Wirtschaft

Klimawandel: Hitzekollaps bedroht Arabica-Morgenkaffee

Forscher warnen, dass die Arabica-Pflanzen durch den Klimawandel aussterben könnten. So könnte der tägliche Morgenkaffee in Zukunft noch teurer werden.
16.11.2022 11:33
Lesezeit: 2 min
Klimawandel: Hitzekollaps bedroht Arabica-Morgenkaffee
Der Klimawandel lässt die geeigneten Lebensräume für den wichtigen Arabica-Kaffee extrem schnell verschwinden. (Foto: iStock) Foto: fermate

Arabica-Kaffee könnte ein Opfer eines durch den Klimawandel erhitzten Planeten werden. Selbst wenn die aktuellen Verpflichtungen zur weltweiten Emissionsreduzierung eingehalten werden, wird die Kaffeeproduktion in den Ländern, die 75 Prozent des weltweiten Angebots an Arabica-Kaffee produzieren, dennoch drastisch schrumpfen.

Australische Forscher warnen anhand einer neuen Studie, dass es Schwellenwerte für die globale Erwärmung gibt, bei deren Überschreitung die Arabica-Kaffeeproduktion einbricht. Das wäre katastrophal für Millionen von Bauern, die meisten in Entwicklungsländern, und für Millionen von Kaffeefans weltweit.

Wenn es gelingt, die globale Erderwärmung in diesem Jahrhundert unter 2 Grad Celsius zu halten, dann haben die Hersteller von Arabica-Kaffee weltweit mehr Zeit sich anzupassen.

Wenn nicht, sind Produktivitätseinbrüche, Lieferunterbrechungen und Preiserhöhungen bei der täglichen Tasse Kaffee sehr wahrscheinlich, so Jarrod Kahn, leitender Dozent für Ökologie und Naturschutz an der Süd-Queensland Universität in Australien.

Top Produzenten: Brasilien, Kolumbien und Äthiopien

Kaffee ist eine Multimilliarden-Dollar-Industrie. Der größte Teil des weltweiten Arabica-Kaffees wird in ganz Lateinamerika, Zentral- und Ostafrika sowie in Teilen Asiens angebaut. Brasilien, Kolumbien und Äthiopien sind die drei größten Arabica-Erzeuger der Welt.

Arabica wächst in der Regel in kühlen, hochgelegenen tropischen Gebieten mit einer Jahrestemperatur von 18-23 Grad Celsius am besten. Höhere Temperaturen und trockenere Bedingungen sind extrem negativ für die Kaffeeproduktion. Nach einer der schlimmsten Dürreperioden in der Geschichte Brasiliens letztes Jahr, fiel die Produktion dort um ungefähr ein Drittel, und Kaffeepreise weltweit schossen in die Höhe.

Kritische Werte schon in manchen Ländern überschritten

Kahn zufolge sind Temperaturen und Niederschläge nicht die besten Indikatoren für die weltweite Produktivität von Arabica-Kaffee. Stattdessen sei es effektiver ist zu messen, wie trocken und heiß die Luft ist, der sogenannte „Dampfdruckdefizit-Effekt.“

„Das Dampfdruckdefizit zeigt uns, wie viel Wasser einer Pflanze entzogen wird. Wenn man zum Beispiel an einem heißen, trockenen Tag nach draußen geht und unsere Lippen werden trocken und rissig, ist es dasselbe wie bei Pflanzen: die Feuchtigkeit wird ihnen entzogen, weil draußen ein hohes Dampfdruckdefizit herrscht.“

Modelle, die mit jahrzehntelangen Daten über die Kaffeeproduktivität in den wichtigsten Arabica-Anbauländern verknüpft wurden, führten zu den folgenden Resultaten: die Arabica-Kaffee Produktionserträge gingen stark zurück, sobald das Dampfdruckdefizit einen kritischen Punkt erreichte.

