Wirtschaft

Britische Käufer greifen wegen hoher Inflation zu hässlichem Gemüse

Der Verkauf von Produkten, die frisch sind aber nicht perfekt aussehen, sind letzten Monat deutlich gestiegen.
19.10.2022 17:00
Lesezeit: 2 min
Britische Käufer greifen wegen hoher Inflation zu hässlichem Gemüse
Britische Lebensmittelkunden suchen wegen Rekordinflation nach Alternativen. (Foto: dpa)   Foto: Sven Hoppe

Verbraucher im Vereinigten Königreich kaufen frisches, aber fehlerhaftes Obst und Gemüse, um die höchsten Lebensmittelpreisinflation seit 2008 zu verkraften. Laut einem Bloomberg-Bericht waren die Verkäufe von Produkten wie beispielsweise „Perfectly Imperfect“ von der Supermarkt-Gruppe Tesco und „Naturally Wonky“ von Morrisons im vergangenen Monat um 38 Prozent gestiegen.

Die Inflationsrate im Vereinigten Königreich hat mit 13,10 Prozent im August einen Rekordstand erreicht und auch die Lebensmittelinflation steigt rasant an. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Nielsen IQ zahlten britische Verbraucher im September 10,6 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Kunden wechseln bereits zu Discount-Supermärkten. Letzten Monat wurde Aldi zum viertgrößten Supermarkt und überholte Morrisons.

Der deutsche Discounter konnte seine Führung in Oktober mit einem Marktanteil von 9,3 Prozent gegenüber 9 Prozent bei Morrisons behaupten. Sowohl Aldi als auch Lidl steigerten ihren Umsatz im Vereinigten Königreich in den letzten 12 Wochen um mehr als 20 Prozent.

Auch in den USA profitiert Aldi von explodierenden Lebensmittelpreisen. Mehr als eine Million neue Haushalte haben im vergangenen Jahr in den USA bis September bei Aldi eingekauft und so zu einem zweistelligen Umsatzwachstum beigetragen.

Inflation ist breit aufgestellt

Im Vereinigten Königreich schränken Kunden ihre Ausgaben für nicht lebensnotwendige Produkte ein, da die Kosten für alles - von Heizung über Kraftstoff bis hin zu Lebensmitteln - in die Höhe schießen, so Bloomberg.

Laut Fraser McKevitt, Leiter des Bereichs Einzelhandel beim britischen Marktforschungsunternehmen Kantar, fördern Lebensmittelhändler seit längerer Zeit den Verkauf von visuell nicht perfektem Obst und Gemüse. „Wir haben gesehen, dass die Lebensmittelhändler in den letzten Jahren optisch unvollkommenes Obst und Gemüse stark gefördert haben. Dies ermöglicht ihnen jetzt weiterhin die von den Verbrauchern gewünschten frischen Produkte anzubieten, aber zu einem günstigeren Preis,“ sagte McKevitt. „Viele Kunden sind überzeugt.“

Das Wachstum von Aldi und Lidl sei „außergewöhnlich,“ fügte er hinzu. Er erwarte, dass die Discounter in den nächsten Jahren ihren gemeinsamen Marktanteil von derzeit 16 Prozent auf rund 20 Prozent anwachsen würden. Es gäbe jedoch auch Herausforderungen. Aldi und Lidl müssten sicherstellen, dass sich ihre Investitionen rentierten und sich auch mit konkurrierenden Einzelhändlern auseinandersetzen, die gegen ihre Pläne waren, mehr Läden zu eröffnen.

Der starke Anstieg der Lebensmittelkosten im Vereinigten Königreich bedeutet, dass der durchschnittliche Jahreseinkauf einer Familie um 643 Pfund steigen wird. Dies zu einer Zeit, in der die Menschen bereits versuchen, mit steigenden Energierechnungen zurechtzukommen. Die Verkäufe von Tiefkühlgemüse sind nur leicht gestiegen, so Bloomberg. „Die Lebensmittelinflation ist sicherlich die höchste, an die sich jeder, der in der Branche arbeitet, erinnern kann,“ sagte McKevitt. „Wir können nicht darauf verzichten, zu essen und zu trinken, uns zu waschen und unsere Häuser zu putzen (also müssen wir uns anpassen)“.

Bei Aldi in den USA sind vor allem wohlhabendere Haushalte verantwortlich für die veränderten Einkaufsgewohnheiten von Verbrauchern. Die Mehrheit der neuen Kunden im vergangenen Jahr waren Haushalte mit mittlerem und hohem Einkommen mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 50.000 bis 100.000 US-Dollar.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Brady TwinLead: Wenn das Etikett plötzlich mitdenkt

Ein Etikett bleibt am Produkt, doch die Informationen dahinter können sich verändern. Mit TwinLead verbindet Brady physische...

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Prognose: Einer der größten Käufer beginnt zu verkaufen
15.10.2026

Jahrelang kauften Zentralbanken Gold in außergewöhnlichem Umfang. Nun schlägt mit Kasachstan einer der größten Käufer einen anderen...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie überspringt die 1.000-Euro-Marke: Ist das die Trendwende?
15.10.2026

Nach deutlichen Kursgewinnen am Mittwoch setzt die Rheinmetall-Aktie ihre Erholung am Donnerstag fort. Eine frühe Xetra-Notierung liegt...

DWN
Finanzen
Finanzen Kospi-Crash: Warum Südkoreas Chipaktien die Börsen erschüttern – was jetzt wichtig ist
15.10.2026

Der südkoreanische Leitindex Kospi rutschte am Donnerstag zeitweise rund acht Prozent ab. Besonders stark traf es die Samsung...

DWN
Finanzen
Finanzen Berkshire Hathaway-Aktie: Greg Abel investiert in Bending Spoons – Berkshires 930-Millionen-Dollar-Wette
15.10.2026

Warren Buffetts Nachfolger Greg Abel richtet Berkshire Hathaway stärker auf digitale Geschäftsmodelle aus. Die Holding investiert weitere...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Darf der Arbeitgeber einen Nebenjob verbieten? Das müssen Arbeitnehmer wissen
15.10.2026

Ein Nebenjob kann eine gute Möglichkeit sein, das Einkommen aufzubessern. Doch darf der Arbeitgeber des Hauptjobs einen Nebenjob...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ökostromanbieter grüüün gibt auf: Was der Lieferstopp für rund 200.000 Kunden bedeutet
15.10.2026

Der Stromversorger grüüün beendet zum 31. Oktober 2026 die bundesweite Belieferung von Privatkunden. Das junge Unternehmen macht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dacia Sandero Stepway: Europas Bestseller hat ein Sicherheitsproblem
15.10.2026

Europas meistverkauftes Auto kommt nicht von Volkswagen, Toyota oder Peugeot, sondern von Dacia. Der Sandero Stepway punktet mit enormer...

DWN
Technologie
Technologie BMW 7er im Test: Hightech ohne Herz? Der Verbrenner schlägt zurück
15.10.2026

Der neue BMW 7er ist ein rollender Hightech-Palast: gigantische Bildschirme, künstliche Intelligenz und ein Elektroantrieb mit brachialer...