Unternehmen

Deutsche Handelsflotte: Schiffe sitzen immer noch in der Ukraine fest

Mit Kriegsbeginn in der Ukraine sind Schiffe der deutschen Handelsflotte nicht mehr aus der Ukraine rausgekommen. Jetzt, sieben Monate später, sitzen immer noch welche in ukrainischen Häfen fest.
Autor
27.09.2022 15:11
Aktualisiert: 27.09.2022 15:11
Lesezeit: 2 min

Immer noch nicht dem Krieg entkommen: Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar dieses Jahres wurde das Asowsche- und das Schwarze Meer zum Kriegsgebiet erklärt. Die Folge: In den Häfen der Kriegsregion zwischen der Ukraine und Russland saßen etwa hundert Schiffe fest, darunter auch mehrere Frachter der deutschen Handelsflotte.

Und: Nach sieben Kriegsmonaten ist es den deutschen Reedern immer noch nicht gelungen, alle in der Ukraine festsitzenden Schiffe aus den Häfen herauszubekommen. Das teilte der in Hamburg ansässige Verband Deutscher Reeder (VDR) auf Anfrage den DWN mit. Diejenigen, die es geschafft haben, in ihre Heimathäfen zurückzukehren, sind wieder auf anderen Seewegen im Einsatz.

Enorme Vermögenswerte liegen brach

Allerdings: Mit den noch festsitzenden Schiffen in den ukrainischen Seehäfen, liegen immer noch enorme Vermögenswerte brach, auch wenn sie, so der VDR, schwer zu beziffern seien, weil der Schaden von mehreren Faktoren abhänge. Unter anderem auch davon, ob es beladene Schiffe sind, die die Häfen nicht verlassen können.

Eines aber ist sicher: Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Verluste hohe Millionenbeträge ausmachen. Genaue Zahlen liegen dem Verband nicht vor.

Mit Kriegsbeginn gelang es der deutschen Handelsflotte zumindest ihre Crews von Bord zu holen und nur mehr eine Rumpf-Crew von ukrainischen Seeleuten an Bord zu behalten. Immer mit der Voraussicht, dass sie zumindest in der Lage seien, sofern sich eine Möglichkeit ergebe, die Schiffe aus den Häfen zu bringen.

Damals begannen Russen wie Ukrainer die Seewege zu verminen, und obendrein hat Russland Handelsschiffe beschossen und klar kommuniziert, keinen zivilen Verkehr mehr zu dulden.

Hapag Lloyd, die größte deutsche Reederei hatte vorsorglich bereits vor dem 24. Februar den Schiffsverkehr in das Krisengebiet eingestellt und auch „keine Buchungen mehr zugelassen“, so Pressesprecherin Hanja Maria Richter gegenüber den DWN.

Zu jener Zeit beschäftigte die deutsche Handelsflotte insgesamt 3.000 russische und 2.000 ukrainische Seeleute. Diese Zahl ist mittlerweile zurückgegangen. Zudem vermutet der VDR, dass sich die Teilmobilmachung in Russland auch auf die Anzahl verfügbarer russischer Seeleute auswirken wird.

Erste Schiffe haben Anfang August den Hafen von Odessa verlassen

Nach monatelanger kriegsbedingter Blockade haben Anfang August die ersten Schiffe mit ukrainischem Getreide den Hafen von Odessa verlassen, nachdem bei Gesprächen zwischen Vertretern der Vereinten Nationen, der Ukraine, Russlands und der Türkei in Istanbul eine Einigung erzielt wurde.

Im Vorfeld dieser Gespräche war auch der VDR im regen Austausch mit den Vereinten Nationen, um eine Möglichkeit zu finden, im Rahmen des Welternährungsprogramms Weizen nach Afrika exportieren zu können. Dabei haben einzelne deutsche Reedereien Interesse bekundet, Getreide aus der Ukraine auszuführen, allerdings wisse man beim VDR nicht, „inwieweit vertragliche Verhältnisse mit ihnen zum Transport auf diesem Korridor abgeschlossen wurden.“

In der Hansestadt Hamburg selbst haben neben Hapag Lloyd mehr als 100 Reedereien ihren Sitz. Damit ist die Hansestadt der größte Reedereistandort in Deutschland, von dem aus rund die Hälfte der deutschen Handelsflotte gesteuert wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...

 

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis im Aufwärtsmodus: Während KI träumt, verdienen Ölkonzerne Milliarden
26.09.2026

Der Ölpreis steigt rasant und stellt die Weltwirtschaft vor unbequeme Fragen. Teure Energie kann Inflation anheizen, Wachstum bremsen und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmenskultur: Was Firmen von Netflix wirklich lernen können
26.09.2026

Netflix gilt vielen Unternehmen als Vorbild für Freiheit, Verantwortung und weniger Bürokratie. Doch wer erfolgreiche Managementmodelle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota Corolla Cross im Test: Der Hybrid, der an einen Diesel erinnert
26.09.2026

Der Toyota Corolla Cross verbindet Hybridtechnik mit viel Komfort und erstaunlich niedrigem Verbrauch. In der getesteten GR-Sport-Version...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo überrascht mit neuem Chef aus Deutschland: Eine große Chance für Volvo
26.09.2026

Der Verwaltungsrat von Volvo Cars überrascht erneut mit der Wahl eines Vorstandschefs, diesmal aber mit einem unerwartet starken Namen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kampf ums Wasser: Die wasserhungrigen Industrien
26.09.2026

Sechs Zentimeter am Rheinpegel Kaub, Lieferprobleme bei BASF, schwächelnde Wasserkraftwerke: Der Dürresommer 2026 macht endgültig klar,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Irans Feigenblatt sorgt für grüne Zahlen an der Wall Street
25.09.2026

Ein unerwarteter Wendepunkt im Nahen Osten sorgt für Bewegung an den Märkten – erfahren Sie, welche Aktien jetzt besonders profitieren.

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO rückt näher, OpenAI bremst: Was passiert mit den Rekord-Börsengängen?
25.09.2026

Was ist über Zeitplan, Bewertungen und Forderungen nach einer langsameren KI-Entwicklung vor den angekündigten Börsengängen bekannt?

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Henkel feiert 150 Jahre: Das sind die größten Herausforderungen
25.09.2026

Mit seinen bekannten Markenprodukten prägt Henkel seit Jahrzehnten den Alltag vieler Kunden. Ein Blick auf wichtige Meilensteine, Krisen...