Deutschland

Krankenhausgesellschaft fordert wieder Maskenpflicht in Innenräumen

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft schlägt Alarm. Zwar gebe es weniger schwere Verläufe als früher, aber eine Maskenpflicht in Innenräumen müsse wieder sein.
15.10.2022 10:08
Aktualisiert: 15.10.2022 10:08
Lesezeit: 2 min

Angesichts der wieder zunehmend angespannten Corona-Lage in den Krankenhäusern fordert die Deutsche Krankenhausgesellschaft von betroffenen Bundesländern eine schnelle Rückkehr zur Maskenpflicht in Innenräumen. „Dort, wo die Infektionszahlen besonders hoch sind, sind die Landesregierungen jetzt gefordert, aus dem Maßnahmenpaket des neuen Infektionsschutzgesetzes die geeigneten Schritte zu ergreifen“, sagte der Vorsitzende Gerald Gaß der Passauer Neuen Presse. „Wenn nicht jetzt, wann dann ist die Zeit, zum Beispiel eine Maskenpflicht in Innenräumen zu verhängen, um die Infektionsgeschwindigkeit zu dämpfen?“

Die Lage in den Kliniken sei sehr angespannt. „Mittlerweile kann man sagen, dass an den meisten Krankenhäusern der Normalbetrieb nicht mehr möglich ist“, berichtete Gaß. Planbare Operationen und Behandlungen würden wieder verschoben, Betten mangels Personals gesperrt, und Krankenhäuser müssten sich zeitweise von der Notfallversorgung abmelden. „Das sind Dinge, die mittlerweile wohl schon in der Hälfte der Kliniken passieren. Und die Lage wird sich in den kommenden Wochen wohl noch weiter verschlechtern.“

Kassenärzte-Chef Andreas Gassen bekräftigte hingegen seine seit langem vorgetragene Skepsis gegen eine Maskenpflicht. Angesichts einer hohen Immunisierungsquote sei die Lage komplett anders als in den vergangenen beiden Jahren. „Deshalb würde ich viel mehr auf die Eigenverantwortung der Menschen setzen“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Auch anlasslose Tests hält er für unnötig.

Eine bundesweite Maskenpflicht gibt es nur noch in Fernzügen und -bussen, Kliniken, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen. Darüber hinaus können die Länder sie bei Bedarf in Innenräumen einführen. Berlin und Brandenburg denken bereits darüber nach.

Ärzte-Präsident Klaus Reinhardt forderte mehr Aufklärung im Kampf gegen Long Covid. „Zahlreiche Coronainfizierte entwickeln nach durchgestandener Infektion ein solches Krankheitsbild, wenn auch mit unterschiedlich starken Verläufen“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer der Düsseldorfer Rheinischen Post. „Wünschenswert wäre es, wenn die aktuelle Impfkampagne der Bundesregierung von einer Informationskampagne zum Post-Covid-Syndrom und dessen Behandlungsmöglichkeiten flankiert werden würde.“

Die Infektionszahlen waren zuletzt kräftig gestiegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner gab das Robert Koch-Institut am Samstag mit 731,9 an (Vortag: 760,1). Experten gehen davon aus, dass sie tatsächlich viel höher ist, weil viele Infizierte keinen PCR-Test mehr machen und so auch nicht erfasst werden. Gesundheitsminister Karl Lauterbach schätzt die Gesamtzahl auf das Drei- bis Vierfache. Weil viele Menschen aber geimpft sind oder bereits infiziert waren, gibt es deutlich weniger schwere Verläufe als früher. (dpa)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Politik
Politik Sanktionen als Bumerang: Wie der Westen seine Gegner stärkt
06.11.2026

Der Westen setzt auf Sanktionen, Exportverbote und Zölle, um seine geopolitischen Gegner unter Druck zu setzen. Doch eine neue Studie...

DWN
Technologie
Technologie BMW Neue Klasse: Ein Auto darf kein Computer auf Rädern sein
06.11.2026

Chinesische Hersteller entwickeln neue Autos deutlich schneller als europäische Konkurrenten. BMW-Entwicklungschef Mike Reichelt erklärt,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Raffinerien schließen: Warum sogar Hähnchen teurer werden
06.11.2026

Europa verliert Raffinerien und damit einen Rohstoff, ohne den zahlreiche Industriezweige nicht auskommen. Die Schwefelknappheit lässt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitskosten in Deutschland: So stark unterscheiden sich die Regionen
05.11.2026

Die Kosten einer Arbeitsstunde liegen in Deutschland regional weit auseinander. Besonders deutlich zeigt sich das Gefälle zwischen...

DWN
Technologie
Technologie Roboter im Stromnetz: Eon testet humanoide Helfer gegen Fachkräftemangel
05.11.2026

Humanoide Roboter könnten künftig Fachkräfte im Stromnetz bei Kontrollen und gefährlichen Arbeiten unterstützen. Eon, EnviaM und Neura...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nike-Aktie in der Krise: Rund 200 Milliarden Dollar vernichtet
05.11.2026

Jahrzehntelang galt Nike als nahezu unantastbar. Doch strategische Fehlentscheidungen, vernachlässigte Innovationen und aufstrebende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Haushalte in Deutschland schrumpfen bis 2050 – Osten besonders betroffen
05.11.2026

Die Zahl der Privathaushalte in Deutschland könnte bis 2050 erstmals seit der Wiedervereinigung sinken. Nach Berechnungen des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DHL unter Druck: Deutschlandgeschäft bremst Wachstum deutlich
05.11.2026

Das Deutschlandgeschäft entwickelt sich für DHL zunehmend zum Problem. Während der Konzern international kräftig wächst, bricht das...