Deutschland

Börsianer bewerten Konjunkturaussichten so negativ wie zuletzt 2008

Das ZEW-Barometer ist unerwartet stark gefallen. Börsenprofis blicken so pessimistisch auf die deutsche Wirtschaft wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr.
13.09.2022 12:18
Aktualisiert: 13.09.2022 12:18
Lesezeit: 1 min
Börsianer bewerten Konjunkturaussichten so negativ wie zuletzt 2008
Die deutschen Börsianer bewerten die Konjunkturaussichten erneut negativer. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Börsenprofis blicken angesichts der Gasknappheit so pessimistisch auf die deutsche Wirtschaft wie seit der globelen Finanzkrise 2008 nicht mehr. Das Barometer für deren Einschätzung zur Konjunktur in den nächsten sechs Monaten fiel im September um 6,6 Zähler auf minus 61,9 Punkte und damit bereits das dritte Mal in Folge. Das teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 167 Analysten und Anlegern mit.

Der negative Wert bedeutet, dass die Mehrheit der Experten eine Konjunktureintrübung erwartet. Von Reuters befragte Ökonomen hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, allerdings nur auf minus 60,0 Zähler. Die Börsianer bewerteten auch die aktuelle Lage deutlich schlechter: Dieses Barometer fiel um 12,9 auf minus 60,5 Punkte.

"Schlechter geht es eigentlich nicht mehr", sagte LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch zu den Umfrageergebnissen. ZEW-Präsident Achim Wambach nannte die Gründe für den starken Abwärtstrend. "Die Aussicht auf Energieengpässe im Winter lassen die Erwartungen für große Teile der deutschen Industrie noch negativer werden", kommentierte Wambach angesichts des russischen Gaslieferstopps. "Hinzu kommt eine ungünstigere Einschätzung des Wachstums in China. Bereits die aktuellen statistischen Zahlen zeigen einen Rückgang von Auftragseingängen, Produktion und Exporten."

Die Bundesregierung stimmt angesichts dieser Rahmenbedingungen auf eine Rezession ein. "Die deutsche Wirtschaftsleistung könnte in der zweiten Jahreshälfte stagnieren oder rückläufig sein", heißt es im Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums. Habe sich die deutsche Wirtschaft in den ersten sechs Monaten noch als widerstandsfähig erwiesen, so habe sich die konjunkturelle Stimmung zuletzt deutlich eingetrübt.

"Eine Rezession in den kommenden Monaten ist kaum mehr abzuwenden", sagte der Chefvolkswirt der DZ Bank, Michael Holstein. "Die hohen Energiepreise belasten aber Unternehmen und private Haushalte massiv, was sowohl zu Produktionseinschränkungen als auch zu Konsumzurückhaltung führen dürfte."

Führende Institute haben jüngst ihre Konjunkturprognosen eingedampft. Besonders pessimistisch ist das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), dass für 2023 einen Rückgang des deutschen Bruttoinlandsproduktes von 1,4 Prozent erwartet. Für das laufende Jahr geht das IWH noch von einem Wachstum von 1,1 Prozent aus.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen EU greift ein: Coca-Cola, Nestlé und Co. müssen grüne Werbeversprechen ändern
27.10.2026

Eine Plastikflasche, ein grünes Symbol und ein großes Recyclingversprechen: Am Verkaufsregal zählt der schnelle Eindruck. Genau dort...

DWN
Finanzen
Finanzen Die 54-jährige Lise-Lotte hat mehr als 1,3 Millionen Euro für die Rente gespart – so hat sie es geschafft
27.10.2026

Mit umgerechnet rund 27 Euro im Monat begann Lise-Lotte Helms-Olesen ihre Altersvorsorge. Lange verdiente sie weniger als viele...

DWN
Finanzen
Finanzen Marktbericht: Anthropic-Börsenantrag beflügelt KI-Werte vor anstehenden Tech-Zahlen
26.10.2026

Erfahren Sie, wie eine überraschende Ankündigung die Märkte wieder belebt und welche wegweisenden Ereignisse Anlegern jetzt bevorstehen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Start-ups sammeln 4,5 Milliarden Euro ein – doch das Geld konzentriert sich auf wenige
26.10.2026

Deutsche Start-ups haben im dritten Quartal 2026 so viel Wagniskapital erhalten wie seit Ende 2021 nicht mehr. Doch sechs...

DWN
Politik
Politik Russland soll US-Gasprojekt heimlich geführt und finanziert haben
26.10.2026

Der ehemalige Geschäftsführer eines riesigen amerikanischen Gasexportprojekts im Wert von 25 Milliarden Dollar hat dem russischen...

DWN
Politik
Politik Streit um Starlink: Elon Musk erhebt Vorwürfe gegen die Ukraine
26.10.2026

Elon Musk wirft der Ukraine vor, Starlink für unerlaubte Drohnenangriffe eingesetzt zu haben. Ein entsprechendes Schlupfloch sei...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lkw-Maut bereits fast ein Fünftel höher: Wo es teurer wird und was 2027 kommt
26.10.2026

Lkw-Maut wird in Europa immer teurer und komplizierter. Neben gefahrenen Kilometern entscheiden zunehmend CO₂-Ausstoß, Fahrzeugklasse...

DWN
Finanzen
Finanzen 10 Europa-Aktien, denen Analysten besonders großes Wachstum zutrauen
26.10.2026

Ich habe mir erneut die Empfehlungen der Analysten angesehen, um Aktien mit dem größten Aufwärtspotenzial zu finden. Diesmal habe ich...