Deutschland

Für den Notfall: Bundesregierung baut Reserve an Kohlekraftwerken aus

Gestern Klimakiller, heute Retter in der Not? Im Angesicht der Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas greift die Bundesregierung wieder auf Kohlekraftwerke zurück.
24.05.2022 14:56
Aktualisiert: 24.05.2022 14:56
Lesezeit: 1 min
Für den Notfall: Bundesregierung baut Reserve an Kohlekraftwerken aus
Aus Regierungskreisen heißt es, die Bundesregierung bereite sich auf einen möglichen Gas-Engpass vor. Schließlich dürfte Deutschland laut Bundesregierung noch bis 2024 von russischem Gas abhängig bleiben. (Foto: dpa)

Die Bundesregierung rüstet sich weiter für einen Gas-Engpasses und baut dafür die Reserve an Kohlekraftwerken aus. Der Bund soll nach Angaben aus Regierungskreisen vom Dienstag im Notfall kurzfristig dann solche Anlagen in Betrieb gehen lassen. Ziel des Gesetzespakets ist es, den Verbrauch von Gas zur Stromproduktion in einem solchen Fall auf ein Minimum zu drücken.

Deutschland wird noch bis 2024 abhängig von russischen Gas-Importen sein

Der Brennstoff soll dann in erster Linie für die Wärme-Erzeugung und den Einsatz in der Industrie reserviert werden. Um dies sicher zu stellen, soll die Regierung zudem im Krisenfall Gas für Kraftwerke für sechs Monate so verteuern können, dass ein Verbrennen unwirtschaftlich wird. Die Regelungen sollen bis Ende März 2024 gelten, also über zwei Winter. Deutschland wird laut Regierung trotz aller Anstrengungen noch bis 2024 abhängig von russischen Gas-Importen sein.

In den vergangenen Jahren bezog Deutschland über die Hälfte seines Bedarfs über Pipelines aus Russland. Derzeit ist es noch ungefähr ein Drittel. Mit dem Bau von zwei Flüssiggas-Terminals für die Einfuhr aus anderen Weltregionen noch in diesem Winter will man die Abhängigkeit weiter verringern. In Gaskraftwerken wurden 2021 etwa 15 Prozent des Gases verbrannt, in diesem Jahr dürften es wegen der hohen Preise weniger sein.

Steinkohle-Kraftwerke werden nicht komplett abgeschaltet

Mit dem Gesetzesvorhaben, das jetzt zwischen den Ressorts der Regierung abgestimmt wird, sollen zum einen Kraftwerke ertüchtigt werden, die schon jetzt in der Reserve sind. Zudem würden weitere Kohlekraftwerke in diesem und nächstem Jahr in die Reserve überführt. Dies sind Anlagen mit 2,6 Gigawatt Leistung, die eigentlich abgeschaltet werden sollten. Insgesamt wären dann knapp neun Gigawatt in der Reserve.

In Regierungskreisen hieß es aber, trotz des Ausbau der Reserven halte man am angepeilten Ende der Kohle-Verstromung bis 2030 fest. Eigentlich sollte die Vereinbarung im Koalitionsvertrag durch den verstärkten Einsatz von Gaskraftwerken, die weniger CO2 ausstoßen, möglich gemacht werden. Die Regierung setzt aber nun auf eine beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien sowie einen zügigeren Einsatz von Wasserstoff.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Micron führt Chip-Rallye an, während Wall Street leicht zulegt
01.10.2026

Überraschende Impulse an der Wall Street – Erfahren Sie, welche Kräfte den Markt heute bewegten.

DWN
Politik
Politik Frankreichs Schüler rebellieren: Knapp 2.000 Festnahmen bei Schulprotesten in Frankreich
01.10.2026

Seit Tagen demonstrieren Schüler an Frankreichs Gymnasien gegen kaputte Gebäude, zu wenig Lehrer und angekündigte Sparmaßnahmen in der...

DWN
Politik
Politik Innenministerkonferenz ändert Regeln: Bundesländer wollen mit Mehrheit gegen AfD entscheiden
01.10.2026

Die Innenministerkonferenz (IMK) verabschiedet sich vom Einstimmigkeitsprinzip, um zukünftig "Blockaden" zu verhindern. Aus Angst vor der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Autozulieferer vorm Aus: Bohai-Automotive schließt Werk in Sachsen-Anhalt
01.10.2026

Erst nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommt die offizielle Nachricht: Der ostdeutsche Autozulieferer Bohai-Automotive schließt sein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutscher Tierhandelsriese Fressnapf legt Pläne offen: Schnelles Wachstum in Polen
01.10.2026

Polen gehört zu den wichtigsten Märkten der Fressnapf-Gruppe, dem europäischen Marktführer im Zoofachhandel. Die zum Konzern gehörende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Der schrumpfende Riese: Warum Deutschlands Arbeitsmarkt vor einer historischen Trendwende steht
01.10.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt galt über Jahre hinweg als Fels in der Brandung. Trotz globaler Krisen, geopolitischer Verwerfungen und einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Softwaretochter Cariad vor massivem Stellenabbau
01.10.2026

Volkswagen stellt seine Softwarestrategie weiter auf den Prüfstand. Bei Cariad droht ein neuer Stellenabbau, während Investitionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota Corolla Cross im Test: Der Hybrid, der an einen Diesel erinnert
01.10.2026

Der Toyota Corolla Cross verbindet Hybridtechnik mit viel Komfort und erstaunlich niedrigem Verbrauch. In der getesteten GR-Sport-Version...