Politik

Bundesregierung will Obergrenze für Bargeld einführen

Die Bundesregierung will ein Limit für Bargeldgeschäfte einführen. Besonders Innenministerin Nancy Faeser (SPD) setzt sich für die Obergrenze ein. Als Grund nennt sie den Kampf gegen organisierte Kriminalität.
15.11.2022 17:04
Aktualisiert: 15.11.2022 17:04
Lesezeit: 2 min

Eine Obergrenze für Geschäfte mit Bargeld rückt immer näher. Sowohl das Bundesinnenministerium als auch das Bundesfinanzministerium treiben die Pläne voran. Die Ministerien greifen damit eine EU-Geldwäscherichtlinie auf, die derzeit unter den Mitgliedsstaaten ausgehandelt wird und bis zum Ende des Jahres umgesetzt werden soll.

Innenministerin Faeser fordert Bargeldobergrenze

Bundesinnenministerin Nancy Faeser fordert für Bargeldzahlungen eine Obergrenze von 10.000 Euro. „Ein 30.000 Euro-Barkauf von Schmuck oder Uhren sollte bald der Vergangenheit angehören“, sagte die SPD-Politikerin der „Bild am Sonntag“. „Ich setze mich für die Einführung einer allgemeinen Bargeldobergrenze von 10.000 Euro ein. Das verringert die Gefahr, dass Vermögenswerte von Kriminellen verschleiert werden“, so Faeser weiter.

Die Innenministerin wolle kriminelle Strukturen zerschlagen und ihnen kriminelle Einnahmen entziehen, berichtet das Blatt. Eigentumsstrukturen müssten nach ihrem Willen transparenter werden, Grundstückseigentümer leichter ermittelbar sein. Gleiches gelte für Bargeldtransfers.

Das Bargeldlimit ist Teil eines Maßnahmenkatalogs zur Bekämpfung organisierter Kriminalität, den die Innenministerin am 16. November auf der Herbsttagung des Bundeskriminalamts (BKA) vorstellen will.

Finanzminister: Höhe der Obergrenze noch unklar

Im Finanzministerium bemühte man sich indes, das Vorpreschen Faesers wieder einzufangen. Es sei „unzutreffend“, dass sich die Bundesregierung bereits „auf die Zustimmung zu einer Obergrenze oder auf eine bestimmte Höhe festgelegt“ habe, sagte ein Sprecher des Finanzministerium auf Nachfrage des Handelsblatts.

Das Ministerium sagte zudem, dass Finanzminister Lindner immer deutlich gemacht habe, dass Bargeldkäufe auch künftig weiterhin möglich sein müssten. Das widerspricht allerdings den erst kürzlich getroffenen Aussagen Lindners, bei denen er für die Einführung des digitalen Euro als Alternative zu Bargeld warb. Das Finanzministerium sieht derweil kaum noch Chancen, die Obergrenze für Bargeld zu verhindern und verweist auf den EU-Gesetzgebungsprozess.

„Eine mögliche Obergrenze kann auf EU-Ebene mit qualifizierter Mehrheit und damit auch gegen die Stimme Deutschlands beschlossen werden“, so ein Sprecher des Ministeriums. Deshalb könne Deutschland mit seiner abgestimmten Position lediglich Einfluss auf die Richtung der Entscheidung nehmen. Zudem betont man im Ministerium, dass ein Limit für Barzahlungen keine Obergrenze für Bargeld an sich sei. „Wichtig ist, dass der Bargeldbesitz weiterhin unbegrenzt möglich ist“, heißt es.

Kritik kommt aus Opposition und Verbraucherschutz

In vielen EU-Staaten gibt es bereits strikte Obergrenzen für Bargeld. In Spanien und Frankreich etwa liegt sie derzeit bei 1.000 Euro, in Belgien und den Niederlanden bei 3.000 Euro. In Einzelfällen sind allerdings Transaktionen wie etwa der Autokauf davon befreit. In Italien liegt die Grenze derzeit bei 2.000, wird aber unter der neuen Ministerpräsidentin Meloni voraussichtlich auf 10.000 Euro angehoben.

