzigen Kontext für sich zu nutzen. Das Unternehmen zielt darauf ab, eine nachhaltig wichtige Rolle in der Verteidigungspolitik zu spielen und sich als ein positiver Akteur im Bewusstsein der Bevölkerung zu etablieren. Zumindest, solange die Rüstungsexporte des Kriegsgewinnlers nicht wieder in weit fraglichere Gebiete in den Nahen Osten wie beispielsweise Saudi-Arabien gehen.

Ganz am Rande sei erwähnt: Derzeit hat Rheinmetall, das 2021 mit knapp 24.000 Mitarbeitern einen Umsatz von circa 5,66 Milliarden Euro Umsatz erzielte, stolze 1.177 Stellen neu zu besetzen. Neben einem Zeichen wirtschaftlichen Wachstums kann das wohl auch als ein zusätzlicher Effekt der Zeitenwende auf die deutsche Rüstungsindustrie gewertet werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg eskaliert weiter
10.03.2026

Die Angriffe im Iran eskalieren weiter, während Trump ein baldiges Kriegsende signalisiert. Gleichzeitig spitzt sich die Lage für die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Boom der Abnehmmedikamente: Trend verstärkt soziale Ungleichheit in der Gesundheitsbranche
10.03.2026

Abnehmmedikamente wie Ozempic verändern die Behandlung von Adipositas und verschärfen zugleich die Debatte über soziale Ungleichheit im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die Elektroauto-Euphorie ist vorbei: Jetzt kommt die Rechnung
10.03.2026

Abschreibungen in Höhe von rund 50 Milliarden Euro, gestoppte Projekte und eine strategische Kehrtwende zurück zum Verbrennungsmotor: Die...

DWN
Technologie
Technologie Von der Leyen kündigt Strategie für Kernenergie-Ausbau an
10.03.2026

Europa will bei der Kernenergie aufholen: Eine neue Strategie für kleine Reaktoren soll Innovationen vorantreiben und die Stromversorgung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spannungen im Persischen Golf: Wie der Iran-Krieg die Energiemärkte belastet
10.03.2026

Der Iran-Krieg erhöht den Druck auf Energiepreise, Finanzmärkte und globale Kapitalströme. Welche Märkte, Branchen und Regionen sind...

DWN
Finanzen
Finanzen Biontech-Aktie: Gründer Sahin und Türeci verlassen Konzern, Aktie stürzt ab
10.03.2026

Die Gründer von Biontech treten ab und starten ein neues Biotech-Unternehmen. Für die Biontech-Aktie beginnt eine neue Phase, geprägt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kreditvergabe: Banken werden strenger – wie Unternehmen dennoch an Geld kommen
10.03.2026

Banken verschärfen derzeit die Kreditvergabe – und ausgerechnet innovative Unternehmen geraten dabei nicht selten ungewollt ins...

DWN
Panorama
Panorama Evakuierungsflüge: Vollkasko oder staatliche Pflicht?
10.03.2026

Nach dem US-israelischen Angriff auf Iran sitzen tausende Urlauber in der Krisenregion Nahost fest. Nicht wenige hoffen auf staatliche...