Finanzen

Die größten Vermögensverwalter der Welt setzen plötzlich auf Krypto

Die Vermögensverwalter Abrdn, BlackRock und Charles Schwab haben im August massive Geschäfte im Krypto-Sektor gestartet. Sie erwarten einen digitalen Umbruch.
Autor
13.08.2022 11:27
Aktualisiert: 13.08.2022 11:27
Lesezeit: 3 min
Die größten Vermögensverwalter der Welt setzen plötzlich auf Krypto
BlackRock und andere große Vermögensverwalter sind gerade massiv in die Krypto-Branche eingestiegen. (Foto: dpa) Foto: Justin Lane

Die Preise für Kryptowährungen sind in diesem Jahr stark eingebrochen, auch wenn sie seit zwei Monaten wieder langsam steigen. Zudem melden die Bitcoin-Börsen einen starken Rückgang der Handelsvolumina. Doch nun haben plötzlich die Vermögensverwalter Abrdn, BlackRock und Charles Schwab Geschäfte mit digitalen Vermögenswerten abgeschlossen oder entsprechende Produkte auf den Markt gebracht.

Der Fondsmanager Abrdn mit einem verwalteten Vermögen in Höhe von 508 Milliarden Pfund erwarb diese Woche eine Beteiligung an der regulierten britischen Börse für digitale Vermögenswerte Archax. Durch die Beteiligung erhält Abrdn einen Sitz im Vorstand von Archax. Der Deal ist eine Wette darauf, dass die von von Archax bereitgestellte Technologie den künftigen Wertpapierhandel unterstützen wird.

Auch der weltweit größte Vermögensverwalter BlackRock hat diese Woche nicht nur Pläne für einen Bitcoin-Spot-Trust für institutionelle Anleger angekündigt, sondern auch zugestimmt hat, seine Technologieplattform Aladdin mit der Kryptobörse Coinbase zu verbinden. Letzteres dürfte den 82.000 professionellen Investoren, die Aladdin nutzen, den Weg dahin ebnen, ihren Kunden den Zugang zu Bitcoin zu ermöglichen.

Bereits in der vergangenen Woche hatte der US-Broker und Investmentkonzern Charles Schwab einen börsengehandelten Fonds aufgelegt, der Anlegern den Einstieg in Kryptowährungen ermöglichen soll, ohne dass sie die Währungen tatsächlich kaufen müssen. Und der britische Vermögensverwalter Schroders erwarb im Juli eine Beteiligung an dem Digital Asset Manager Forteus.

Während Fidelity bereits seit fast fünf Jahren Verwahrungsdienstleistungen für digitale Vermögenswerte anbietet und im April sogar eine Bitcoin-Option zu seinem Altersvorsorgeangebot hinzufügte, signalisieren die Aktivitäten dieses Sommers eine breitere Akzeptanz von digitalen Vermögenswerten. "Große Vermögensverwalter fangen an, dies als echte Investition zu betrachten", zitiert die Financial Times Chris Brendler, leitender Forschungsanalyst bei DA Davidson.

Larry Fink von BlackRock: Wandel vom Kritiker zum Unterstützer

Der plötzliche Einstieg der großen Vermögensverwalter der Welt in Kryptowährungen folgt auf jahrelange Kritik, Spott und Verachtung gegenüber der Branche. Auch der Gründer und CEO von BlackRock, Larry Fink, gehörte zu den Kritikern. Im Jahr 2017 sagte er: "Bitcoin zeigt nur, wie groß die Nachfrage nach Geldwäsche in der Welt ist", und fügte hinzu: "Das ist alles, was es ist."

Doch die Lage hat sich umgekehrt. Die großen Vermögensverwalter kommen mit neuen digitalen Geschäften, nachdem der gesamte Kryptowährungsmarkt seit dem jüngsten Bitcoin-Rekordhoch im November letzten Jahres massiv abgestürzt ist. Die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen sank von 3,2 Milliarden Dollar im November auf weniger als 1 Milliarde Dollar im Juni und Juli.

Nach Ansicht von Charley Cooper, dem Geschäftsführer der Blockchain-Firma R3 und ehemaligen hochrangigen Mitarbeiter der US-Finanzmarktaufsicht CFTC, stellen die neuen Krypto-Geschäfte der großen Vermögensverwalter ein Vertrauensvotum dar. "Solche Deals werden nicht in letzter Minute abgeschlossen. Diese Dinge werden seit Monaten, wenn nicht sogar Jahren vorbereitet... Es ist nicht so, dass sie sich spontan dazu entschlossen hätten."

