Politik

Russland stoppt ukrainischen Getreide-Export über das Schwarze Meer

Russland setzt das von den UN und der Türkei vermittelte Abkommen mit der Ukraine zum Export von Getreide aus. Die Ukraine erhebt schwere Vorwürfe dagegen.
29.10.2022 17:04
Aktualisiert: 29.10.2022 17:04
Lesezeit: 2 min
Russland stoppt ukrainischen Getreide-Export über das Schwarze Meer
Russland hat dem Getreide-Export aus der Ukraine über das Schwarze Meer vorerst ein Ende gesetzt. (Foto: dpa) Foto: ---

Russland stoppt ukrainische Getreide-Ausfuhren über das Schwarze Meer. Die Teilnahme an dem von den UN und der Türkei vermittelten Abkommen mit der Ukraine werde ausgesetzt, teilte das russische Verteidigungsministerium am Samstag mit. Das vor drei Monaten ausgehandelte Abkommen sollte den weltweiten Anstieg der Getreidepreise dämpfen. Die Ukraine ist einer größten Exporteure des Grundnahrungsmittels weltweit. Viele Entwicklungsländer sind vom Import vergleichsweise preiswerten Getreides abhängig.

Nach russischen Angaben wurden am Samstag früh Schiffe der Schwarzmeerflotte in Sewastopol auf der Krim mit Hilfe von Drohnen angegriffen. Russland machte die Ukraine dafür verantwortlich. Dabei sei sie von Großbritannien unterstützt worden. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, weil die Sicherheit des für die Getreidetransporte eingerichteten Korridors nicht mehr gewährleistet werden könne, werde das Abkommen ausgesetzt.

Die ukrainische Regierung wies die russische Darstellung scharf zurück. Russland habe Angriffe auf eigene Einrichtungen erfunden. Der ukrainische Präsidentenberater Andrij Jermak sprach von "fingierten Terrorattacken".

UN dringen auf Einhalten von Getreideabkommen

UN-Sprecher Stephane Dujarric erklärte, die Vereinten Nationen stünden in Kontakt mit Russland. Es sei von entscheidender Bedeutung, dass niemand das Getreide-Abkommen gefährde. Es gehe um eine wichtige humanitäre Maßnahme, durch die Millionen von Menschen Zugang zu Nahrungsmitteln bekämen. Seitdem Russland und die Ukraine am 22. Juli das Abkommen unterzeichnet haben, wurden mehrere Millionen Tonnen Mais, Weizen, Sonnenblumenprodukte, Gerste, Raps und Soja aus der Ukraine exportiert. Voraussetzung war die Aufhebung der Blockade ukrainischer Häfen und die Schaffung sicherer Korridore durch das Schwarze Meer für die Frachter. Vertreter der UN hatten sich noch Mittwoch zuversichtlich gezeigt, dass die ursprünglich auf 120 Tage begrenze Vereinbarung über Mitte November hinaus verlängert werden könne.

Am Samstag morgen hatte der Gouverneur von Sewastopol mitgeteilt, ein Drohnenangriff in der Bucht sei vereitelt worden. "In der Stadt wurde nichts getroffen. Wir bleiben ruhig. Die Lage ist unter Kontrolle", teilte der von Russland eingesetzte Verwaltungschef, Michail Raswoschajew, auf Telegram mit. Sewastopol ist die größte Stadt auf der 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim und Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte. Die Nutzung der Anlagen durch Russland war nach der Auflösung der Sowjetunion von beiden Nachfolgestaaten vertraglich geregelt worden.

Ohne eine Verbindung zu den Vorkommnissen auf der Krim zu ziehen, erklärte der russische Agrarminister Dmitri Patruschew ebenfalls an Samstag, sein Land sei bereit, arme Länder in den kommenden vier Monaten mit insgesamt 500.000 Tonnen Getreide zu versorgen. "In Anbetracht der diesjährigen Ernte ist die Russische Föderation vollumfänglich bereit, ukrainisches Getreide zu ersetzen und mit erschwinglichen Preisen alle daran interessierten Länder zu beliefern", sagte Patruschew. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Terrorgefahr? Iranische Drohungen sorgen für neue Sicherheitswarnungen in Deutschland
14.07.2026

Ein iranischer Zeitungsbeitrag sorgt in Berlin für wachsende Besorgnis. Politiker mehrerer Parteien sehen darin mehr als bloße Propaganda...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chemieindustrie: Warum Deutschland seine industrielle Basis verspielt
14.07.2026

Sie steht selten im Rampenlicht, doch ohne sie läuft fast nichts: Europas Chemieindustrie liefert die Grundlage für Medikamente,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Sandisk-Aktien brechen um 13 Prozent ein, da Chip-Ausverkauf die Wall Street erschüttert
13.07.2026

Turbulente Zeiten an der Börse: Erfahren Sie, welche Ereignisse die Technologieriesen jetzt ins Wanken bringen.

DWN
Finanzen
Finanzen Eurozone: Inflation fällt überraschend deutlich – was das für die EZB-Zinspolitik bedeutet
13.07.2026

Die Inflation in der Eurozone ist im Juni stärker gesunken als erwartet. Nach dem Preisschub durch den Krieg im Nahen Osten und hohe...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft E-Auto-Produktion in Europa legt zu: Neue Studie zeigt überraschende Entwicklung
13.07.2026

Die europäischen Strafzölle auf Elektroautos aus China sollten heimische Produktionsstandorte stärken. Erste Daten deuten tatsächlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Lululemon-Aktie: Michael Burry sieht jetzt eine Chance
13.07.2026

Die Lululemon-Aktie hat in den vergangenen Monaten deutlich an Wert verloren. Mehrere Rückschläge, interne Probleme und ein schwieriges...

DWN
Politik
Politik Analyse: Wenn Putin verzweifelt, müssen wir seine Reaktion wirklich fürchten
13.07.2026

Der Druck auf Russland wächst militärisch und wirtschaftlich. Die Verluste an der Front sind enorm, die Wirtschaft ächzt unter dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Vollsperrungen bei der Deutschen Bahn: Konzept in der Kritik
13.07.2026

Monatelange Sperrungen, teure Sanierungen – und trotzdem bleibt der Bahnverkehr auf wichtigen Strecken chaotisch. Was steckt hinter den...