Politik

Ukraine-Krieg: USA und Nato sind stärker involviert, als öffentlich bekannt ist

Ein Bericht der New York Times enthüllt das Ausmaß der Unterstützung, welche die Nato der Ukraine gewährt - und schon seit Jahren gewährte.
08.07.2022 16:56
Aktualisiert: 08.07.2022 16:56
Lesezeit: 2 min
Ukraine-Krieg: USA und Nato sind stärker involviert, als öffentlich bekannt ist
Die USA und die Nato sind laut Bericht der New York Times aktiver in der Ukraine als bislang bekannt, hier Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und US-Präsident Joe Biden. (Foto: dpa) Foto: Bernd von Jutrczenka

Die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine wird nicht nur in Deutschland kontrovers diskutiert. Dabei geht die Hilfe westlicher Staaten weit darüber hinaus. Dies zumindest schreibt die New York Times.

Demnach versorgen die USA und ihre Verbündeten die Ukraine auch mit Geheimdienstinformationen und bildeten ukrainische Soldaten an den westlichen Waffensystemen aus. Es gäbe ein großes Netzwerk, das all dies koordiniere, so die New York Times. Ein Großteil dieser Arbeit fände allerdings auch außerhalb der Ukraine statt, so auf Stützpunkten in Deutschland, Frankreich oder Großbritannien. Zwar wolle die Regierung Biden keine amerikanischen Truppen in der Ukraine stationieren, gleichwohl seien aber CIA- Mitarbeiter weiter in dem Land tätig und sorgten für einen reibungslosen Informationsaustausch zwischen den USA und dem ukrainischen Militär, schreibt das Blatt unter Berufung auf Berufung auf aktive und ehemalige Beamte.

Und während die USA ihre eigenen Militärberater kurz vor Kriegsbeginn aus der Ukraine abgezogen hätten, verblieben Kommandotruppen anderer NATO- Staaten im Land – oder sie würden ein- und ausgeflogen. Genannt werden Großbritannien, Frankreich, Kanada und Litauen. Die 10th Special Forces Group des amerikanischen Heeres, die vor dem Krieg ukrainische Kommandos auf einem Stützpunkt im Westen des Landes ausgebildet hatte, habe nun hingegen eine Planungszelle in Deutschland eingerichtet, um von dort die militärische Unterstützung für ukrainische Kommandos und andere ukrainische Truppen zu koordinieren. Sie sei Teil einer ganzen Reihe operativer und nachrichtendienstlicher Koordinierungszellen, die vom Europäischen Kommando des Pentagon geleitet würden. Zu ihnen gehöre auch der US-Luftwaffenstützpunkt im deutschen Ramstein, von wo ein Team der US-Luftwaffe und der Air National Guard mit dem Namen „Grey Wolf“ die ukrainische Luftwaffe unter anderem mit taktischen Ratschlägen und Technik versorge.

Unterstützung spürbar

Die logistische, schulungstechnische und nachrichtendienstliche Unterstützung sei auf dem Schlachtfeld durchaus spürbar. So hätten sich ukrainische Befehlshaber bei den Vereinigten Staaten für die aus Satellitenbildern gewonnenen Informationen bedankt, die sie auf von den Verbündeten bereitgestellten Tablet-Computern abrufen können. Auf den Tablets laufe eine App zur Kartierung des Gefechtsfeldes, mit der die Ukrainer russische Truppen anvisieren und angreifen könnten.

Allerdings benötige die Ukraine laut Douglas H. Wise, einem ehemaligen stellvertretenden Direktor des Verteidigungsnachrichtendienstes und pensioniertem hohem CIA-Offizier, darüber hinaus noch eine klassische militärische Ausbildung im Umgang mit Raketenartillerie, wie dem High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS), und anderen hochentwickelten Waffen. „Wir sprechen hier von einem groß angelegten Kampf“, wird Wise zitiert. „Wir sprechen von modernen Panzer-gegen-Panzer-Schlachten mit massiven Streitkräften.“

Die Regierung Biden hat bisher vier der mobilen Mehrfachraketensysteme HIMARS an die Ukraine geliefert und kündigte an, dass vier weitere auf dem Weg seien. Es handele sich dabei um die modernsten Waffen, die die Vereinigten Staaten bisher an die Ukraine geliefert haben, mit Raketen, die eine Reichweite von bis zu 40 Meilen haben, mehr als alles, was die Ukraine derzeit habe.

