Wirtschaft

Wie sich Katar in Großbritannien einkauft

Das Golf-Emirat hat einen Großteil seines Reichtums in Großbritannien investiert.
12.11.2022 09:08
Lesezeit: 2 min

Während sich die Aufmerksamkeit der Welt auf den Start der Fußballweltmeisterschaft in knapp zwei Wochen in Katar richtet, zeigt eine Analyse, dass das Emirat über die Jahre ein britisches Vermögen von mehr als 40 Milliarden Pfund angesammelt hat.

So hat es in den vergangenen zehn Jahren (seit 2012) Immobilien im Wert von 10 Milliarden Pfund gekauft, wie aus einer Untersuchung von The Guardian hervorgeht. Dazu gehören sogenannte „trophy assets“ wie das Londoner Kaufhaus Harrods, fünf-Sterne-Hotels wie das Ritz Hotel und das Savoy (entweder ganz oder teilweise im Besitz) und die Finanzierung von Großbritanniens höchstem Gebäude, dem Shard in London.

Das Öl- und Gas-reiche Land, ein britisches Protektorat von 1916 bis 1971, hat auch Anteile an Spitzenunternehmen wie zum Beispiel Barclays Bank, Sainsburys und British Airways, erworben.

Durch diese Investitionsstrategie hat Katar jetzt erheblichen Einfluss auf die britische Wirtschaft. In Deutschland hat der Staatsfonds des Emirats, Die Qatar Investment Authority (QIA), mehr als 25 Milliarden Euro investiert und sich somit jede Menge Macht erkauft. Die Qatar Holding – eine Tochtergesellschaft der QIA – stieg Anfang Oktober mit 2,43 Milliarden Euro in den Energieversorger RWE ein und konnte so mit neun Prozent zum größten Einzelaktionär des Konzerns aufsteigen. Das Emirat hat sich über die QIA auch am Börsengang von Porsche beteiligt.

Immobilienfokus in Großbritannien

Britische Immobilien haben sich als besonders attraktiv für Katar erwiesen. Es besitzt mehr als 4,000 Landtitel in ganz Großbritannien, einschließlich luxuriöser Villen und Hotels sowie verschiedene Gewerbegebiete und Reihenhäusern. Zu den Londoner Projekten von Qatari Diar, des Immobilienentwicklungsunternehmens des Emirats, gehören auch die Chelsea Barracks, die US-Botschaft und Grosvenor Waterside.

Das Ritz Hotel, das Savoy, das Connaught, das Berkeley, das Churchill, die Grosvenor House Suites und das InterContinental Park Lane Hotel – diese Fünf-Sterne-Hotels in London mit einem geschätzten Wert von um die fünf Milliarden Pfund – befinden sich ganz oder teilweise im Besitz von Katar.

Und im Dezember 2010 kaufte die QIA das weltberühmte Kaufhaus Harrods für mehr als 1,5 Milliarden Pfund. Das Emirat finanzierte auch das zwei Milliarden Pfund teure Shard-Projekt, das höchste Gebäude Großbritanniens, und besitzt verschiedene Grundstücke rund um die Immobilie.

Unklare Eigentumsverhältnisse

Laut der Guardian-Analyse von mehr als 4,000 britischen Landtiteln sind die Interessen Katars vielfältiger als bisher angenommen und umfassen auch Industriegebiete, bescheidene Hotels am Meer und Reihenhäuser in verschiedenen Gebieten.

Nach Angaben von MSCI Real Assets besitzt Katar fast 2,1 Millionen Quadratmeter in Großbritannien - mehr als das 1,5-fache der Fläche des Londoner Hyde Parks. Viele dieser Immobilien befinden sich in den Steuerparadiesen Jersey, den britischen Jungferninseln oder den Kaimaninseln. Dieses macht es oft schwierig, die Eigentumsverhältnisse zu ermitteln.

Der Untersuchung von The Guardian zufolge mieten und kaufen Tausende von Menschen unwissentlich Immobilien von Katar. „Das Immobilienentwicklungsunternehmen des Emirats, Qatari Diar, ist ein wichtiger Partner bei einer Reihe von Stadterneuerungsprojekten und besitzt daher Tausende von Grundstücken.“

Zukunftsstrategien

Hinter der Strategie, sich Einfluss zu erkaufen, steckt im Falle Katars auch eine politische Strategie. Das Land ist klein und immer wieder gibt es Töne aus Saudi-Arabien, man habe großes Interesse am größten Gasfeld der Welt, welches sich Katar mit dem Iran teilt. Ob das Emirat seinen jetzt schon sehr großen Einfluss im Immobiliensektor in Großbritannien in Zukunft noch weiter stark ausbaut, wird sich zeigen.

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Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

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