Finanzen

Credit Suisse zieht die Reißleine: Führung kündigt radikalen Umbau an

Die in Schieflage geratene Großbank zieht die Reißleine. Die Führung verkündet weitreichende Maßnahmen - und den Einstieg eines mächtigen Golf-Staates.
27.10.2022 10:00
Aktualisiert: 27.10.2022 10:50
Lesezeit: 3 min
Credit Suisse zieht die Reißleine: Führung kündigt radikalen Umbau an
Die Credit Suisse versucht sich mit einem radikalen Umbau aus der Schieflage zu befreien. (Foto: dpa) Foto: Salvatore Di Nolfi

Die angeschlagene Schweizer Großbank Credit Suisse will mit einer Kapitalerhöhung, Entlassungen im großen Stil und einem radikalen Umbau des Investmentbankings aus der Krise kommen.

Die Saudi National Bank werde bei der beschlossenen Kapitalerhöhung mit 1,5 Milliarden Franken (1,51 Mrd Euro) einsteigen und dann 9,9 Prozent des Aktienkapitals besitzen, teilte die Credit Suisse (CS) am Donnerstag mit. Die Bank kündigte die Ausgabe neuer Aktien im Gesamtvolumen von rund vier Milliarden Schweizer Franken an. Das entspricht fast einem Drittel der aktuellen Marktkapitalisierung.

Der Schweizer Finanzblog Inside Paradeplatz kommentiert den Einstieg der Saudis folgendermaßen:

Mit der Rettung durch das mächtige Saudi-Arabien wird die Nummer 2 des Schweizer Finanzplatzes ein arabisches Geldinstitut. Zu ihren bisherigen grossen Eigentümern zählen mit Katar und der reichen saudischen Familie Olayan bereits zwei Einflussreiche aus dem Mittleren Osten. Zusammen mit dem neuen Hauptaktionär, der Saudi-Notenbank, passiert in Zukunft nichts mehr ohne den Segen des Öl-Staats.

Credit Saudi.

Aus Sicht des Landes eine Katastrophe. Bei der UBS vor 14 Jahren war neben es neben Bern Singapur, das rettete. Der Asien-Stadtstaat agierte zurückhaltend und zog sich später zurück. Die CS holte schon damals mit Katar Araber an Bord. Nun, eine halbe Ewigkeit später und mitten in der nächsten Grosskrise, übergibt die ausgeblutete Grossbank die Schlüssel vollends ins Wüstenreich.

Statt Bern jetzt Riad. Die Tragödie ist die Schuld von historischem Missmanagements. Die CS wurde von ihren Masters of the Universe ausgenommen bis zum bitteren Ende.

Seit Jahren in Schieflage

Die nach der UBS zweitgrößte Schweizer Bank legte einen erneut großen Quartalsverlust vor, den vierten in Folge. Im dritten Quartal lag der Verlust bei gut vier Milliarden Franken und deutlich höher als von Analysten erwartet. Der Verlust umfasst den Angaben zufolge eine Wertberichtigung latenter Steuerguthaben in Verbindung mit der Strategieüberprüfung der Bank in Höhe von 3,7 Milliarden Franken. Vor Steuern lag der Verlust bei 342 Millionen Franken - nach einem Gewinn von rund einer Milliarde im Vorjahreszeitraum.

„Das dritte Quartal und der bisherige Jahresverlauf 2022 wurden durch die anhaltend schwierigen Markt- und makroökonomischen Bedingungen erheblich beeinträchtigt“, zitierte die Bank Konzernchef Ulrich Körner. Er ist als harter Sanierer bekannt und hat im Sommer den Chefposten übernommen. Die Credit Suisse werde ihren Fokus künftig auf die Vermögensverwaltung und das Schweizer Geschäft ausrichten. Er kündigte neben der Stärkung der Kapitalbasis und Kosteneinsparungen eine tiefgreifende Umstrukturierung der Investmentbank an.

Nach zuletzt starken Verlusten im Investmentbanking will die Credit Suisse sich von einem bedeutenden Anteil des kapitalintensiven Verbriefungsgeschäfts (Securitized Products) trennen, bei dem Kredite in Wertpapiere umgewandelt werden. Er soll an ein Konsortium um das Private Equity Unternehmen Apollo verkauft werden.

