Politik

Nach Angriff Aserbaidschans: Waffenstillstand mit Armenien vereinbart

Zwei Tage lang griff Aserbaidschan den Nachbarn Armenien an. Nun ist eine Waffenruhe in Kraft getreten.
15.09.2022 17:00
Aktualisiert: 15.09.2022 17:30
Lesezeit: 1 min
Nach Angriff Aserbaidschans: Waffenstillstand mit Armenien vereinbart
Dieses Videostandbild aus einem YouTube-Video, das vom armenischen Verteidigungsministerium veröffentlicht wurde, zeigt aserbaidschanische Soldaten, die die armenisch-aserbaidschanische Grenze überqueren und sich den armenischen Stellungen nähern. (Foto: dpa) Foto: -

Nach zwei Tagen schwerer Kämpfe zwischen Aserbaidschan und Armenien im Südkaukasus ist armenischen Angaben zufolge eine Waffenruhe vereinbart worden. Die Lage sei seitdem verhältnismäßig ruhig, hieß es am Donnerstag aus dem Verteidigungsministerium in der armenischen Hauptstadt Eriwan. Die Feuerpause gilt seit Mittwochabend 20.00 Uhr Ortszeit (18.00 Uhr MESZ), wie der Sekretär des armenischen Sicherheitsrates, Armen Grigorjan, im Fernsehen sagte.

„Die EU begrüßt die Einigung über einen Waffenstillstand“, schrieb ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell auf Twitter. Brüssel fordere Baku und Eriwan auf, die Feuerpause einzuhalten.

Aserbaidschan greift an

Die autoritär geführte öl- und gasreiche Republik Aserbaidschan hatte Armenien in der Nacht zum Dienstag angegriffen und das mit einem angeblich vorausgegangenen armenischen Sabotageversuch begründet. Viele internationale Beobachter hingegen gehen davon aus, dass Baku die Situation ausnutzte, dass Armeniens Schutzmacht Russland derzeit mit dem Krieg gegen die Ukraine beschäftigt ist.

Armenien fühlt sich durch den von der Türkei unterstützten Nachbarn Aserbaidschan in seiner Existenz bedroht. Auf armenischer Seite starben offiziellen Angaben zufolge 105 Soldaten, auf aserbaidschanischer 71.

Die beiden Ex-Sowjetrepubliken bekriegen einander seit Jahrzehnten wegen des Gebiets Berg-Karabach. Dieses Mal wurde Angaben aus Eriwan zufolge allerdings nicht die Konfliktregion angegriffen, sondern einmal mehr Regionen im Kernland Armenien. Russland hatte nach einem Krieg im Herbst 2020 vom Kreml so bezeichnete Friedenssoldaten in die Region entsandt. Ihre Zahl von 2000 soll zuletzt wegen des Krieges in der Ukraine reduziert worden sein.

Armenien rief Russland sowie das von Moskau dominierte Militärbündnis Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) um Hilfe an. Das Bündnis, zu dem auch andere ehemals sowjetische Staaten wie Belarus und Kasachstan gehören, lehnte eine Entsendung von Soldaten jedoch zunächst ab. Der Konflikt solle auf diplomatischem Weg gelöst werden, hieß es am Donnerstag.

Die russische Seite tue alles, um die Spannungen zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken abzubauen, sagte die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau, Maria Sacharowa. Die Arbeit an einem Friedensvertrag zwischen den verfeindeten Staaten werde fortgesetzt.

Für Freitag ist am Rande des Gipfels der Organisation für Zusammenarbeit (SCO) im usbekischen Samarkand ein Treffen von Kremlchef Wladimir Putin mit dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev geplant. Der mit harter Hand regierende und wegen schwerer Menschenrechtsverstöße kritisierte Aliyev ist wichtiger Gaslieferant Europas.

Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan wiederum war angesichts der angespannten Lage in seinem Land - anders als ursprünglich geplant - nicht zu dem Treffen nach Usbekistan gereist. In Eriwan forderten Tausende bei Protesten Paschinjans Rücktritt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Darf der Arbeitgeber einen Nebenjob verbieten? Das müssen Arbeitnehmer wissen
15.10.2026

Ein Nebenjob kann eine gute Möglichkeit sein, das Einkommen aufzubessern. Doch darf der Arbeitgeber des Hauptjobs einen Nebenjob...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ökostromanbieter grüüün gibt auf: Was der Lieferstopp für rund 200.000 Kunden bedeutet
15.10.2026

Der Stromversorger grüüün beendet zum 31. Oktober 2026 die bundesweite Belieferung von Privatkunden. Das junge Unternehmen macht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dacia Sandero Stepway: Europas Bestseller hat ein Sicherheitsproblem
15.10.2026

Europas meistverkauftes Auto kommt nicht von Volkswagen, Toyota oder Peugeot, sondern von Dacia. Der Sandero Stepway punktet mit enormer...

DWN
Technologie
Technologie BMW 7er im Test: Hightech ohne Herz? Der Verbrenner schlägt zurück
15.10.2026

Der neue BMW 7er ist ein rollender Hightech-Palast: gigantische Bildschirme, künstliche Intelligenz und ein Elektroantrieb mit brachialer...

DWN
Finanzen
Finanzen TSMC-Aktie: Chipgigant kassiert Milliarden mit KI
15.10.2026

Die TSMC-Aktie profitiert von einem Chipgiganten auf Rekordkurs: Binnen drei Monaten verdient der taiwanische Auftragsfertiger rund 21...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzinsen: Die Zinswende kommt anders als erwartet
15.10.2026

Erst schien die nächste Zinserhöhung der EZB fast sicher, jetzt rudern die Finanzmärkte zurück. Trotz hartnäckiger Inflation und...

DWN
Politik
Politik So sehen Rohstoffanalysten den Ölpreis weit bis ins Jahr 2027 hinein
15.10.2026

Drei Rohstoffanalysten erklären, wie viel ein Barrel Öl 2027 kosten könnte. Zwei schwer kalkulierbare Faktoren, die Energiewende und die...

DWN
Politik
Politik Tabaksteuer: Zigaretten dürften bald sehr viel teurer werden
15.10.2026

Millionen Menschen rauchen in Deutschland, das beschert dem Fiskus Jahr für Jahr Milliardeneinnahmen. Künftig möchte der Bund noch mehr...