Deutschland

Spediteure versprechen gefüllte Regale im Weihnachtsgeschäft

Laut dem Logistikverband BGL wird es im Weihnachtsgeschäft 2022 keine leeren Regale geben. Aber das könne sich in den kommenden Jahren ändern.
20.10.2022 10:08
Lesezeit: 2 min

Die deutschen Verbraucher müssen dem Logistikverband BGL zufolge im Weihnachtsgeschäft trotz massenhaft fehlender Lkw-Fahrer keine leeren Regale fürchten - zumindest nicht in diesem Jahr.

„Die Situation ist noch angespannter als vergangenes Jahr“, sagte der Vorstandsprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), Dirk Engelhardt, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Aber ich gehe davon aus, dass wir das Weihnachtsgeschäft noch gewuppt kriegen.“

In den mittelständischen Unternehmen sitzen der Disponent, der Opa oder der Junior-Chef am Steuer, so Engelhardt. Auch würden Rentner aus dem Ruhestand mobilisiert. Leere Regale müssten daher nicht gefürchtet werden. „Aber das kann sich in den kommenden Jahren ändern.“

Der Branche fehlen laut BGL mittlerweile 100.000 Lkw-Fahrer - unter anderem, weil viele Ältere in Rente gehen und wenig Nachwuchs nachkommt. Wenn der Negativtrend anhält, könnte in zehn Jahren eine viertel Million Fahrer fehlen, bei gleichzeitiger Zunahme des Güterverkehrs.

„Wenn wir das Problem nicht angehen, haben wir dann ein Riesenproblem in Deutschland“, so Engelhardt. „Logistik ist systemrelevant.“ Die Politik müsse sich den Problemen endlich widmen. „Ein Mix aus Maßnahmen kann helfen“, sagt der Vorstandssprecher.

So koste ein Lkw-Führerschein mehr als 10.000 Euro, was viele abschrecke. „Denn so viel Geld hat nicht jeder auf der hohen Kante.“ Bildungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit und finanzielle Unterstützung könnten hier Abhilfe schaffen.

Notwendig sei auch eine Imagekampagne. Viele Fahrer machten das schlechte Image des Berufs hauptverantwortlich dafür, warum nicht ausreichend Nachwuchs nachkomme.

„Ein Problem ist auch, dass die Frauenquote nur bei etwa zwei Prozent liegt“, sagte Engelhardt. „Das ist auch kein Wunder, fehlen doch Parkplätze mit sauberen Sanitäranlagen.“ Abhilfe könne hier schaffen, wenn Lkw so umgerüstet werden dürften, dass es wie in Wohnmobilen Dusche und Chemotoilette gebe.

Notwendig sei aber eine weitere Komponente, um dem Fachkräftemangel beizukommen. „Es wird nicht ohne qualifizierte Zuwanderung gehen“, sagte der BGL-Experte.

Der Verband würde es begrüßen, in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und dem TÜV in Drittländern wie Tunesien, den Balkanstaaten oder der Türkei interessierte Fahrer vorzuqualifizieren, um sie danach gleich einsetzen zu können.

„Bislang dauert das alles zu lange, die Visumvergabe braucht etwa ein Jahr.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Das Thema Datenschutz ist als Verkaufsargument erneut in den Fokus gerückt

Nicht nur im Bankwesen oder in den sozialen Medien spielt der Datenschutz bei alltäglichen Kaufentscheidungen eine wichtige Rolle. Auch...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street feiert Comeback, da Sorgen um Waffenruhe durch Israel-Libanon-Gespräche gelindert wurden
09.04.2026

Nach anfänglichen Turbulenzen drehen die Kurse plötzlich ins Plus – was hinter der Erleichterung der Anleger steckt und welche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation steigt kurzfristig: IWF warnt vor Risiken für Märkte
09.04.2026

Der Iran-Krieg drückt auf das globale Wachstum und treibt die Preise. Selbst das optimistischste Szenario des IWF sieht jetzt eine...

DWN
Politik
Politik Waffenruhe im Golf: Straße von Hormus weiterhin eingeschränkt
09.04.2026

Die Waffenruhe im Golf sorgt weiterhin für Unsicherheit auf zentralen Handelsrouten und belastet Reedereien sowie Energiemärkte. Warum...

DWN
Politik
Politik 5 Prozent Inflation: Trotz Waffenstillstand droht erheblicher Kaufkraftverlust
09.04.2026

Es ist laut IEA die "schwerste fossile Energiekrise unserer Zeit" – und die Inflation zieht bereits spürbar an. Experten warnen vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Firmenpleiten auf höchstem Stand seit mehr als 20 Jahren
09.04.2026

Mehr als 4.500 Firmen meldeten im ersten Quartal Insolvenz an – so viele wie seit 2005 nicht mehr. Besonders stark betroffen sind...

DWN
Politik
Politik Nach Waffenruhe: Wie ist der Stand in der Straße von Hormus?
09.04.2026

Der Iran will Maut verlangen. Was ist erlaubt, und wer könnte die Passage sichern? Antworten auf zentrale Fragen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise fallen kaum: Ölpreis stürzt, Zapfsäule bremst
09.04.2026

Der Ölpreis bricht ein – doch an der Zapfsäule kommt davon kaum etwas an. Jetzt wächst der Druck auf Konzerne und Politik, die Preise...

DWN
Politik
Politik Streit um Rundfunkbeitrag: VGH prüft Programmvielfalt
09.04.2026

Neun Kläger vor dem VGH Baden-Württemberg weigern sich, den Rundfunkbeitrag zu zahlen. Sie bezweifeln die Ausgewogenheit der...