Deutschland

Karlsruhe: Schäuble warnt vor unabsehbaren Folgen bei einem Stopp des ESM

In Karlsruhe findet derzeit die Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts über die Eilanträge zum ESM und Fiskalpakt statt. Wolfgang Schäuble warnt die Richter vor „erheblichen wirtschaftlichen Verwerfungen mit nicht absehbaren Folgen“ für die Bundesregierung, wenn der ESM gestoppt werde.
10.07.2012 12:23
Lesezeit: 1 min

Kurz nach zehn Uhr betreten die Richter vor laufender Kamera den Verhandlungssaal des Bundesverfassungsgerichts. Der Vorsitzende Richter Andreas Voßkuhle erläutert die Sitzungsordnung und die eingereichten Klagen. Am heutigen Tag wird nicht über den ESM und den Fiskalpakt an sich entschieden, sondern lediglich über die aufschiebende Wirkung, so der Vorsitzende. Ziel der Anträge ist eine einstweilige Anordnung, die es vorsieht, dem Bundespräsidenten Joachim Gauck zu untersagen, diese Gesetze bis zu einer Entscheidung in der Hauptsache auszuarbeiten oder gar zu unterzeichnen.

Eine eingehende Prüfung der Anträge (hier) sei angesichts der komplexen Sachverhalte nicht möglich, erläutert Andreas Voßkuhle. Nur eine summarische Prüfung sei möglich. Es gehe vor allem um eine Abwägung der Folgen. Der 2. Senat werde bei die „Prüfung mit beiden Beinen auf dem Grundgesetz durchführen“. Auch in ungewöhnlichen Krisensituationen dürfe die Verfassung nicht außer Acht gelassen werden. „Europa fordert den demokratischen Verfassungsstaat ebenso wie der demokratische Verfassungsstaat Europa fordert. Wer dieses Verhältnis zu einer Seite auflöst, verliert die andere!"

Insgesamt erhält jeder Zeuge beziehungsweise Sachverständige fünf Minuten Redezeit. Finanzminister Wolfgang Schäuble warnte in seiner Redezeit vor den unabsehbaren Folgen, falls das Bundesverfassungsgericht den ESM und den Fiskalpakt stoppe oder verzögere. „Ein Stopp des Rettungsschirms kann erheblichen wirtschaftlichen Verwerfungen mit nicht absehbaren Folgen für Deutschland führen. Zweifel an der verfassungsrechtlichen Möglichkeit oder der Bereitschaft der Bundesrepublik Deutschland, Gefahren für die Stabilität der Eurozone abzuwenden, könnten dazu führen, dass die derzeitigen Krisensymptome deutlich verstärkt würden." Es könnte zu einer verstärkten Spekulation über den Austritt einzelner Staaten aus der gemeinsamen Währungsunion kommen und die Refinanzierungskosten würden steigen.

Kurz vor der Mittagspause (bis 15 Uhr) sagte Andreas Voßkuhle noch zur Bundesregierung: „Denken Sie bitte mal darüber nach, ob der ESM nicht irgendwann einer systemrelevante Bank gleicht, in die immer wieder Geld nachgeschoßen werden muss, wenn man Europa retten will."

Eine Live-Übertragung der Verhandlung, wie es viele Berichterstatter und Interessierte sich wünschen würden, ist allerdings nicht erlaubt. Nur die Eröffnung der Verhandlung durfte live gesendet werden. Live-Twittern ist ebenfalls untersagt. Die Verhandlungsgliederung findet sich hier.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie BradyPrinter i7500: Revolution im Hochpräzisionsdruck

Sie haben genug vom altmodischen Druck großer Etikettenmengen? Keine Kalibrierung, keine Formatierung, kein umständliches Hantieren mit...

DWN
Technologie
Technologie Moto-E-Motion optimiert Fahrzeuge: Innovationen sind kein Hexenwerk – nur Physik
04.04.2025

Wie lässt sich die Effizienz von Motoren und Maschinen ohne bauliche Veränderungen verbessern? Wie das Unternehmen Moto-E-Motion durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis auf Rekordniveau: Für wen ist eine Investition in das Edelmetall sinnvoll und wer sollte vorsichtig sein?
04.04.2025

Der Goldpreis hat die Marke von 3.100 US-Dollar pro Unze übertroffen und ein neues Allzeithoch erreicht. Doch ist Gold weiterhin eine...

DWN
Politik
Politik Ultimatum für Putin? Trump verliert laut Nato-Partnern Geduld
04.04.2025

Könnte es nur noch Wochen dauern, bis sich neue Entwicklungen in den Bemühungen um eine Waffenruhe im Ukraine-Konflikt abzeichnen? Dieser...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Globaler Handelskrieg: Trump erfindet Zölle, die es nie gab
04.04.2025

US-Präsident Donald Trump hat Zölle gegen Länder eingeführt, die es in der Form nie gab. Anstatt auf konkrete Handelsbarrieren oder...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: China-Zölle richten Blutbad am Aktienmarkt an - Bank-Aktien rauschen ab
04.04.2025

Die Gegenzölle aus China schicken den DAX aktuell tief in die Verlustzone. Globale Sorgen um das Wirtschaftswachstum setzen vor allem dem...

DWN
Technologie
Technologie WhatsApp-Nachrichten-Limit: Meta führt Begrenzung ein - aber bitte keine Panik
04.04.2025

WhatsApp, der beliebte Messenger-Dienst von Meta, führt derzeit eine neue Funktion ein, die das Versenden von Nachrichten einschränkt....

DWN
Politik
Politik Russland drängt, Ukraine kämpft: Internationale Hilfe und politische Spannungen im Kriegschaos
04.04.2025

Die russischen Angriffe auf Grenzgebiete eskalieren, während die Ukraine auf internationale Hilfe und politische Lösungen setzt. Doch die...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Bank-Aktie bricht ein: US-Zölle belasten - sollten Anleger jetzt die Deutsche Bank-Aktie verkaufen?
04.04.2025

Ein schwarzer Tag für europäische Banken: Die Deutsche Bank-Aktie hat am Freitag zeitweise mehr als 11 Prozent an Wert verloren und...