Unternehmen

Mere: Russen-Aldi auf der Flucht

Der russische Lebensmittel-Discounter, der ursprünglich angetreten war den deutschen Markt zu erobern, zieht sich zurück.
07.06.2022 12:26
Aktualisiert: 07.06.2022 12:26
Lesezeit: 1 min
Mere: Russen-Aldi auf der Flucht
Der russische Discounter Mere verabschiedet sich aus Deutschland. (Foto: dpa) Foto: Matthias Bein

Eine Fehlzündung: Der russische Lebensmittel-Discounter Mere wollte im Eiltempo den deutschen Discounter-Markt erobern. Dabei sollten den ersten zwei deutschen Filialen im Jahre 2019 weitere 100 folgen, und Aldi, die Mutter aller deutschen Discounter, preislich um 20 bis 30 Prozent unterboten werden. Allerdings hat sich das Blatt gewendet. Aus der groß angekündigten Eroberung des deutschen Discounter-Marktes ist mittlerweile ein leiser Rückzug geworden.

Insgesamt hat Mere seit 2019 sieben Standorte in Deutschland mit zwei in Halle und jeweils einen in Homburg, Berlin, Schönbeck, Leipzig und Zwickau eröffnet. Die Hälfte davon ist bereits geschlossen, die andere Hälfte soll kurzfristig folgen. Der Grund: Der Ukraine-Krieg verschärft die Probleme mit der Warenversorgung, die neuen logistischen Herausforderungen sind für den Russen-Aldi nicht mehr preisgünstig zu stemmen.

Die Discounterkette, die vor vier Jahren in Deutschland startete, setzte in der Vergangenheit in ihrer Unternehmens-Strategie nicht nur auf zollfreie Waren aus osteuropäischen EU-Mitgliedern. Sondern auch auf eine minimale Gestaltung des Verkaufsbereichs, auf eine geringe Anzahl von Mitarbeitern, und einer vereinfachen Paletten-Anzeige der Produkte.

Während der Discounter in Deutschland dicht macht, ist er in Osteuropa immer noch auf Wachstumskurs. Vor allem in Kasachstan und Weißrussland scheinen sich die Geschäfte gut zu entwickeln.

Neben diesen zwei Verbündeten Russlands betreibt der Discounter im Osten Europas noch Märkte in Litauen, Polen, Lettland, und Rumänien. Auch in der Ukraine eröffneten sie 2020 zwei Filialen. Zudem ist er in China, Spanien, Griechenland, Großbritannien, Frankreich, Belgien und Serbien präsent.

Hinter dem Mere-Discounter steckt die Svetofor-Kette, die seit den zwei ersten eröffneten Discountern in Sibirien im Jahre 2009 mittlerweile rund 2.200 Standorte betreibt, davon allein in Russland mehr als 1000.

Die Svetofor-Kette gehört mehrheitlich der Familie Schneider aus Krasnojarsk. Walentina Schneider führt es mit ihren Söhnen. In den 1990er Jahren verdienten sie ihr erstes Geld mit dem Wodka-Handel, später mit Bier und nach der Wirtschaftskrise 2009 sattelten sie auf Lebensmittel um.

Der deutsch klingende Name Schneider ist keine Seltenheit in dieser Region, schließlich wurden viele Wolgadeutsche der Sowjetunion mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges ins sibirische Krasnojarsk verbannt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Frankreich steckt mitten im finanziellen Sturm: Kann daraus eine Schuldenkrise werden?
21.10.2026

Frankreich kämpft mit hohen Defiziten, steigenden Zinsen und politischer Unsicherheit. Erinnerungen an die europäische Schuldenkrise...

DWN
Politik
Politik Bürgergeld: 1,4 Millionen Arbeitslose beziehen seit fünf Jahren Grundsicherung
21.10.2026

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die im Bürgergeld festhängen, hat sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich erhöht. Die Zahlen der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Unternehmen mieten massiv Lagerflächen in der EU. Am meisten in Polen
21.10.2026

Chinesische Unternehmen bauen ihre Logistikpräsenz in Europa massiv aus. Besonders Polen entwickelt sich zum zentralen Knotenpunkt für...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Achterbahnfahrt bei KI- und Tech-Aktien am Dienstag
20.10.2026

Spannung an der Wall Street: Was hinter den jüngsten Kursbewegungen steckt und welche Werte jetzt überraschen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kappa Rus: Wie Putin einen Unternehmer um sein Lebenswerk bringt
20.10.2026

Jahrelang baute ein schwedischer Unternehmer in Russland ein millionenschweres Geschäft auf. Nun nimmt ihm Wladimir Putin per Dekret die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Leere Lager, stockende Bänder: Die deutsche Industrie im Würgegriff neuer Materialengpässe
20.10.2026

Elektronikkomponenten und chemische Rohstoffe werden zur Mangelware. Die neuesten ifo-Daten zeigen, wie fragil der Standort Deutschland im...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorgedepot: Sozialverband warnt vor staatlich geförderter Kostenfalle
20.10.2026

Maximal ein Prozent Gebühren pro Jahr darf das neue Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 kosten. Dennoch warnt der Sozialverband vor...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie: Musk verspricht jedem US-Kind eine Aktie seiner Weltraumfirma
20.10.2026

Jedes Kind in den USA soll von Elon Musk eine Aktie seiner Weltraumfirma SpaceX bekommen. Wie genau das passieren soll, ist noch unklar....