So wurden in Kenia, Mexiko und Tansania die Schwellenwerte für das Dampfdruckdefizit bereits überschritten.

Risiken für die wichtigsten Kaffee-Produzenten

Durch ungebremste globale Erderwärmung werden die wichtigsten Kaffeeproduzenten der Welt in Zukunft gefährdet sein, sagte Scott Power, Co-Autor der Studie und Direktor für das Zentrum für angewandte Klimawissenschaften an der Süd-Queensland Universität.

„Wenn die globale Erderwärmung von 2 auf 3 Grad Celsius steigt, dann werden Peru, Honduras, Venezuela, Äthiopien, Nicaragua, Kolumbien und Brasilien mit sehr viel größerer Wahrscheinlichkeit die Schwelle des Dampfdruckdefizits überschreiten."

Diese Länder produzieren zusammen 81 Prozent des weltweiten Kaffeeangebots.

Zukunftszenarien

Der Studie zufolge ist die Senkung der weltweiten Netto-Treibhausgasemissionen entscheidend. „Die Begrenzung der globalen Erwärmung im Einklang mit dem Pariser Abkommen ist unsere beste Option, um sicherzustellen, dass wir alle weiterhin Kaffee genießen können,“ so die beiden Forscher.

„Noch wichtiger ist, dass eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf weniger als 2 Grad Celsius der beste Weg ist, um den Millionen gefährdeter Landwirte, die weltweit Kaffee anbauen, eine Lebensgrundlage zu sichern.“

Arabica-Kaffee stammt ursprünglich aus Afrika, wird inzwischen aber in vielen Teilen der Welt angebaut. Die wilden Formen sind wichtig, denn sie bilden eine Grundlage für die Zucht neuer Kaffeesorten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Verpackungsverordnung macht EU-Versand für kleine Händler zum Verlustgeschäft
23.08.2026

Europa verspricht kleinen Unternehmen einen grenzenlosen Binnenmarkt, doch neue Verpackungsregeln bewirken zunehmend das Gegenteil....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Herbert Wertheim macht aus Geduld Milliarden und aus 35 Millionen Euro einen Ferrari
23.08.2026

35 Millionen Euro für einen elektrischen Ferrari wirken selbst unter Milliardären außergewöhnlich. Für Herbert Wertheim folgt der...

DWN
Technologie
Technologie Roboter rücken in den Supermarkt vor: Beginnt der Wandel am Arbeitsmarkt?
23.08.2026

In Dänemark sollen humanoide Roboter nachts Supermarktregale auffüllen. Gesteuert werden sie zunächst von Menschen mit VR-Headset, doch...

DWN
Technologie
Technologie KI-Sicherheitsrisiken außer Kontrolle? Wenn Maschinen selbstständig angreifen
23.08.2026

KI-Systeme finden selbstständig Sicherheitslücken, führen Cyberangriffe aus und können sogar neue Viren entwerfen. Die technologische...

DWN
Finanzen
Finanzen ETF-Risiken: Die gefährliche Macht der großen Indexfonds
23.08.2026

ETF gelten als günstig, bequem und vergleichsweise sicher. Doch je mehr Kapital automatisch in dieselben Aktien fließt, desto stärker...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft China-Handel: Deutschland wird zum größten Warnsignal für Europa
23.08.2026

Chinas Exportoffensive trifft Europas Industrie immer härter, besonders Deutschland gerät unter Druck. Brüssel sucht nach...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Echt oder Kopie? Billige Labordiamanten erobern den Markt
22.08.2026

Labordiamanten kosten nur einen Bruchteil natürlicher Steine und erobern den wichtigsten Diamantenmarkt der Welt. Für Juweliere,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Bahn: Vandalismusschäden in Höhe von 34 Millionen Euro
22.08.2026

Graffitis an Bahnhofswänden, Kabeldiebstahl, zerkratzte Scheiben in Zügen - die Deutsche Bahn ist ständig mit Vandalismus konfrontiert....