Auch die Aufsichtsbehörden haben längst begonnen, die vielen verschiedenen Produkte im Zusammenhang mit Kryptowährungen zu beobachten. Besonders aufmerksam sind sie bei Krypto-Produkten für Privatanleger. BlackRock umgeht diese verstärkte Aufmerksamkeit der Aufsichtsbehörden, indem es einen privaten Fonds angeboten hat, der nur für institutionelle Anleger zugänglich ist.

Spekulationen auf den digitalen Trend

Der Schwab-ETF investiert in börsennotierte Unternehmen, die vom Angebot von Dienstleistungen für Kryptoanleger oder von der zugrunde liegenden Blockchain-Technologie profitieren wollen. "Wir wissen, dass es sich um eine spekulative Anlage handelt, aber wir haben sie als langfristigen Trend identifiziert", sagte David Botset, Leiter des Aktienproduktmanagements bei der Vermögensverwaltung von Charles Schwab.

Die Beteiligung von Abrdn an Archax ist eine ähnliche Wette. Archax wurde 2018 von den ehemaligen Hedgefonds-Führungskräften Graham Rodford, Andrew Flatt und Matthew Pollard gegründet und bietet institutionellen Anlegern eine Plattform für den Handel mit Kryptowährungen und tokenisierten Wertpapieren wie zum Beispiel Bruchteilen von Unternehmensanteilen.

Mit der Zeit hofft Abrdn, "beträchtliche Einnahmen" zu erzielen, indem es seinen Kunden in tokenisierter Form Zugang zu seinen Fonds verschafft. Auch sollen die Kunden auf der digitalen Börse Archax mithilfe von digitalen Tokens in Vermögenswerte investieren können, die weniger leicht handelbar sind, wie zum Beispiel private Schulden, privates Beteiligungskapital und Immobilien.

"Wir sind der Ansicht, dass das nächste disruptive Ereignis der Übergang vom elektronischen Handel zu digitalen Börsen und dem Handel mit digitalen Wertpapieren sein wird", sagte Russell Barlow, Global Head of Alternatives bei Abrdn, der maßgeblich am Abschluss der Transaktion beteiligt war. "Am Anfang dabei zu sein, wird uns in eine wirklich starke Position bringen."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Verbraucher mit Risiko umgehen – zwischen Finanzentscheidungen und digitaler Unterhaltung

Risiko ist ein Begleiter fast jeder wirtschaftlichen Entscheidung. Mal ist es größer, mal kleiner. Mal offensichtlich, mal schwer...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Viega: Wie ein Sauerländer Mittelständler den Weltmarkt für Pressverbindungstechnik dominiert
24.04.2026

Was niemand sieht, hält alles am Laufen. Ein Porträt über den Sauerländer Mittelständler Viega, der mit Pressverbindungstechnik...

DWN
Politik
Politik Bundestag beschließt Tankrabatt: Wie stark sinkt die Steuer?
24.04.2026

Ab 1. Mai sollen Benzin und Diesel günstiger werden - befristet für zwei Monate. Worum es geht und was es mit einer Prämie auf sich hat.

DWN
Panorama
Panorama Berliner Kultur-Beben: Senatorin Wedl-Wilson tritt nach Förder-Affäre zurück
24.04.2026

Nur fünf Monate vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus verliert Berlin seine Kultursenatorin. Sarah Wedl-Wilson zieht damit die Konsequenz aus...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 17: Die wichtigsten Analysen der Woche
24.04.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 17 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Boom-Branche Rüstung: Rheinmetall wird von Bewerbungswelle überrollt
24.04.2026

Vom umstrittenen Waffenbauer zum begehrten Top-Arbeitgeber: Der Düsseldorfer Konzern Rheinmetall erlebt einen beispiellosen Ansturm auf...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tesla-Aktie unter Druck: Warum KI-Investitionen das Kerngeschäft belasten
24.04.2026

Teslas Quartalszahlen fallen solide aus, doch die hohen Investitionen in KI, Robotik und autonomes Fahren verschärfen den Druck auf das...

DWN
Politik
Politik FCAS-Gipfel in Zypern: Merz und Macron verordnen neue Verhandlungsrunde
24.04.2026

Trotz festgefahrener Gespräche halten Deutschland und Frankreich am milliardenschweren Luftkampfsystem der Zukunft fest. Bei einem Treffen...

DWN
Finanzen
Finanzen Strom- und Gaskunden: Verivox-Chef warnt vor deutlich steigenden Gaspreisen
24.04.2026

Wer Auto fährt, wird entlastet - doch auch für die Strom- und Gaskunden kennen die Preise derzeit nur eine Richtung: nach oben.