Das Verbriefungsgeschäft und andere Bereiche, die aufgegeben werden, sollen zunächst in eine Abwicklungseinheit (Capital Release Unit/CRU) geführt werden. Leiterin wird Louise Kitchen, die von der Deutschen Bank zur CS wechselt. Investmentbank-Chef Christian Meissner tritt mit sofortiger Wirkung zurück.

Zudem sollen das Kapitalmarkt- und Beratungsgeschäft in den nächsten drei Jahren in die neue Einheit CS First Boston ausgegliedert werden. „Die künftige CS First Boston strebt die Einwerbung von Fremdkapital sowie eine bevorzugte, langfristige Partnerschaft mit der neuen Credit Suisse an“, teilte die Bank mit.

Umfangreiche Stellenstreichungen

Die Bank will zudem 17 Prozent ihrer 52 000 Stellen abbauen. Es sollen Ende 2025 nur noch 43 000 Angestellte sein. Die Kosten sollen bis Ende 2025 um etwa 15 Prozent auf dann 14,5 Milliarden Franken sinken. Bereits bestätigt hatte die Bank den geplanten Verkauf des traditionsreichen Hotels Savoy in Zürich. Das Gebäude wurde auf bis zu eine halbe Milliarde Franken geschätzt.

Die Bank ist seit den Debakeln um den milliardenteuren Zusammenbruch des Hedgefonds Archegos und die Liquidierung der Greensill-Fonds im vergangenen Jahr stark angeschlagen. Durch eine Serie von Skandalen und Gerichtsverfahren ist das Vertrauen in die Bank angeschlagen. Der Börsenwert der Bank ist seit 2017 von damals 45 Milliarden Franken auf im Oktober zeitweise unter zehn Milliarden Franken gefallen. Der Aktienkurs lag Anfang Oktober bei einem Allzeittief von unter vier Franken, ehe er sich leicht erholte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Steuerfalle Online-Slots: Wie die 5,3-Prozent-Abgabe Spieler in den Schwarzmarkt treibt

Seit Mitte 2021 besteuert Deutschland virtuelle Automatenspiele auf den Einsatz statt auf den Gewinn. Ökonomen warnen, dass dieses Modell...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Was könnte billiger werden, wenn der Krieg im Iran tatsächlich zu Ende geht?
18.06.2026

Eine belastbare Waffenruhe zwischen den USA und Iran könnte die Rohstoffmärkte deutlich entlasten. Neben Öl und Gas wären auch Dünger,...

DWN
Politik
Politik Rente, Steuern, Flüge — was sich im Juli ändert
18.06.2026

Wer kann sich über mehr Geld freuen, und was ist neu beim Online-Shopping? Der Juli bringt Änderungen für Millionen Deutsche.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Aughinish Alumina: Die Raffinerie in russischem Besitz, auf die Europa nicht verzichten kann?
18.06.2026

Die irische Raffinerie Aughinish Alumina gehört dem russischen Konzern Rusal und ist zugleich für Europas Aluminiumversorgung zentral....

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SpaceX fällt zum ersten Mal seit dem Börsengang, während die CME Group ihren CEO verliert
17.06.2026

Ein turbulenter Handelstag an der Wall Street bringt unerwartete Wendungen für Anleger.

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Aktie vorm Dauerabsturz? Autokonzern existenzgefährdet - VW-Bosse schlagen Alarm
17.06.2026

Hiobsbotschaft vor der Hauptversammlung: Bei Volkswagen bewertet das Top-Management die Lage des Autokonzerns als schlecht – und zwar...

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Welche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft am meisten wert ist
17.06.2026

Die teuersten Teams bei der Fußball-WM 2026 kommen überwiegend aus Europa. Doch die Marktwerte zeigen vor allem eines: Geld erhöht die...

DWN
Finanzen
Finanzen Fed-Zinsentscheid: Warsh ignoriert Trump - US-Notenbank lässt Leitzins unverändert
17.06.2026

Zum vierten Mal im laufenden Jahr bleibt der US-Leitzins unverändert. Das dürfte vor allem US-Präsident Trump ärgern, der mit dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Baumarktkette Hellweg meldet Insolvenz an: 2900 Mitarbeiter betroffen
17.06.2026

Hellweg meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an: Alle Filialen und der Online-Shop des Dortmunder Unternehmens bleiben vorerst geöffnet....