Finanzen

EZB traut sich nicht: Maßnahmen gegen Inflation sind äußerst zaghaft

Zwar hat EZB hat die geldpolitische Straffung tatsächlich begonnen und ihre Bilanz schon um 90 Milliarden Euro reduziert. Doch im Kampf gegen die Inflation ist das zu wenig.
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14.08.2022 08:21
Lesezeit: 3 min

Die Bilanzsumme der Europäischen Zentralbank ist in der Woche bis zum 5. August gegenüber der Vorwoche um weitere 18 Milliarden Euro auf nunmehr auf 8,75 Billionen Euro zurückgegangen, wie aus den von der EZB am Mittwoch veröffentlichten Daten hervorgeht.

Dies war der fünfte Rückgang der Bilanzsumme in den letzten sechs Wochen. Damit sind die Vermögenswerte in der Bilanz der EZB seit dem Höchststand am 24. Juni bereits um 90 Milliarden Euro gesunken und liegen nun auf dem niedrigsten Stand seit dem 25. März dieses Jahres.

Angesichts der gigantischen Bilanzsumme der EZB von aktuell 8,75 Billionen Euro ist der bisherige Rückgang um nur 90 Milliarden Euro - also um gut 1 Prozent - sicherlich gering. Doch er markiert ein dennoch eine deutliche Umkehr von der extremen Erweiterung der EZB-Bilanz in den letzten Jahren.

Die beiden größten Posten unter den Vermögenswerten der EZB sind die "Wertpapiere für geldpolitische Zwecke" im Umfang von 4,95 Billionen Euro (- 6,7 Milliarden zur Vorwoche) und die "längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte" im Umfang von 2,12 Billionen Euro (unverändert).

Beide diese Posten wurden über die Jahre durch die quantitative Lockerung aufgebaut. Die "Wertpapiere für geldpolitische Zwecke" wurden im Rahmen der Anleihekaufprogramme angehäuft. Seit dem Höchststand am 26. Juni ist ihr Umfang in der EZB-Bilanz um 13 Milliarden Euro zurückgegangen.

Die "längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte", einst auch als "Dicke Berta" bezeichnet, sind billige Kredite, welche die EZB an die Geschäftsbanken der Eurozone vergibt. Die Kreditvergabe erreichte am 27. Juni 2021 ihren Höchststand und ist seitdem um 92 Milliarden Euro gesunken.

Am 21. Juli hatte die EZB eine Erhöhung der Leitzinsen um 50 Basispunkte angekündigte. Den Einlagesatz, den sie zuvor im Verlauf von acht Jahren immer weiter in den negativen Bereich abgesenkt hatte, hob sie auf 0 Prozent an. Banken müssen nun auf ihre Guthaben bei der Notenbank keine Strafzinsen mehr zahlen.

Beim Bilanzabbau braucht es Hilfen für den Süden

Im Juli kündigte die EZB auch ein neues Instrument an, das sogenannte Transmissionsschutzinstrument (Transmission Protection Instrument, TPI). Dieses neue Instrument soll es der EZB überhaupt erst ermöglichen, Zinswende und quantitative Straffung vorzunehmen, ohne dass sie dadurch eine neue Euro-Schuldenkrise auslöst.

Denn die EZB steht vor dem Risiko, dass steigende Zinsen die Anleiherenditen der hoch verschuldeten Länder im Süden der Eurozone in die Höhe schießen lassen würden. Dadurch könnten die Staaten ihre fällig werdenden Schulden nicht weiter verlängern, geschweige denn zusätzliche Schulden aufnehmen. Staatspleiten wären die Folge.

Während der letzten Euro-Schuldenkrise führte der Anstieg der Renditen dazu, dass Griechenland seine Staatsanleihen nicht mehr bedienen konnte. Aber auch andere Länder wie Italien, Spanien, Portugal und Irland waren damals von der Pleite bedroht. Diese insgesamt fünf Staaten werden auch als PIIGS zusammengefasst.

Der TPI soll nun aber eine neue Staatsschuldenkrise verhindern und vor allem die Eurozone zusammenhalten. Zu diesem Zweck stößt die EZB ihre Vermögenswerte ungleichmäßig ab. So stößt sie zum Beispiel deutsche und französische Vermögenswerte schneller ab als italienische oder spanische Vermögenswerte.

Lesen Sie dazu auch: EZB-Umverteilung von Nord nach Süd nimmt Fahrt auf

Das heißt insgesamt wird der Gesamtbestand an Vermögenswerten in der EZB-Bilanz tatsächlich abgebaut, aber der Abbau ist ungleichmäßig auf die Staatsanleihen der verschiedenen Länder verteilt. Das kann sogar bedeuten, dass die Anleihebestände für einige Euro-Ländern überhaupt nicht abnehmen - oder sogar zunehmen.

Zumindest bisher erfüllt TPI tatsächlich das erklärte Ziel. Der Abstand (Spread) zwischen der Rendite zehnjährigen Rendite deutscher Bundesanleihen und der italienischen zehnjährigen Rendite beträgt derzeit lediglich 2,14 Prozentpunkte, wobei die deutsche Rendite bei 0,92 Prozent und die italienische Rendite bei 3,06 Prozent liegt.

Warum Straffung? Warum Zinswende?

Die EZB verzeichnet derzeit die höchste Inflation seit dem Start des Euro vor mehr als zwei Jahrzehnten. Die Inflationsrate in der Eurozone ist im Juli auf 8,9 Prozent angestiegen. Deutschland verzeichnet dabei mit 8,5 Prozent noch einen der geringsten Anstiege der Verbraucherpreise.

Eine entscheidende Ursache für die starken Preisanstiege ist die extrem lockere Geldpolitik der letzten Jahre. Der Abbau der EZB-Bilanz ist im derzeitigen Tempo zu langsam, um die Inflation zu bändigen. Aber die Notenbank macht zumindest die ersten zaghaften Schritte in Richtung einer Bekämpfung der von ihr geschaffenen Inflation.

Tatsächlich hat die EZB es schon einmal geschafft, ihre Bilanz erheblich zu kürzen. In den Jahren 2013 und 2014 sank ihre Bilanzsumme um etwa ein Drittel, wie Grafik oben zeigt. Doch anschließend nahm die EZB ihre extreme Geldpolitik wieder auf, insbesondere ab März 2020 vor dem Hintergrund von Corona.

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