Politik

Europas Luxus-Marken zielen auf Chinas Elite

Lesezeit: 2 min
17.01.2014 10:21
Chinas Reiche shoppen verstärkt im Ausland. In ihrer Heimat müssen sie 40 Prozent Luxus-Steuer zahlen. Europäische Premium-Hersteller stellen sich auf die neuen Kunden ein und bevorzugen chinesisch sprechende Verkäufer.

Mehr zum Thema:  
China > Europa > USA >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
China  
Europa  
USA  

Die Zahl der Superreichen in China wächst und sie lieben Luxus. Dennoch herrscht in den edlen Einkaufszentren des Landes oftmals gähnende Leere. Der Grund: Der Kampf der Regierung gegen Korruption zeigt Wirkung. Bereits das dritte Jahr in Folge saß das Geld bei den wohlhabenden Chinesen 2013 nicht mehr so locker. Sie gaben 15 Prozent weniger aus, wie aus einer in dieser Woche veröffentlichten Studie der Branchenexperten von Hurun hervorgeht. Vor allem bei Geschenken hielten sie sich zurück, hier verzeichnete Hurun ein Minus von 25 Prozent.

Dieser Trend dürfte sich 2014 fortsetzen. „Der Verkauf von traditionellen Luxuswaren wie Leder, Accessoires und Uhren wird allenfalls stagnieren, wenn nicht sogar zurückgehen“, sagt Hurun-Chef Rupert Hoogewerf der Nachrichtenagentur Reuters. „Tee, Gesundheitspflege und Bildung boomen dagegen weiter.“

Um die Bestechung im Land einzudämmen, hat die Regierung die Benimmregeln deutlich verschärft. Vor allem Geschenke als Gegenleistung für Verträge oder sonstige Gefälligkeiten stehen auf dem Index. Offiziellen Angaben zufolge wurden 2013 etwa 40 Prozent weniger Geschenkkörbe mit Lebensmitteln gekauft, deren Preis sich oftmals auf mehrere Hundert Euro beläuft. Einige westliche Spirituosenhersteller wie Remy Cointreau warnen wegen des schlechten Geschäfts in der Volksrepublik bereits vor einem Gewinneinbruch. „Wir erwarten nichts mehr vom chinesischen Neujahrsgeschäft“, sagte Remy-Chef Frederic Pflanz bereits Ende November. Normalerweise macht Remy rund um den wichtigsten chinesischen Feiertag zu Anfang des Jahres glänzende Geschäfte.

Wenn Chinesen teure Uhren und Kleidung oder exklusives Essen kaufen, tun sie das inzwischen für sich selbst und nicht mehr um es zu verschenken, sagt Hoogewerf. Zunehmend verlagern die Chinesen auch ihre Luxuskäufe – mehr als zwei Drittel davon wurden im vergangenen Jahr im Ausland getätigt. Auch deshalb entdecken Marken wie Dior, Louis Vuitton oder Gucci die USA neu. Erstmals seit Jahrzehnten erzielten sie dort höhere Wachstumsraten als in China, das lange als Eldorado der Branche galt. Inzwischen sind die Vereinigten Staaten an China vorbeigezogen und einer Studie der Beratungsfirma Bain vom Dezember zufolge der am stärksten wachsende Luxusmarkt der Welt.

„Die Schaufenster sind in Shanghai oder Wuhan, aber die Kassen klingeln in Los Angeles, New York und London“, sagt Sage Brennan, der Marken in den USA und Europa dabei berät, chinesische Käufer anzulocken. Viele Chinesen suchen sich vor Ort die gewünschten Kleider, Schuhe oder Parfüms aus und lassen sie sich dann von Freunden, Familie oder Spezialagenturen mitbringen. Oder sie warten, bis sie selbst auf Reisen gehen. Damit umgehen sie Steuern auf Luxusgüter von bis zu 40 Prozent. Die Läden in London oder New York stellen sich auf diese Kundschaft ein: Der berühmte Juwelier Tiffany & Co auf der 5th Avenue beispielsweise beschäftigt extra Verkäufer, die Mandarin sprechen. Die Geschäfte im Stammhaus liefen dank der Touristen aus China und Europa zuletzt glänzend.

Auch das hierzulande unbeachtete chinesische Neujahr wird  zu einem neuen Werbefaktor. Das berühmte Kaufhaus Harrods in London plant für das in diesem Jahr auf den 31. Januar fallende Fest extra abgestimmte Schaufensterdekorationen, Spezialprodukte und Speisekarten.


Mehr zum Thema:  
China > Europa > USA >

DWN
Politik
Politik Attentat auf Trump: Was wir wissen und was noch unklar ist!
14.07.2024

Das Attentat auf den Ex-Präsidenten Trump hat die USA tief erschüttert. Die Ereignisse überschlagen sich, und viele Fragen bleiben...

DWN
Finanzen
Finanzen Zinswende: Wo gibt es noch Zinsen von über 4 Prozent?
14.07.2024

Die Geschäftsbanken senken bereits seit Monaten die Tages- und Festgeldzinsen. Wo erhalten Sparer noch die höchsten Renditen für relativ...

DWN
Politik
Politik Trump-Attentat: Schüsse bei Wahlkampfauftritt und die Sorge vor einer Gewaltspirale
14.07.2024

Wahlkampfauftritt von Donald Trump in Pennsylvania. Plötzlich fallen Schüsse, am Ohr des Ex-Präsidenten ist Blut, ein Attentat! Die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Big Tech in der Cloud
14.07.2024

Die digitale Transformation hat in den letzten Jahren einen enormen Schub erfahren, und die Cloud-Technologie spielt dabei eine zentrale...

DWN
Panorama
Panorama Schutz vor Vogelgrippe: Wie gut ist Deutschland auf die nächste Pandemie vorbereitet?
14.07.2024

Virologen sehen das Vogelgrippevirus H5N1 als potenziellen Pandemie-Kandidaten. Was das für Deutschland bedeutet und warum Experten...

DWN
Politik
Politik Der letzte Diktator Europas? Lukaschenko feiert 30 Jahre im Amt und 70. Geburtstag
14.07.2024

Seit drei Jahrzehnten lenkt Alexander Lukaschenko, der als letzter Diktator Europas gilt, die Geschicke von Belarus. In diesem...

DWN
Technologie
Technologie Der schwierige Verzicht auf chinesische Technologie im 5G-Netz - eine Kurzanalyse
14.07.2024

Die Bundesregierung und die deutschen Mobilfunknetzbetreiber haben sich nach langen Diskussionen auf einen umfassenden Ausschluss...

DWN
Panorama
Panorama Forscher raten zu Lehren aus schweren Radunfällen auf Landstraßen
14.07.2024

Im Verkehr sind immer mehr Radfahrer unterwegs - und es gibt mehr Unfälle. Auch auf dem Land. Was tun?