Politik

USA heben Waffenembargo gegen Zypern auf, Türkei erbost

Nach 25 Jahren haben die USA das Waffenembargo gegen Zypern aufgehoben. Dies ist ein Warnschuss an die Türkei, die nun bereits vor einem Wettrüsten warnt.
17.09.2022 16:43
Aktualisiert: 17.09.2022 16:43
Lesezeit: 1 min
USA heben Waffenembargo gegen Zypern auf, Türkei erbost
Die Aufhebung des Waffenembargos gegen Zypern ist ein Affront gegen die Türkei. (Foto: dpa) Foto: Bernd von Jutrczenka

Washington/Nikosia (dpa) - Die Republik Zypern kann künftig erstmals seit 1987 wieder unbeschränkt Waffen aus den USA beziehen. Über die Aufhebung des Embargos informierte das US-Außenministerium am Freitagabend (Ortszeit).

Während der Präsident der Republik Zypern, Nikos Anastasiades, die Entscheidung auf Twitter als «Meilenstein» begrüßte, kam aus dem türkisch besetzten Norden der Insel scharfe Kritik. Der Schritt könne zu einer Eskalation in der Region führen, hieß es von der Regierung der «Türkischen Republik Nordzypern», die weltweit nur von der Türkei anerkannt wird.

Das US-Embargo war 1987 eingeführt worden, um die Streitparteien auf der geteilten Insel und die involvierten Garantiemächte Griechenland und Türkei zu einer diplomatischen Lösung zu bewegen.

Zypern ist nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärinvasion im Jahr 1974 in einen größeren griechisch-zyprischen Teil im Süden und einen türkisch-zyprischen Teil im Norden geteilt. Aufgrund der Teilung kontrolliert die international anerkannte Republik Zypern, die seit 2004 auch Mitglied der EU ist, nur den Südteil der Insel.

In Washington hieß es, Außenminister Antony Blinken habe dem Kongress mitgeteilt, dass Zypern die Bedingungen für die Aufhebung des Embargos erfülle. Die Lage solle künftig jährlich überprüft werden.

Der griechische Außenminister Nikos Dendias schrieb auf Twitter ebenfalls von einem «politischen Meilenstein». Das türkische Außenministerium reagierte jedoch entrüstet. Man verurteile den Schritt nachdrücklich. Die Entscheidung könne zu einem Wettrüsten auf der Insel führen, das dem Frieden und der Stabilität im östlichen Mittelmeerraum schade, hieß es weiter.

Die Verhandlungssituation zur Lösung der Teilung Zyperns ist verfahren. Zuletzt bestanden Nordzypern und Ankara auf einer Zwei-Staaten-Lösung, die von Nikosia und auch von den Vereinten Nationen abgelehnt wird. Stattdessen fordern die Vereinten Nationen weiterhin eine föderale Lösung mit zwei Bundesstaaten. (dpa)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VW ID. Buzz im Test: Übernachten im Elektroauto wird zum Geduldsspiel
19.10.2026

Im Elektroauto schlafen, morgens Kaffee kochen und dabei unabhängig vom Campingplatz bleiben. Der neue Campingmodus des VW ID. Buzz soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Was wäre, wenn ich statt des S&P 500 einfach seine Mutter kaufen würde?
19.10.2026

Ohne das Unternehmen S&P Global könnten die Finanzmärkte nur schwer funktionieren. Der Aktienkurs ist in diesem Jahr jedoch auf ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin und Co.: Sparkassen starten schrittweise Kryptohandel
19.10.2026

Der Wettbewerb im Kryptohandel nimmt zu: Nun wollen auch die Sparkassen mit einem eigenen Angebot Privatkunden ansprechen. Sie rollen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Anthropic: Milliardenverluste, Millionengehälter und ein gigantischer Börsenplan
19.10.2026

18 Millionen Dollar Vergütung für den Chef, fast 42 Milliarden Dollar Verlust für das Unternehmen: Beim KI-Entwickler Anthropic liegen...

DWN
Politik
Politik Heil statt Klingbeil? Ex-Arbeitsminister schließt Kandidatur für SPD-Vorsitz nicht aus
19.10.2026

Bekommt Lars Klingbeil jetzt Konkurrenz? Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil bekommt nach eigenen Worten aus der SPD viele Ermutigungen, für...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Generationenkaufgelegenheit? Weniger Technologie, mehr Gesundheit
19.10.2026

Der S&P 500 verzeichnet zwar ein Plus von zwölf Prozent, doch unter der Oberfläche zeichnet sich ein weitaus schwächeres Bild ab. Der...

DWN
Politik
Politik Steuerzinsen 2027: Nachzahlungen sollen doppelt verzinst werden
19.10.2026

100.000 Euro Steuernachzahlung, zwei volle Zinsjahre: Heute können daraus 3.600 Euro Zinsen werden. Unter dem geplanten neuen Satz wären...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zeekr greift BMW und Mercedes an: Ex-BMW-Manager rechnet mit Europas Autobauern ab
19.10.2026

In chinesischen Autofabriken verschwinden die Menschen, Roboter übernehmen ihre Arbeit. Während BMW, Mercedes und Audi unter Kostendruck...