Finanzen

Kryptowährungen: Profi-Investoren gehen von anhaltendem Bärenmarkt aus

Der Markt für Kryptowährungen ist vergangene Woche unter die wichtige Benchmark von einer Billion Dollar Marktkapitalisierung gefallen. Profi-Investoren sehen harte Zeiten auf Kryptoinvestoren zukommen.
Autor
avtor
28.08.2022 09:00
Lesezeit: 3 min

Die Hoffnung auf ein jähes Ende des Bärenmarktes kam in der Kryptoszene wohl zu früh. Nachdem der Bitcoin-Preis, der nach wie vor den gesamten Markt stark beeinflusst, im letzten Monat einen zaghaften Anstieg in Richtung 25.000 Dollar hinlegte, folgte letzte Woche ein erneuter Einbruch. Aktuell notiert Bitcoin bei rund 21.000 Dollar (Stand: 26. August). Die gesamte Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen unterschritt laut dem Branchenportal Coinmarketcap in Folge des Kurseinbruchs sogar zwischenzeitlich die psychologisch wichtige Marke von einer Billion Dollar.

Eine Serie an Abverkäufen auf dem Markt für Future-Positionen dürften maßgeblich zur Entwicklung der Krypto-Märkte beigetragen haben. Neben Bitcoin war auch die zweitgrößte Kryptowährung Ethereum einer der Leittragenden. Laut Daten des Branchenportals Coinglass wurden allein am Freitag Positionen von 157.000 Tradern zu einem Gesamtwert von über 600 Millionen Dollar liquidiert.

Davon standen 239 Millionen Dollar der Trades in Verbindung mit Bitcoin, 224 Millionen Dollar waren Ethereum-Trades. Das Altcoin-Projekt Ethereum um Gründer Vitalik Buterin notierte vor dem Kurseinbruch am 14. August noch um die 2.000 Dollar, brach dann aber auf aktuell rund 1.600 Dollar ein. Damit haben die beiden größten Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum aufs gesamte Jahr betrachtet jeweils rund 55 Prozent an Wert verloren, wie das Wall Street Journal berichtet. Die Kryptowährung Solana hat seit Jahresbeginn sogar 80 Prozent an Wert eingebüßt.

Profi-Investoren setzen auf anhaltenden Bärenmarkt

Ein Ende der Talfahrt scheint so bald nicht in Sicht zu sein, zumindest wenn man einigen professionellen Investoren Glauben schenkt. Peter Schiff, Chefvolkswirt und Chefstratege bei Euro Pacific Capital, sagte am Freitag zu seinen Anhängern: „Es ist immer noch Zeit zu verkaufen. Besser spät als nie!“ Mit Hinblick auf den seit einigen Tagen wieder vorsichtig einsetzenden Anstieg der Kurse, ging Schiff von einem Pump-and-Dump-Szenario aus, wie er auf Twitter mitteilte. Demnach würden einige Investoren den Preis nun kurzzeitig nach oben treiben, um anschließend ihre Positionen abzustoßen.

Schiff gilt schon lange als Bitcoin-Skeptiker und prophezeit der Kryptobranche seit Jahren den Absturz. Doch auch andere Profi-Investoren sind skeptisch, was die Zukunft von Bitcoin betrifft – darunter etwa „Mr. Big Short“ Michael Burry, Gründer des Hedgefonds Scion Capital. Burry hat sich gegen ein Investment in Bitcoin entschieden, wie Daily Investor berichtet. Burry nennt dafür drei Gründe: Erstens, Regierungen wollen die Kontrolle über ihre Währungen behalten und werden Kryptowährungen zerschlagen, wenn sie weiter an Popularität gewinnen.

Derzeit arbeiten viele Zentralbanken weltweit an ihren eigenen digitalen Währungen und werden dabei nicht müde, private Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum frontal zu attackieren. China ging 2021 sogar noch einen Schritt weiter und verhängte zunächst ein Mining- und anschließend ein Transaktionsverbot für Kryptowährungen. Als zweiten Grund, der gegen ein Bitcoin-Investment spricht, führt Burry an, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen kein gutes Wertaufbewahrungsmittel oder eine gute Absicherung gegen Inflation seien. Und schließlich sagt er, dass Kryptowährungen haben keinen inneren Wert hätten und der Preis lediglich davon abhinge, was die nächste Person zu zahlen bereit sei.

Wie stark korreliert Bitcoin mit Tech-Aktien?

