Politik

Diese drei Optionen hat Macron nach seiner Schlappe bei den Parlamentswahlen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat bei der Parlamentswahl am Sonntag, trotz der gewonnenen Präsidentschaftswahl und relativer Mehrheit, deutlich verloren. Gewonnen haben hingegen Oppositionelle von Links und Rechts. Darum bleiben Macron nur noch drei Wege zur Regierung ohne absolute Mehrheit.
20.06.2022 14:46
Aktualisiert: 20.06.2022 14:46
Lesezeit: 2 min

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat bei der Parlamentswahl am Sonntag eine schwere Schlappe erlitten. Das Bündnis des erst vor acht Wochen wiedergewählten Präsidenten verlor seine absolute Mehrheit in der Nationalversammlung, trotz seiner Warnungen im Vorhinein. Eine solche Situation hat es in Frankreich zuletzt 1988 gegeben. Nun wird es für den 44-Jährigen, der sich auch eine stärkere Integration Europas auf die Fahnen geschrieben hat, künftig schwerer, seine Vorhaben umzusetzen. Nun muss Macrons Mitte-Allianz "Ensemble" entscheiden, wie es weitergeht. Dazu gibt es verschiedene Szenarien. Ein Überblick über die Optionen.

Koalieren

Für eine absolute Mehrheit im französischen Parlament braucht eine Fraktion 289 Sitze. Wie das Innenministerium am Montag mitteilte, kommt Macrons Bündnis auf 245 Sitze. Obwohl sie zwar weiter stärkste Kraft ist, muss sich Macrons Allianz - die 105 Mandaten eingebüßt hat - mit erstarktenKontrahentenauseinandersetzen: Das Links-Bündnis "Nupes" um Jean-Luc Melenchon kommt im neuen Parlament auf 131 Sitze, die extreme Rechte um Marine Le Pen auf 89.

Die Konservativen könnten mit 61 Abgeordneten zum Königsmacher werden. Sie sind die einzige traditionelle Partei, mit der Macron zu einer Mehrheit kommen könnte. Sie dürften aber einen hohen Preis für eine Zusammenarbeit fordern. Dazu könnte der Posten des Ministerpräsidenten gehören. Führende Vertreter der "Les Republicains" schienen am Sonntagabend jedoch eine Koalition abzulehnen. Ersten Äußerungen zufolge will die Partei der früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy and Jacques Chirac womöglich in der Opposition bleiben, sich aber "konstruktiv" verhalten.

Von Gesetz zu Gesetz hangeln

Macron könnte auch auf eine Minderheitsregierung setzen und von Fall zu Fall Gesetze mit wechselnden Partnern aushandeln. Eine solche Konstellation zwingt aber zu Kompromissen und könnte es dem Präsidenten deutlich erschweren, Wahlversprechen umzusetzen. Dazu gehört Macrons umstrittene Rentenreform, mit einer Anhebung des Renteneintrittsalters. In den 1980er Jahren konnte der sozialdemokratische Präsident Francois Mitterand allerdings Sozialreformen mit einer Minderheit im Parlament und mit der Unterstützung andere Parteien durchsetzen.

Politisches Patt oder sogar Neuwahlen hinnehmen

Das Wahlergebnis könnte aber auch ein politisches Patt bis hin zu Neuwahlen nach sich ziehen. Denn nach dem Erfolg sowohl für das Links-Bündnis von Melenchon als auch die extreme Rechte von Le Pen muss Macron mit starker Opposition und einer Blockadepolitik rechnen. Da das Links-Bündnis "Nupes" zur größten Oppositionskraft wurde, steht ihm nach den Regeln des Parlaments der Vorsitz des mächtigen Finanzausschusses zu.

Dieser kann von der von der Regierung Zugang zu Fiskalinformationen verlangen und Haushaltsgesetze vorübergehend blockieren. Von Le Pen - die ihre Fraktion auf 98 Abgeordnete mehr als verzehnfachen konnte - wird ebenfalls starker Widerstand erwartet. Spitzenvertreter ihrer Partei haben bereits angekündigt, Untersuchungsausschüsse anzustreben und Gesetze vor dem Verfassungsgericht anzufechten. Ein solches Vorgehen könnte einer Koalition- oder Minderheitsregierung schwer zusetzen.

Als Präsident hat Macron auch das Recht, Neuwahlen auszurufen. Ob die Franzosen ihm dann aber zu einer absoluten Mehrheit verhelfen würden, ist unsicher. 1997 fiel der damalige Präsident Jacques Chirac damit auf die Nase. Der konservative Politiker setzte siegessicher eine vorgezogene Wahl an, verlor aber und war zu einer Zusammenarbeit mit den Sozialisten gezwungen, die stattdessen die Mehrheit errungen hatten. Dadurch büßte Chirac seine Macht faktisch ein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldgedeckte Digitalwährungen als Brücke zwischen Sachwerten und Finanztechnologie

Steigende Inflation, geopolitische Unsicherheiten und die fortschreitende Digitalisierung verändern die Anforderungen an moderne Formen...

DWN
Technologie
Technologie KI-Pionier Bengio: „Wir können die Vorteile nutzen, ohne die Katastrophe zu riskieren“
20.06.2026

Yoshua Bengio ist ein kanadischer Informatiker, der bekannt wurde durch seine Forschung zu künstlichen neuronalen Netzen und Deep...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiewende: Milliardenauftrag für Windstrom-Plattform geht nach Rostock
20.06.2026

Für die Anbindung von Windparks auf See an Stromleitungen an Land sind Konverter notwendig. Warum der Milliardenauftrag des Netzbetreibers...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Die 7 gefährlichsten Bürokratiefallen für Mittelständler: So hebeln Sie sie aus
20.06.2026

Immer neue Regeln, Formulare und Dokumentationspflichten treiben Mittelständler an ihre Grenzen – oft weit stärker als große Konzerne....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Inster im Test: Kleiner Elektro-SUV für fast jeden Geldbeutel
20.06.2026

Der Hyundai Inster wirkt auf den ersten Blick wie ein elektrischer Stadtzwerg. Im Test zeigt der kleine SUV aber mehr Platz, Komfort und...

DWN
Panorama
Panorama KI-Bewerbung: Diese 5 Fehler sollten Sie vermeiden
20.06.2026

Immer mehr Bewerber nutzen KI, um ihre Jobsuche zu beschleunigen. Doch die besten Ergebnisse entstehen nicht auf Knopfdruck. Wer Chatbots...

DWN
Panorama
Panorama EU einigt sich auf Fluggastrechte-Reform: Das ändert sich für Reisende
20.06.2026

Die EU hat sich auf neue Regeln für Flugreisende verständigt. Künftig sollen Passagiere bei Gepäck, Sitzplätzen und Informationen...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Börse: Deutschland strebt eine Ausnahmeregelung von der gemeinsamen Aufsicht an
20.06.2026

Deutschland fordert mehr europäische Kapitalmarktintegration, will der Deutschen Börse aber offenbar eine Ausnahme sichern. Der Fall...

DWN
Politik
Politik Rotstift beim Wohngeld: Bundesregierung plant Sparhammer für Wohngeldempfänger
19.06.2026

Das Spardiktat der Bundesregierung trifft Haushalte mit geringem Einkommen hart: Bauministerin Verena Hubertz plant drastische Kürzungen...