Unternehmen

Probleme bei Überweisungen: SEPA-Umstellung macht Unternehmen zu schaffen

Lesezeit: 2 min
23.12.2013 02:37
Zahlreiche Überweisungen sind in den vergangenen Wochen nicht möglich gewesen. Die Umstellung auf das EU-weite SEPA-Verfahren bereitet den Unternehmen offenbar große Probleme. Alle Lastschriftverfahren müssen erneuert werden. Die dazu notwendige Gläubiger-ID haben neun von zehn Unternehmen noch nicht beantragt. Die Bundesbank hat für die Vergabe der Gläubiger-ID daher einen Urlaubsstopp bis zum 1. Februar verhängt.

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die SEPA-Umstellung soll Überweisungen ins EU-Ausland einfacher und schneller machen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Bislang seien nur 10 Prozent der Lastschriftverfahren auf das neue Zahlungssystem umgestellt. Das ist viel zu wenig. Bis zum Ablauf der Frist „müssen wir auch die noch fehlenden 90 Prozent kriegen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bundesbank den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Die Zeit drängt. Die Frist für die Umstellung läuft am 1. Februar 2014 aus. Danach drohen Zahlungsausfälle und Liquiditätsengpässe.

In den vergangenen Tagen mehrten sich bei Banken die Probleme bei Überweisungen, wie die Deutschen Wirtschafts Nachrichten erfuhren. Überweisungen konnten nicht ausgeführt werden, eine technische Behebung des Problems war in vielen Fällen nicht möglich. Das hat bereits zu erheblichen Verzögerungen der Zahlungen in zahlreichen Fällen geführt.

„Allein bei einer Fehlerquote von zwei Prozent, müssten 1,2 Millionen Überweisungen und Lastschriften nachbearbeitet werden", sagte Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele der Welt. Dadurch könne es beispielsweise zu Verzögerungen bei Löhnen und Gehältern kommen.

Für den Einzug von Lastschriften mittels SEPA (Single Euro Payments Area) benötigen Unternehmen eine Gläubiger-ID (mehr Details zur Umstellung – hier). „Bis Mitte Dezember wurden rund 1,25 Millionen Gläubiger-IDs vergeben. Insgesamt gibt es in Deutschland laut Statistischem Bundesamt rund 3,6 Millionen Unternehmen und etwa 580.000 Vereine“, schreibt die Bundesbank. Zwar nutzen nicht alle das Lastschriftverfahren, „aber vermutlich doch mehr als die bislang beantragten Gläubiger-IDs nahelegen“, Thiele.

Außerdem müssen sie ihre Kunden und Geschäftspartner anschreiben und den Lastschrifteinzug aktualisieren. Anfang Dezember 2013 waren einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge 84 Prozent der befragten Verbraucher mit dem Begriff SEPA vertraut. Die IBAN (International Bank Account Number) kannten sogar über 90 Prozent der Befragten.

Trotzdem fühlen sich viele Unternehmen nicht dazu verpflichtet, zu handeln. Die meisten glauben, sie müssten nur bei Auslandsüberweisungen etwas tun, sagte ein Sprecher der Bundesbank den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Anlass zur Sorge gibt der Bundesbank vor allem der Vorbereitungsstand von kleinen und mittleren Unternehmen – bei der SEPA-Lastschrift sei der Umsetzungsstand sogar im roten Bereich (siehe Grafik).

Die Banken seien bereits ausreichend auf die Umstellung vorbereitet. Notfalls sollen die Scheckbücher wieder rausgeholt werden. „Viele Kunden sind verwirrt, weil einige Banken ihr Online-Banking in den letzten Tagen aktualisiert haben“, sagte Pressesprecherin Tanja Beller vom Bundesverband der Deutschen Banken den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Die SEPA-Funktion sei schon lange in den Systemen der Banken implementiert, rücke aber jetzt auf die Startseite beim Online-Banking.

Bei Auslandsüberweisungen in Nicht-EU-Länder, wie zum Beispiel in die Türkei, kann es weiterhin zu Verzögerungen und Kosten kommen, die durch die einheitliche Überweisung im Euroraum wegfallen sollen. Dafür müssen in Deutschland insgesamt rund 25 Millionen arbeitstägliche Überweisungen im Wert von 227 Milliarden Euro und gut 35 Millionen Lastschriften im Wert von rund 52 Milliarden Euro umgestellt werden, berichtet die Bundesbank.

Bis zum Ablauf der Frist dürfen die zuständigen Mitarbeiter der Bundesbank keinen Urlaub nehmen. Denn es werde „keine Aufweichung der Umstellungsfrist geben. Das ist sicherlich insbesondere für Deutschland sehr sportlich, aber es ist noch zu schaffen, wenn sich alle Beteiligten anstrengen, und angesichts des anstehenden Big-Bangs nicht in Panik verfallen“, rät Thiele in einer Rede.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

 



DWN
Finanzen
Finanzen Ausweg aus der Krise durch alternative Bezahlplattform

Das Vertrauen in die Banken und die Politik schwindet zusehends. Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage, welche aufgrund der Covid-19...

DWN
Deutschland
Deutschland In Karlsruhe häufen sich die Klagen gegen neues Infektionsschutzgesetz

In einer ganzen Reihe von Klagen am Bundesverfassungsgericht werden verschiedene Maßnahmen aus der sogenannten Bundesnotbremse angegangen....

DWN
Finanzen
Finanzen EZB belässt Leitzins bei null, will deutlich mehr Geld drucken

Die Europäische Zentralbank hält an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. Die Anleihekäufe sollen deutlich beschleunigt werden.

DWN
Finanzen
Finanzen Die EZB macht es allen recht

Der Chefvolkswirt der Targobank, Dr. Otmar Lang, kommentiert die Aussagen von EZB-Chefin Christine Lagarde zum zukünftigen geldpolitischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Auszug oder Umbau: Was tun, wenn Senioren das Haus zu groß wird?

Senioren haben auf dem Immobilienmarkt meistens ein anderes Problem als der suchende Rest: Ihnen steht nach Auszug der Kinder oder Verlust...

DWN
Politik
Politik Unruhe in der Krisenregion: Bundeswehr verstärkt ihre Kontingente in Mali

Vor dem Hintergrund zunehmender Angriffe islamistischer Milizen verstärkt die Bundeswehr ihre Truppen im Wüstenstaat Mali.

DWN
Politik
Politik Baerbock verknüpft Klima-Politik mit dem US-Feldzug gegen China

Die grüne Annalena Baerbock fordert eine „Klimapartnerschaft“ mit den USA. Diese soll auf einem sonderbaren geopolitischen Fundament...

DWN
Finanzen
Finanzen „JPM Coin“: Will JP Morgan vier Milliarden Fußball-Fans digital kontrollieren?

JP Morgan ist der Finanzier der Super League. Zuvor hatte die US-Großbank die Kryptowährung „JPM Coin“ entwickelt. Über die...

DWN
Finanzen
Finanzen 11,1 Billionen Euro: Schuldenberg der Euro-Zone steigt, Griechen und Italiener vorn

Die Schulden der 19 Euro-Länder sind infolge der Corona-Krise stark angeschwollen. Sie legten 2020 wegen der hohen Kosten für die...