Wirtschaft

EU schlägt zurück: Diese US-Produkte stehen nun im Visier von Brüssel

Die Europäische Kommission hat eine umfassende Liste von US-Produkten veröffentlicht, auf die im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen mit Washington bald Strafzölle erhoben werden könnten. Es ist eine klare Antwort auf die aggressiven Zollpläne von US-Präsident Donald Trump – und ein weiterer Schritt im eskalierenden transatlantischen Handelsstreit.
09.05.2025 15:13
Lesezeit: 2 min

Reaktion auf Trumps Wirtschaftskrieg

In Brüssel wird nicht länger abgewartet. Die neue Liste – stolze 218 Seiten lang – ist ein strategisches Druckmittel gegen Washington. Präsidentin Ursula von der Leyen visiert damit US-Exporte im Gesamtwert von 95 Milliarden Euro an. Ein Signal an Trump, dass Europa nicht tatenlos zusieht, während in Washington protektionistische Mauern errichtet werden.

Ziel der Maßnahmen: Amerikanische Produkte wie Süßkartoffeln, Nüsse, Wein, Spirituosen, aber auch Flugzeuge, Autoteile und Elektronik. Besonders brisant: Auch Boeing gerät ins Fadenkreuz – ein deutliches Signal in Richtung des US-Luftfahrtgiganten, der ohnehin unter Druck steht.

Verhältnismäßig, aber entschlossen

Aus Brüssel heißt es, man wolle besonnen, aber konsequent handeln. Ein EU-Kommissionsbeamter betont gegenüber der Presse: „Wir eskalieren nicht, aber wir senden ein klares Signal. Unsere Antwort ist ausgewogen – wir schützen unsere Interessen, ohne unnötige wirtschaftliche Schäden in Europa zu riskieren.“

Die nun vorgestellte Liste ist Teil eines Pakets, das nur aktiviert wird, wenn bis zum 8. Juli – der Frist, die Trump selbst gesetzt hat – kein Handelsabkommen zwischen der EU und den USA zustande kommt.

Keine Rücksicht mehr auf die transatlantische Achse

Es ist das zweite Maßnahmenpaket dieser Art. Das erste, bereits genehmigt, reagierte auf die US-Zölle auf europäischen Stahl und Aluminium. Betroffen waren damals unter anderem Harley-Davidson, Jeans und Orangensaft. Die EU lässt nun keinen Zweifel mehr daran, dass sie auf eine harte Linie der USA mit gleicher Münze antworten wird.

Brisant ist auch: „Sensible“ Produkte wie Medikamente oder Halbleiter bleiben außen vor – ein taktischer Schritt, um die Tür für Verhandlungen offen zu halten. Die Botschaft ist klar: Brüssel will keinen Wirtschaftskrieg, aber auch keine Kapitulation.

Hoffnung auf Einigung schwindet

Offiziell zeigt sich die Kommission weiter gesprächsbereit. Ein Sprecher von Ursula von der Leyen betont: „Unser Ziel bleibt eine Einigung, die beiden Seiten nutzt.“ Doch hinter vorgehaltener Hand zweifeln viele in Brüssel daran, dass Trump zu echten Zugeständnissen bereit ist.

Gleichzeitig sorgt ein geplanter Deal Trumps mit Großbritannien für Nervosität in Europa. Sollte Washington gezielt bilaterale Abkommen schließen, droht der EU ein geopolitischer Bedeutungsverlust – und eine wirtschaftliche Isolierung.

Fazit: Europa rüstet sich für den Ernstfall

Die EU steht vor einer wegweisenden Entscheidung. Noch sind die Strafzölle ein politisches Drohpotenzial. Doch sollte Washington seinen Kurs nicht ändern, wird Brüssel ernst machen. Die Zeit der Beschwichtigung scheint vorbei.

Wird es doch noch zu einer Einigung kommen – oder steuert die Weltwirtschaft auf einen neuen, gefährlichen Handelskonflikt zu?

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Panorama
Panorama Gewalt von Linken und Rechten nimmt zu
10.06.2026

Die Erhebung politisch motivierter Straftaten gilt als eine Art Fiebermessung für die deutsche Gesellschaft. Ein Blick auf die Statistik...

DWN
Finanzen
Finanzen ChatGPT geht an die Börse
09.06.2026

Der ChatGPT-Entwickler OpenAI steuert auf die Börse zu. Zugleich macht das Unternehmen aber deutlich, dass es sich für diesen Schritt...

DWN
Politik
Politik Analyse: Nein, es gibt keine Aussicht auf Frieden in der Ukraine
09.06.2026

Weder militärisch noch diplomatisch gibt es eine Aussicht auf einen Waffenstillstand, geschweige denn auf Frieden im Krieg zwischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Außenhandel gewinnt trotz Iran-Unsicherheit an Fahrt
09.06.2026

Chinas Exporte legen erneut kräftig zu. Der Außenhandel bleibt eine zentrale Stütze der Wirtschaft – und verschärft zugleich...

DWN
Politik
Politik EU plant Einreiseverbot für russische Ukraine-Kämpfer
09.06.2026

Ursula von der Leyen will mit neuen Sanktionen den Druck auf Russland weiter erhöhen. Diesmal rücken auch Soldaten in den Fokus – und...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX & Co: Warum sie trotz Kurswachstum nicht jetzt einsteigen sollten
09.06.2026

Das Ende einer neunwöchigen Aufwärtsbewegung der Indizes und die schlechteste Woche für Bitcoin seit 2022.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chefs, Stress und Traurigkeit: Wie unglücklich wir bei der Arbeit sind – und welche Lösungen es gibt
09.06.2026

Viele Beschäftigte sind der Meinung, jederzeit einen neuen Job finden zu können. Trotzdem wechseln nur wenige ihren Arbeitgeber, obwohl...

DWN
Politik
Politik Irland gerät wegen Russland-Exporten unter Druck
09.06.2026

Ein irisches Werk liefert offenbar Aluminiumoxid an einen russischen Konzern, dessen Produkte laut Recherchen in der Rüstungsindustrie...