Unternehmen

Brennpunkt Handel: Schwere Zeiten wollen nicht abreißen

Der Einzelhandel ist bereits an der Schwelle zu einer Rezession und befürchtet jetzt zusätzlich eine weitere Kostenwelle auf ihn zurollen.
Autor
26.07.2022 16:23
Lesezeit: 1 min
Brennpunkt Handel: Schwere Zeiten wollen nicht abreißen
Vor allem Non-Food-Händler mit großen Filialnetzen, wie der holländische Discounter Action, stehen vor großen Herausforderungen. (Foto: dpa) Foto: Fabian Strauch

Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste: Während der Geschäftsklimaindex des ifo-Instituts in diesem Monat darauf hinweist, dass der Einzelhandel an der Schwelle einer Rezession steht und keine einzige Sparte zuversichtlich in die Zukunft blickt, scheint eine nächste Kostenwelle auf den deutschen Einzelhandel zuzurollen. Der Grund: Bei vielen Einzelhändlern, deren Mieten an die Verbraucherpreisentwicklung gekoppelt sind, stehen massive Erhöhung der Mieten ins Haus.

Die sogenannten Indexmieten treffen dabei besonders die eh schon von der Corona-Pandemie gebeutelten Einzelhändler im Non-Food und Textilbereich mit großen Filialnetzen.

Darunter zählen etwa die KiK Textilien und Non-Food GmbH, der Nonfood Händler Tedi oder auch der holländische Non-Food-Discounter Action, ein internationaler Discounter mit über 2.000 Filialen in zehn Ländern und einem Jahresumsatz von über 6,8 Milliarden Euro. Er betreibt allein in Deutschland rund 300 Filialen.

Neue Herausforderungen für Einzelhändler

Zwar halten sich die Einzelhändler im Detail bedeckt, allerdings bestätigt zum Beispiel der 1993 gegründete holländische Einzelhändler auf Anfrage der DWN, dass es richtig sei, dass die Mieten auch im Retail Bereich gestiegen sind und das Unternehmen vor einigen Herausforderungen stellt, bittet aber um Verständnis, keine weiteren Einzelheiten preisgeben zu wollen.

Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass Einzelhändler mit großen Filialnetzen und indexierten Mieten vor einer millionenschweren Mehrbelastung stehen. Bereits jetzt sind die Mieten nach den Personalkosten der zweitgrößte Kostenfaktor im Handel.

Handelsverband Deutschland plädiert für faire Mieten

Einstweilen bleibt auch dem Handelsverband Deutschland nichts anderes übrig als die Entwicklungen auf dem Markt zu beobachten, plädiert aber für einen faireren Umgang mit den Einzelhändlern. „Dabei denken wir zum Beispiel an umsatzbezogene Mieten“, so Stefan Hertel, Pressesprecher des Handelsverband Deutschland (HDE) gegenüber den DWN. Auch weil der Handel bei rückläufigen Umsatzahlen bereits mit steigenden Energiekosten, Inflation, unterbrochenen Lieferketten und steigenden Transportkosten zu kämpfen habe.

Dagegen erklärt der Zentrale Immobilen Ausschuss (ZIA), er vertritt die Interessen der deutschen Immobilienwirtschaft, gegenüber den DWN, dass es „in der Tat im Gewerbebereich häufig, aber nicht ausschließlich, indexierte Mietverträge gibt. Allerdings sind diese meist mit Obergrenzen und mit einer Klausel versehen, dass zum Beispiel die Miete innerhalb von zwei Jahren maximal um 10 Prozent erhöht werden kann. Außerdem sind hier im Gegensatz zu Wohnungsmietverträgen Mindestlaufzeiten von zehn Jahren Grundlage für die Indexierung. Das heißt, dass erst nach einer Mindestlaufzeit von zehn Jahren die Mieten angepasst werden können. Dieses Modell hätte sich, immer nach Aussage des ZIA, bewährt.

Grundsätzlich ist es in der Regel üblich, dass die Mietverträge mindestens über zehn Jahre laufen, nicht zuletzt, um unter Umständen einen eventuellen Ladenausbau auch abschreiben zu können.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gestiegene Betriebskosten: Wachsender Druck auf Produktionsbetriebe

Die deutsche Wirtschaft steht im Jahr 2026 vor enormen Herausforderungen, welche die Gewinnspannen der Betriebe spürbar verringern. Laut...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech-Gründer starten neues Unternehmen
24.09.2026

Die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci bauen neben dem Mainzer Pharmakonzern ein neues Unternehmen auf. Mit Arife wollen sie...

DWN
Immobilien
Immobilien Vonovia bietet Soldaten neuen Wohnraum
24.09.2026

Die Bundeswehr wächst, doch in einigen Städten fehlt es schon heute an passenden Wohnungen für Soldaten. Vonovia bietet nun eine...

DWN
Politik
Politik Grönland-Abkommen mit Trump: Eine Frage bleibt offen
24.09.2026

Wir waren in New York dabei, an einem historischen Tag für Dänemark. Als die Erleichterung einsetzte, kam jedoch auch eine Erkenntnis...

DWN
Finanzen
Finanzen Kfz-Finanzierungen: Konsum auf Pump treibt Wachstum der Kreditbanken
24.09.2026

Mehr neue Kredite für den privaten Konsum, weniger für betriebliche Investitionen. Die Halbjahresbilanz der Kreditbanken hat zwei Seiten....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Pontes: So will die EZB den Finanzmarkt beschleunigen
24.09.2026

Die EZB macht ernst mit der Digitalisierung des Finanzmarkts. Mit Pontes können Wertpapiergeschäfte auf digitalen Plattformen erstmals...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: US-Aktien schließen nach Tech-Rücksetzer im Minus
23.09.2026

Welche geopolitischen und wirtschaftlichen Faktoren die Wall Street zur Wochenmitte aus der Bahn warfen.

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Starker Dollar und Zinssorgen belasten Goldkurs
23.09.2026

Der Goldpreis fällt am Mittwoch deutlich. Ein stärkerer US-Dollar und die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed...

DWN
Politik
Politik Spritpreise: Deutschland plant den Deckel, Kroatien begrenzt schon heute
23.09.2026

Die Spritpreise steigen, und Europas Regierungen greifen immer stärker in den Markt ein. Deutschland senkt die Energiesteuer und plant...