Die zunehmende Unterstützung der Ukraine durch die USA und andere NATO- Staaten dürfte den Russen wohl bekannt sein. Bemerkenswert ist eher, dass in der New York Times darüber ein so ausführlicher Artikel erscheint. Und was in Russland schon seit Beginn des Krieges ein offenes Geheimnis ist, wird nun auch der Öffentlichkeit in den westlichen Ländern immer klarer: In der Ukraine tobt ein Stellvertreterkrieg zwischen Russland und der NATO.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Warum Deon Markets in der Krypto-Landschaft herausragt

In der dynamischen Welt der Kryptowährungen hebt sich Deon Markets deutlich ab. Diese Plattform bietet mehr als nur den Handel mit...

Moritz Enders

***

Moritz Enders ist freier Autor und schreibt seit 2017 regelmäßig für die Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Er studierte Geschichte in Rom und Sevilla, Enders ist außerdem Autor und Regisseur. Mehrere Dokumentarfilme brachte er unter anderem für das ZDF und arte auf den Bildschirm, zum Beispiel „Schüsse auf dem Petersplatz – wer wollte den Papst ermorden?“ und „Tod eines Bankers – der Skandal um die älteste Bank der Welt“. Im Februar 2026 ist sein Roman „Die Prinzessin von Centocelle“ erschienen, dessen Hauptfiguren neben der Prinzessin ein Tierpfleger im Ruhestand, ein Schimpanse, ein Privatdetektiv und der Doppelgänger eines Top-Terroristen sind.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rohstoffe für Russland? Irlands Regierung weicht Verstaatlichung aus
08.07.2026

Das irische Alumina-Werk Aughinish steht wegen russischer Eigentümerstrukturen und Exporten nach Russland unter Druck. Trotz Sorgen über...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvente Unternehmen: Immer mehr Firmen vorm endgültigen Aus
08.07.2026

Steigende Energiepreise, hohe Arbeitskosten, drohende Lieferkettenstörungen: Die Rettung zahlungsunfähiger Firmen in Deutschland wird...

DWN
Politik
Politik Energiewende: EnBW-Chef fordert Korrektur bei Windkraft-Ausbauzielen
08.07.2026

Die EnBW hat den Ausbau der Offshore-Windkraft als wichtigen Eckpfeiler der Energiewende in Europa vorangetrieben. Jetzt fordert der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Vom öffentlichen in den privaten Sektor: Habeck wird Berater bei Investmentgesellschaft
08.07.2026

Ex-Vizekanzler Habeck wechselt in die Privatwirtschaft: Ab August nimmt der frühere Wirtschaftsminister einen lukrativen Beraterjob bei...

DWN
Finanzen
Finanzen Besitzen Sie amerikanische Technologieaktien? Dann sollten Sie über einen Verkauf nachdenken
08.07.2026

US-Tech-Aktien haben die Märkte lange nach oben gezogen, doch die Warnungen vor überzogenen Bewertungen werden lauter. Während Jeremy...

DWN
Politik
Politik "Chatkontrolle" durch die Hintertür? Plötzliches Eilverfahren im EU-Parlament
08.07.2026

Die Bürger der EU lehnen die Chatkontrolle ab, auch das EU-Parlament. Plötzlich bringt EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola kurz vor...

DWN
Finanzen
Finanzen Übernahmepoker: Unicredit nähert sich Mehrheit bei Commerzbank
08.07.2026

Die Unicredit hat mit Ablauf ihres Übernahmeangebots ihren Anteil an der Commerzbank weiter aufgestockt. Eine Mehrheit an den Dax-Konzern...

DWN
Finanzen
Finanzen ETF und Aktien handeln mithilfe künstlicher Intelligenz? Wo Chancen und Risiken liegen
08.07.2026

Tatsächlich nutzen heute viele Privatpersonen KI-Chatbots auch als Hilfe beim Investieren. Deshalb haben wir untersucht, worin der wahre...