Kritik an den Plänen der Bundesregierung kam ausgerechnet aus der Union. Ironischerweise war es ein Unions-Politiker, Ex-Finanzminister Wolfgang Schäuble, der das Thema Bargeldobergrenze bereits vor sechs Jahren auf den Tisch packte und erst aufgrund immenser öffentlicher Kritik wieder beerdigte.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der EVP-Fraktion im EU-Parlament, Markus Ferber (CSU), sagte: „Ich bin dagegen, Bürger zu kriminalisieren.“ Ferber hofft darauf, dass auf Regierungsebene doch noch ein Umdenken einsetzt. „Sollte Deutschland seinen Widerstand aufgeben, ist die Sperrminorität im EU-Rat dahin“, so der CSU-Politiker.

Auch Verbraucherschützer kritisierten die Pläne. Eine Sprecherin der Verbraucherschutzzentrale Bundesverband (VZBV) sagte dem Handesblatt. „Der Staat muss wirksame Maßnahmen gegen Geldwäsche betreiben, das steht außer Frage. Es ist aber nicht gut, Bargeldnutzer unter Generalverdacht zu stellen und in ihrem Handeln zu beschränken.“

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Ripple startet RWA-Strategie, AMT DeFi-Verträge für erneuerbare Energien gehen live – XRP beginnt einen neuen Aufwärtszyklus

Mit der beschleunigten Einführung der RWA-Strategie (Real World Assets) durch Ripple entwickelt sich die Blockchain-Branche von reinem...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen PayPal-Datenschutz: In drei Schritten zu mehr Privatsphäre beim Bezahlen
17.01.2026

PayPal weiß oft mehr über Ihre Zahlungen, als Ihnen lieb ist – und diese Informationen können für Werbung genutzt werden. Wer seine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Drogeriemarkt DM expandiert: Omnichannel-Strategie treibt Auslandsgeschäft an
17.01.2026

Der DM-Konzern treibt den Ausbau seines Auslandsgeschäfts trotz hoher Anlaufkosten gezielt voran. Geht die Skalierungsstrategie des...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Eberswalder Wurst: Fleischriese Tönnies macht Traditionsbetrieb dicht – warnendes Lehrstück für andere Unternehmen
16.01.2026

Mit der Schließung der Eberswalder Wurstwerke verschwindet ein weiterer DDR-Traditionsbetrieb. Das Werk im brandenburgischen Britz wird im...

DWN
Politik
Politik Trump setzt sich durch: Wie die Abstimmung im US-Senat den Kongress spaltet
16.01.2026

Donald Trump demonstriert erneut, wie eng seine Machtbasis im US-Kongress weiterhin ist, selbst bei umstrittenen außenpolitischen Fragen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kakaopreis rutscht ab: Ursachen und Folgen für Märkte und Industrie
16.01.2026

Der Kakaomarkt reagiert auf spürbare Veränderungen bei Nachfrage und Verarbeitung. Signalisiert der jüngste Rückgang des Kakaopreises...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Porsche-Aktie: Absatzkrise in China – Porsche verkauft deutlich weniger Fahrzeuge
16.01.2026

Porsche spürt die anhaltende Marktschwäche in China deutlich: Der Absatz ging 2025 um rund ein Viertel auf 41.900 Fahrzeuge zurück....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiekrise verschärft sich: Gaspreise in Europa innerhalb einer Woche um 20 Prozent gestiegen
16.01.2026

Europas Gasmarkt erlebt einen kräftigen Preissprung: In nur einer Woche stiegen die Kosten für Erdgas um rund 20 Prozent und erreichten...

DWN
Panorama
Panorama Urlaubspläne 2026: Deutsche halten trotz Wirtschaftskrise fest
16.01.2026

Die Reiselust der Deutschen bleibt ungebrochen: Rund zwei Drittel der Bevölkerung planen für 2026 eine Urlaubsreise. Dennoch ist die Zahl...