Burry wies zudem auf einen anderen spannenden Aspekt hin, der seit Anfang des Jahres verstärkt unter Investoren diskutiert wird. Er fragte auf Twitter, ob es sich bei Bitcoin nicht einfach um ein weiteres Risiko-Asset des Nasdaq 100 handeln würde und verglich dazu in einem Chart die Preisentwicklung der Kryptowährung mit der Kursentwicklung der US-Technologiebörse. Tatsächlich verlaufen die beiden Kurven seit Anfang des Jahres fast deckungsgleich, was den Schluss nahe legt, dass Bitcoin und der Nasdaq stark korrelieren: Wenn Tech-Aktien Verluste machen, macht auch Bitcoin ähnlich hohe Verluste und umgekehrt.

Lesen Sie zu diesem Aspekt:

Das würde Burry Argument stärken, dass Bitcoin am Ende keine gute Absicherung gegen Inflation ist. Denn bisher gingen viele Investoren davon aus, dass Kryptowährungen als Anlageklasse Anlegern ein unkorreliertes Aktienmarktengagement bieten können. Zumindest war das die Vorstellung bis 2022, aber Kryptowährungen sind in letzter Zeit dem Aktienmarkt nach unten gefolgt. Dabei zeigte die Kryptowährung eine starke Korrelation zu den US-Indices Nasdaq und S&P500. Damit würden sie als Beimischung zum Anlageportfolio uninteressanter für viele Investoren werden.

Ein jüngst veröffentliche Studie legt aber nahe, dass es sich dabei um ein zeitlich befristetes Phänomen handeln könnte.

Die Studie bestreitet zwar nicht die Kopplung von Krypto und traditionellen Vermögenswerten, zeigt aber, dass dies nur ein kurzfristiges Ereignis ist. Die Untersuchung stellte fest, dass sich die beiden Anlageklassen langfristig auf unterschiedlichen Pfaden bewegen. Außerdem zeigt der Bericht, dass es mit 0,07 fast keine Korrelation zwischen Bitcoin und Gold gibt. Daraus schließen die Autoren, dass die beiden Vermögenswerte „einzigartige Diversifizierungsressourcen für die Portfolios der Anleger“ darstellen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Die wirtschaftlichen Aspekte von kostenlosen Testversionen und wiederkehrenden Zahlungen

Kostenlose Testversionen sind der erste Schritt im Marketing. Damit können Nutzer einen Dienst ausprobieren, bevor Geld fließt und die...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

avtor1
André Jasch

                                                                            ***

André Jasch ist freier Wirtschafts- und Finanzjournalist und lebt in Berlin.  

DWN
Finanzen
Finanzen Neobroker unter Druck: Trade Republic kämpft gegen EU-Regulierung
09.04.2026

Die EU beendet die ultragünstigen Neobroker-Deals, Trade Republic gerät unter Druck. Anleger müssen sich auf höhere Kosten und neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Firmenpleiten auf höchstem Stand seit mehr als 20 Jahren
09.04.2026

Mehr als 4.500 Firmen meldeten im ersten Quartal Insolvenz an – so viele wie seit 2005 nicht mehr. Besonders stark betroffen sind...

DWN
Politik
Politik 5 Prozent Inflation: Trotz Waffenstillstand droht erheblicher Kaufkraftverlust
09.04.2026

Es ist laut IEA die "schwerste fossile Energiekrise unserer Zeit" – und die Inflation zieht bereits spürbar an. Experten warnen vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg treibt Preise: Europas Konsum kippt
09.04.2026

Der Iran-Krieg trifft Europas Haushalte direkter als viele erwarten: Preise steigen, Spielräume schrumpfen. Verbraucher reagieren –...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Waffenruhe im Nahen Osten: Exporteure schöpfen neue Hoffnung
09.04.2026

Der Start ins Jahr verlief schwach, die Folgen des Iran-Krieges sind noch nicht verarbeitet. Dennoch rechnen Deutschlands Exporteure...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mazda CX-30 im Test: Was der SUV wirklich kann
09.04.2026

Der CX-30 ist der kleinste SUV im Modellangebot von Mazda. Angetrieben wird er von einem Benzinmotor, ein Automatikgetriebe sorgt für...

DWN
Politik
Politik Wohin ist das Sondervermögen verschwunden? Bis zu 95 Prozent sind versickert
09.04.2026

Ein Jahr nach dem 500-Milliarden-Euro-Versprechen für Schiene, Brücken und Klima ziehen Top-Ökonomen eine ernüchternde Bilanz. Das...

DWN
Finanzen
Finanzen Frankreich zieht Goldreserven aus den USA ab: Welche Folgen hat das für Europa?
08.04.2026

Frankreich ordnet seine Goldreserven neu und verlagert zentrale Bestände aus den USA nach Europa. Steht Europa damit vor einer...