Deutschland

Auftragseingänge der Industrie schrumpfen deutlich

Deutsche Unternehmen verzeichnen seit einigen Monaten deutliche Rückgänge bei den Aufträgen.
04.11.2022 11:00
Aktualisiert: 04.11.2022 11:06
Lesezeit: 2 min

Die deutsche Industrie hat im September einen Auftragseinbruch erlitten. Die Bestellungen gingen um 4,0 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang von 0,5 Prozent gerechnet, nach einem Minus von revidiert 2,0 Prozent im August.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag der Auftragseingang kalenderbereinigt sogar 10,8 Prozent niedriger. „Der Höhenflug der Auftragseingänge, der sich nach der Corona-Pandemie im Zuge von Nachholeffekten eingestellt hatte, scheint beendet zu sein“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK). Die Auftragseingänge lägen nun wieder auf einem Niveau wie vor der Corona-Krise.

Das Ausland hält sich zurück

Der Rückgang im Vormonatsvergleich war laut Ministerium auf einen Einbruch der Auslandsnachfrage zurückzuführen: Während die inländischen Bestellungen noch leicht im Plus lagen, sanken die Auftragseingänge aus dem Ausland um 6,3 Prozent im Nicht-Euroraum beziehungsweise 8,0 Prozent im Euroraum.

Auf Branchenebene fallen insbesondere kräftige Rückgänge in den beiden größten Industriebereichen Kraftfahrzeuge (-9,0 Prozent) und Maschinenbau (-8,1 Prozent) ins Auge. „Die schwächere weltweite Konjunktur macht sich bei der deutschen Industrie immer stärker bemerkbar“, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

„Die deutsche Wirtschaft ist auf Rezessionskurs – so viel kann aus den verheerenden Auftragseingängen abgeleitet werden“, kommentierte VP Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel die Daten. Auch Bundesbankchef Joachim Nagel sieht für Deutschland eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft im vierten Quartal 2022 und Anfang 2023 schrumpft.

Der Industrie fehle neben Großaufträgen vor allem auch das Brot-und-Butter-Geschäft, betonte Chefökonom Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. „Hohe Energiepreise und fehlendes Material behindern weiterhin die Produktion.“ Dies zeigt auch eine jüngst vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erhobene Firmenumfrage.

Lesen Sie dazu: Aluminium-Branche: Betriebe stellen Produktion massenhaft ein

Die Materialknappheit in der Industrie ist laut dem Ifo-Institut im Oktober allerdings leicht zurückgegangen. 63,8 Prozent der von den Münchner Forschern befragten Firmen berichteten von Engpässen, nach 65,8 Prozent im September. „Der große Auftragsbestand der Industrie kann nicht abgearbeitet werden“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Das wäre aus seiner Sicht für eine Stützung der Konjunktur gegenwärtig jedoch sehr wichtig.

Eurozone: Stimmungsindex sinkt

Die Unternehmensstimmung im Euroraum hat sich im Oktober weiter verschlechtert. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global fiel zum Vormonat um 0,8 Punkte auf 47,3 Zähler, wie die Marktforscher am Freitag in London nach einer zweiten Umfragerunde mitteilten. Der Indikator ist damit den sechsten Monat in Folge gefallen und liegt so tief wie seit fast zwei Jahren nicht mehr.

Eine erste Erhebung wurde leicht nach oben revidiert. Zunächst war für Oktober ein Indexwert von 47,1 Punkten ermittelt worden und Analysten hatten im Schnitt eine Bestätigung der ersten Schätzung erwartet. Der Stimmungsindex für den Bereich Dienstleistungen fiel den Angaben zufolge von 48,8 Punkten im Vormonat auf 48,6 Punkte im Oktober.

Die Stimmungsindikatoren liegen damit unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, was auf eine schrumpfende Wirtschaft hindeutet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Iran-Krieg eskaliert weiter
10.03.2026

Die Angriffe im Iran eskalieren weiter, während Trump ein baldiges Kriegsende signalisiert. Gleichzeitig spitzt sich die Lage für die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Boom der Abnehmmedikamente: Trend verstärkt soziale Ungleichheit in der Gesundheitsbranche
10.03.2026

Abnehmmedikamente wie Ozempic verändern die Behandlung von Adipositas und verschärfen zugleich die Debatte über soziale Ungleichheit im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die Elektroauto-Euphorie ist vorbei: Jetzt kommt die Rechnung
10.03.2026

Abschreibungen in Höhe von rund 50 Milliarden Euro, gestoppte Projekte und eine strategische Kehrtwende zurück zum Verbrennungsmotor: Die...

DWN
Technologie
Technologie Von der Leyen kündigt Strategie für Kernenergie-Ausbau an
10.03.2026

Europa will bei der Kernenergie aufholen: Eine neue Strategie für kleine Reaktoren soll Innovationen vorantreiben und die Stromversorgung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spannungen im Persischen Golf: Wie der Iran-Krieg die Energiemärkte belastet
10.03.2026

Der Iran-Krieg erhöht den Druck auf Energiepreise, Finanzmärkte und globale Kapitalströme. Welche Märkte, Branchen und Regionen sind...

DWN
Finanzen
Finanzen Biontech-Aktie: Gründer Sahin und Türeci verlassen Konzern, Aktie stürzt ab
10.03.2026

Die Gründer von Biontech treten ab und starten ein neues Biotech-Unternehmen. Für die Biontech-Aktie beginnt eine neue Phase, geprägt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kreditvergabe: Banken werden strenger – wie Unternehmen dennoch an Geld kommen
10.03.2026

Banken verschärfen derzeit die Kreditvergabe – und ausgerechnet innovative Unternehmen geraten dabei nicht selten ungewollt ins...

DWN
Panorama
Panorama Evakuierungsflüge: Vollkasko oder staatliche Pflicht?
10.03.2026

Nach dem US-israelischen Angriff auf Iran sitzen tausende Urlauber in der Krisenregion Nahost fest. Nicht wenige hoffen auf staatliche...